Ich brauche Abstand
#1
Hallo Ihr alle zusammen!

Ich bin seit vielen Jahren mit einem A/Pler zusammen. Er hat nach einem Burnout diese Symptome entwickelt (da waren wir gerade mal ca 2 Jahre zusammen, so genau weiss ich das zeitlich nicht mehr, da es ein fliessender Übergang war) und nach einer recht gut verlaufenen Verhaltenstherapie selbst weiter gekämpft. Phasenweise wollte er damals z.B. nicht mehr allein Auto fahren geschweige denn Bus oder ähnliches, er wollte/ konnte kaum noch allein sein. Ich habe ihn immer unterstützt und versucht, ihm durch zuhören, da sein, etc. beizustehen. Ich habe ihm auch ab und an mal in den A... getreten und /oder versucht, mit Humor ein wenig die Luft aus der Sache zu lassen. Die Angst vor dem Alleinsein kam bei ihm auch  hauptsächlich durch die Angst davor, "einfach tot umzufallen". Also Angst vor der Angst, die dann den Kreislauf so hochfährt, dass das Herz jagt und so weiter und so fort. Das ewige Blutdruckmessen und Puls fühlen und so weiter haben ja genug andere schon hier beschrieben. Er war auch zweimal im Krankenhaus deswegen, immer mit dem Resultat, dass sein Herz top ist und alles in bester Ordnung, was ihm dann natürlich total peinlich war - aber ich denke, besser einmal zuviel den Notarzt gerufen als einmal zu wenig. (Ich war übrigens beide Male auf der Arbeit, als das passiert ist.)

Alles schön und gut (bzw natürlich nicht, aber ich sage das, weil diese Zeit eigentlich weit hinter uns liegt - dachte ich zumindest) und über viele Jahre hat er sich langsam aus der Geschichte rausgekämpft. Ich bewundere das und ich finde es toll, wie er das geschafft hat. Auto fahren geht wieder, Bahn fahren, Bus fahren, ich fahr auch mal allein in Urlaub, was ich regelmässig ca. alle zwei Jahre mache und was er auch unterstützt. Er macht auch viel für mich und ist mir unglaublich dankbar. Wir haben immer eine gute Beziehung gehabt, viel gelacht und viel geredet und auch körperlich war es immer schön.

Ich merke nur, dass ich jetzt gerade nicht mehr kann. Nach einer Grippe hat er Schwindel entwickelt und nun geht in meinem Kopf das alles wieder von vorne los. Ich habe glaube ich unbewusst Angst, dass ich jetzt wieder die ganze Zeit (im übertragenen Sinn) Händchen halten muss und unterstützen etc. - klar, er hat gerade echte Symptome und die sind durch die Grippe bedingt und nicht die Angst - aber ich kann es einfach nicht mehr hören! Das ewige "wird das je wieder gut? Und wenn es doch was Schlimmes ist?" etc - es nervt mich nur noch. Ich versuche, es mir nicht anmerken zu lassen, aber das klappt natürlich nicht immer. Was soll ich tun? Ich merke, dass ich immer ungeduldiger werde und immer genervter, wenn er schon wieder drüber reden will. Ich will so nicht sein, ich will ja geduldig sein und nett und verständnisvoll. 


Ich habe zwischendrin selbst eine depressive Phase gehabt, weil zusätzlich zu seinen Problemen noch ein paar familiäre Dinge auf meiner Seite dazu kamen. Da habe ich eine Therapeutin aufgesucht und gemerkt, dass ich eigentlich nicht über die familiären Dinge sondern hauptsächlich über meinen Mann reden musste. Das hat gut getan und ich habe auch gemerkt, dass ich einfach mehr auf mich selbst achten muss und mir nicht zuviel aufladen darf. Das ist auch schon wieder ein paar Jahre her. Depressiv fühle ich mich gerade zumindest nicht.

Was aber jetzt dazu kommt - und das ist mein eigentliches Problem - ist, dass ich absolut keine Lust mehr auf Sex habe. Das ist einfach tot. Nähe ist okay, aber Sex mag ich einfach keinen mehr. Und das schockiert mich. Ich weiss auch nicht, ob ich darüber mal so offen und ehrlich mit ihm reden sollte - er ist ja nicht blöd und merkt has natürlich auch. Was passiert denn, wenn ich (natürlich nicht so direkt...) sage, "pass auf, ich war jetzt über viele Jahre immer für Dich da und hab Krankenschwester, Therapeutin, Mutter, Kumpel und beste Freundin für Dich gemacht und die Geliebte ist jetzt dabei draufgegangen?"

