Brauche hilfreiche Tipps
#1
Hallo,

ich habe hier im Forum "Rat und Tat" schon öfter was geschrieben, da ging es um mich. Jetzt gehts jedoch um meinen Freund. Er hat Depressionen, war deswegen mit mir in der selben Klinik und da haben wir uns auch vor über 8 Monaten kennengelernt. Vor knapp 2 Monaten hat er einen Praktikumsplatz als IT-Fachmann bekommen und soll am 1. September dort eine 3-jährige Ausbildung beginnen. Erst hat er es dort immer ganz in Ordnung gefunden, doch seit ca. 2 Wochen kommt er fast täglich mit übler Laune nach Hause. Er sagt, es gefalle ihm nicht mehr in der Firma. Wenn ich ihm nach den Gründen frage, sagt er mir, dass er dauernd kritisiert wird, z. B. dass er nicht immer so viele Fragen stellen soll oder dass er selbstbewusster den Telefondienst erledigen soll, dass der Chef manchmal schimpft und dass ein Kollege immer ein wenig bei jedem stichelt. Seine Laune und Trauer hält den ganzen Tag an, bis wir schlafen gehen. Ihn lenkt nur wenig ab, er schläft ein und sieht einfach alles wahnsinnig negativ. Das Problem ist, dass ich nicht weiß, was ich für ihn tun soll, damit es ihm besser geht. Er ist immer unzufrieden. Als er keine Arbeit hatte, war er schlecht drauf, als er eine Hilfsmaßnahme vom Jobcenter begonnen hat, war er schlecht drauf, jetzt wo er endlich die Ausbildung, die er immer wollte, hat, ist er am allerschlechtesten drauf. Er zieht mich jedesmal mit runter mit seiner miesen Laune. Dann erwartet er immer, dass ich ihn tröste und mir was einfallen lasse, was ihn ablenkt. Doch er hat auf nichts Lust. Ich denke mir, dass er lernen muss, mit Kritik umzugehen und dass es überall Menschen gibt, mit denen man besser und schlechter klarkommt. Er sieht nichts mehr positiv. Es macht mich langsam irgendwie wütend. Mich konnte er am laufenden Band kritisieren, aber wenn er Kritik bekommt, ist er am Boden zerstört. Diese ständige miese Laune kann ich auf Dauer nicht ertragen. Wie kann ich ihn denn ablenken, wenn er nach Hause kommt? Was kann ich denn tun, damit er die Arbeit Arbeit sein lässt und auf andere Gedanken kommt, wenn er die Firma verlässt? Ich bin für jeden einzelnen Tipp dankbar. Ich kann das auf Dauer nicht ertragen, ich muss selbst noch an mir arbeiten. Ich möchte ihn auf keinen Fall verlassen, weil ich ihn sehr liebe, aber zur Zeit tut es mir gut, einige Stunden Abstand zu haben und etwas mit anderen Leuten zu unternehmen. Ich möchte ihm ja helfen, aber es ist mir einfach zu viel im Moment.
Gib niemals auf. Die schönsten Dinge passieren dann, wenn du es am wenigsten erwartest.
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#2
Hallo Henne,
wichtig ist es, dass du dir genügend Freiraum nimmst.

Mein damals bester Freund war genauso. Mit nichts zufrieden. Er war an sich ein echt netter hilfsbereiter Kerl, aber nur schlechte Laune und viel gejammert. Mit der Arbeit war er nicht zufrieden (neue wollte er nicht suchen, würde ja eh nix finden), das Geld war zu wenig (aber hat sich vorher einen BWM gekauft), er würde nie eine Freundin finden, weil ihn alle immer nur ausnutzen oder nur als Freund sehen, er würde gerne als Hobby fotografieren (hab gesagt dann tu das doch, er fand immer Gründe wieso das nicht ginge)

Das hat mich jedes mal so runter gezogen, dass ich die Freundschaft langsam auf Eis gelegt habe, das war vor 5 Jahren und nächsten Samstag sind wir (mein Freund und ich) auf seiner Hochzeit eingeladen Wink

Mir hat es meist geholfen, wenn mir meine Therapeutin vor den Kopf gestoßen hat. Samthandschuhe helfen ja selten und sie hat gesagt, dass es so nicht geht. Das hat mir nicht gefallen, aber ich wusste sie hat recht. Und so musst du es denke ich bei deinem Freund machen. Sag ihm, was dich belastet. Das du nicht immer der Kasper bist und ihn bespaßt, dass es dir auch oft schlecht geht. Zudem muss am Ende jeder mit sich selbst zurecht kommen.