Ich habe Angst davor, von meinen momentanen Gefühlen zu erzählen, weil ich ihn trotz der ganzen Sache liebe und mit ihm zusammen bleiben möchte, und ich will ihn nicht verletzen - aber geht das, wenn ich ihn körperlich einfach nicht mehr attraktiv finde? Das ist ja auch jetzt schon verletztend für ihn, wenn ich ihn immer abweise. Es ist glaube ich das erste massive Problem, dass ich in unserer Beziehung habe. Und ich traue micht nicht, es direkt anzusprechen, weil ich Angst habe, dass er dann in eine Angstspirale gerät - ich war ja immer die, die ihm Halt gegeben hat!

Was soll ich tun? Hat sowas einer von Euch auch schon erlebt?

Ihr seht, ich bin relativ verzweifelt... vielen Dank schon jetzt für Euren Beistand.

Beste Grüsse, Elster.
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#2
Hallo Elster,

ich war jetzt über viele Jahre immer für Dich da und hab Krankenschwester, Therapeutin, Mutter, Kumpel und beste Freundin für Dich gemacht und die Geliebte ist jetzt dabei draufgegangen?"
Ich glaube , das genau dieser Satz der springende Punkt ist. Und du solltest mit ihm schon darüber sprechen.

Gruß
Karin
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#3
Hallo Elster,

mein Freund war die letzten Jahre in deiner Situation.
Über fast 5 Jahre hat er von mir ständig hören müssen, wie schlecht es mir geht, hat mir versucht Halt zu geben, wusste manchmal nicht was zu tun ist, musste sich anhören "das hört nie wieder auf - ich kann nicht mehr..."

Ich denke das ganze ist nicht einfach.

Was genau findest du an ihm nicht mehr attraktiv? Wo denkst du, fehlt die Anziehungskraft? Fühlst du dich zu anderen Männern hingezogen? - Damit meine ich nicht, eine Art vom fremdgehen sondern, ob dir diese Anziehungskraft nur bei deinem Freund fehlt.

Ich kann dir sagen, dass ich mit meinem Freund nun über 7 Jahre zusammen bin und in dieser Zeit hatte ich viele Phasen, wo sexuell bei mir nichts ging.
Auch hab ich mich nicht mehr zu ihm hingezogen gefühlt. Manchmal dachte ich schon, was das alles soll.

Aber ich hab dann das Gespräch gesucht. Es ist wichtig, auch wenn du ihm damit vielleicht vor den Kopf stößt, was zu sagen.
Nur weil die "Geliebte" gerade nicht zugegen ist, heißt das doch noch lange nicht, dass du dich trennen möchtest oder?

Das kannst du ihm sagen. Auch er muss was das angeht Verständnis aufbringen.
Eine Beziehung ist ein Geben und nehmen und du darfst auch mal schwach sein.

LG Brini
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#4
In meiner letzten Beziehung
hat es meine sog. bessere Hälfte
nicht interessiert, wie es mir psych. ging,
und trennte sich von mir.
Allerdings war ich auch nicht annähernd so, wie Dein Partner ist.
(Nicht falsch verstehen bitte. Ist nicht böse gemeint!)
Ich kann verstehen dass diese Situation anstrengend für Euch ist.
Aber Du schreibst dass Du ihn trotz der Sache liebst.
Das ist doch schon mal viel wert.
Einen Rat habe ich leider nicht,
ich kenne diese Situation nun mal von der anderen Seite.
Alles Gute.
 Es sind nicht die Dinge die uns beunruhigen, sondern unsere Sicht der Dinge.
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#5
Hi Elster,

ich denke in jeder Beziehung gibt es mal Flauten, da läuft mal weniger, und mal garnix. Das muss ja nicht unbedingt mit der AP Deines Freundes zu tun haben, oder? Oder hat es? Natürlich ist ein Angsthase als Mann ja nicht unbedingt so was man sich vorstellt. Hmm, ist Dein Freund in Therapie? Oder hat er mal über eine Klinik nachgedacht? So ist das ja auch kein Zustand, und ich würde da schon ein klein wenig was sehen wollen, dass er was unternimmt, das es besser wird.

Die eigentliche Frage ist doch wie sehr Du darunter leidest keinen Sex mehr zu haben. Wenn Du keine Lust hast ist das halt so. Wenn Du schon Lust hast, nur nicht mit ihm, dann ist das blöd, und eine gemeine Zwickmühle.

Aber ich kann Dich trösten, ich bin auf dem Gebiet auch frustriert, wobei ich der mit dem Knacks bin, also die andere Seite. Wobei ich das mit der AP schon gut zurückgedrängt habe, also ich spinne nicht mehr mit Krankheitsgeschichten oder sonstige Spleens rum und nerve meine Frau mit sowas nicht mehr. Wenn dann gehts mir halt manchmal nicht soooo gut, aber selbst dann lasse ich mich nicht ganz durchhängen.

Maik
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