Natürlich liebst du ihn, aber du bist nicht für sein Leben verantwortlich. Ich bin derzeit auch auf Arbeitssuche, aber ich kann nicht warten, dass jemand klingelt und sagt "hier ist die perfekte Stelle für sie". Du bist genauso wichtig wie er. Ich hab die ganzen Jahre versucht es anderen recht zu machen, weil ich es 18 Jahre so gelernt habe. Nun hab ich zu kämpfen, mich selbst zu finden. Also bitte denke auch an dich Smile
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#3
Du hast wahrscheinlich recht. Er möchte sich auch um nichts kümmern. Keine Alternative suchen, wenn die Arbeit so schlimm ist, nicht zu seiner Psychologin gehen und sich von ihr Tipps holen usw. Stattdessen kommt er heim und jammert sich in den Schlaf...Meine Mutter fährt heute für einen Monat weg und ich hoffe und es tut mir Leid, dass ich nicht auch einen Platz im Reisebus für mich reserviert habe. Jetzt bin ich ziemlich traurig, ich habe das Gefühl, dringend mal hier raus zu müssen. Ich habe heute Abend kaum Lust nach Hause zu fahren und ihn wieder im Bett liegend mit Gejammer vorzufinden. Dann kommt auch dauernd Kritik von ihm, wie z.B. "Du darfst nicht passiv sein, wenn es mir schlecht geht" oder "Du musst es endlich mal schaffen, mich zu trösten" oder "Seh es halt als Belastungsprobe". Ich habe diesen Druck, den er macht so satt und finde es fast schon unverschämt. Ich weiß nicht, ob mir zusteht, das zu sagen, aber ich würde am liebsten eine oder zwei Wochen meine Freunde, die über 1000 km weit weg wohnen, besuchen und es mir gut gehen lassen, weil ich nicht sein Leben regeln kann und will. Ich habe das Gefühl, er wartet auf ein Wunder und will selber nichts dafür tun. Jetzt hat er eine Woche frei, aber wie ich ihn ablenken solll? Keine Ahnung...und ich hab nichtmal mehr die Kraft, mir Gedanken über irgendwelche Ausflüge oder Freizeitaktivitäten zu machen...
Gib niemals auf. Die schönsten Dinge passieren dann, wenn du es am wenigsten erwartest.
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#4
Doch natürlich steht dir das zu. Denn er nutzt dich gerade aus. Du bist seine Stütze und sollst ihn aufbauen. Sowas kann und darf man aber nicht von seinem Partner erwarten. Was ist denn das für eine Beziehung.
Auch wenn es ihm nicht gefällt, sag ihm das.

- Dann kommt auch dauernd Kritik von ihm, wie z.B. "Du darfst nicht passiv sein, wenn es mir schlecht geht" oder "Du musst es endlich mal schaffen, mich zu trösten" oder "Seh es halt als Belastungsprobe". - Diese Sätze sind nicht nur unverschämt, sondern auch dreist und herablassend.

Du bist auch nicht für ihn verantwortlich. Kein Wunder, so wie er dich behandelt, landest du bald selbst in Depressionen. Lass das bitte nicht mit dir machen. Obwohl es mir schlecht ging, habe ich nicht von meinem Freund erwartet, dass er mich aufbaut. Vielleicht mal ab und zu in den Arm nimmt, wenn ich geweint hab. Er musste sich von mir auch viel Gejammer anhören und meist war ich machtlos, wusste nicht, was ich tun sollte. Hab ihn gefragt, aber nie verlangt, dass er mich bespaßt oder für mich Wunder vollbringt. Bei aller Liebe, das ist reines ausnutzen.

Ach mensch, das tut mir echt Leid. Es ist ja schon schwer genug mit anzusehen, wie jemand so traurig ist. Aber dann sowas gesagt zu bekommen, wenn man sich schon viel Mühe gibt ist gemein.

Ich gebe zu, manchmal hab ich auch darauf gewartet, dass etwas passiert und ich hab nichts dafür getan. Hab andere Leute um Hilfe gefragt und war oft noch deprimierter, weil DIE Lösung nicht dabei war. Aber es gibt sie nicht und das hab ich jetzt auch endlich erkannt.

Trotzdem, wenn er schon jammert, dann sollte er dich nicht auch noch schlecht reden!
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#5
Danke für deine Antworten. Die eine Woche, in der er frei hatte, war zwar in Ordnung, aber es gab auch ein paar schlechte Tage. Am ersten freien Tag hat es mir mit seinem Gejammer gereicht und ich habe ihm gesagt, dass er immer nur mit allem unzufrieden ist. Ich meinte zu ihm, es kann ihm die schönste Sache der Welt passieren und er wird trotzdem unzufrieden sein. Er wurde dann sauer und hat gesagt, dass ich meinen Mund halten soll. Das hat mich schon getroffen und ich war kurz davor meine Sachen zu packen. Dann hat er geweint und ich habe selbst gemerkt, dass ich nicht gehen kann, weil ich ihn wie gesagt, so sehr liebe...es war die letzten paar Wochen eine ziemlich schwierige Zeit für uns beide. Es gab dann paar gute Tage, nur er hat ein Problem, dass er immer so schwer aus dem Bett kommt. Er hat bevor er mich kennenlernte oft fast den ganzen Tag geschlafen, hing nur im Schlafanzug rum, ging erst um 7 Uhr abends duschen, machte gar nichts. Das tat mir nicht gut und das hab ich ihm auch gesagt. Dann meinte er, dass er ein großes Problem mit der Zeitplanung hat (etwas schwierig zu erklären, ich versuchs mal): er kommt in der Früh schwer aus dem Bett, braucht für alles ewig (duschen, fertigmachen fürs rausgehen, Hausarbeit). Rausgehen mag er fast gar nicht, will immer nur in der Wohnung etwas tun. Er findet es schlimm, wenn er abends heimkommt und wir schlafen gehen, ohne eine Serie angesehen zu haben. Er mag schlafen gar nicht und wir müssen um halb 6 morgens aufstehen. Meistens gehen wir oft erst um 12 oder halb 1 ins Bett und als ich endlich meinen Mut zusammengenommen habe (vor über einer Woche) und ihm gesagt habe, dass ich mit 5 Stunden Schlaf pro Nacht nicht auskomme und mich körperlich schlimm fühle und das nicht mehr will, zeigte er keinerlei Verständnis und meinte nur: "Darüber diskutiere ich nicht. Ich finde es blöd, wenn die Zeit ungenutzt ist, schlafen zu gehen". Dann hab ich ihm Egoismus unterstellt (vllt. stimmts ja...). Ich müsste morgens gar nicht um halb 6 aufstehen, ich tu das für ihn, weil er sonst permanent zu spät in der Arbeit sein würde. Ich lege mich danach meistens noch stundenlang hin, aber dann hab ich das Gefühl, nach dem Aufwachen nicht mehr viel vom Tag zu haben. Ich weiß, ich bin ganz schön dumm, dass ich das alles für ihn mache...Ich weiß auch nicht, warum ich das tu. Letzten Mittwochen haben wir uns nach seiner Arbeit auf einem Volksfest getroffen und da hatte er wieder miese Laune, nur weil sein Fahrstil krititsiert wurde. Ich hab das dann nicht für so wichtig gefunden und hab ihn nochmal aufs Thema "Früher ins Bett gehen" angesprochen und dass ich das nicht mehr kann, dass ich Kopfweh habe und mich richtig schlapp und ausgelaugt fühle. Da hatte er wieder kein Verständnis. Da hab ich ihm dann gesagt "Willst du, dass ich irgendwann umkippe?" Dann hat er sich sauer umgedreht und ist gegangen. Mir hat es endgültig gereicht, hab mich mies behandelt gefühl, bin ihm hinterher und habe ihn unter Tränen "Arschloch" genannt. Dann hat er mich weggeschubst und mir hats dann so furchtbar Leid getan. Wir haben uns später wieder vertragen und jetzt seit ca. 1 Woche verstehen wir uns besser, gehen früher schlafen und sind wieder netter zueinander. Aber ich verstehe nicht, wieso ich erst unbedingt Abstand brauche und ihn dann nach paar Stunden so sehr vermisse. Er meint, ich soll für ihn die Zeitplanung übernehmen, d. h. jeden Tag planen, was wir machen. Das hab ich versucht, aber irgendwie verschiebt sich alles oder es fällt aus, weil er so extrem langsam ist. Wieso kann ich den Abstand zu ihm denn nur ein paar Stunden genießen und dann fehlt er mir wieder so? Entschuldigung für den langen Text, aber ich musste mir das einfach mal von der Seele schreiben...
Gib niemals auf. Die schönsten Dinge passieren dann, wenn du es am wenigsten erwartest.
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#6
Hallo
da hast Du dir wirklich eine schwere Last auf die Schultern gelegt, die Du niemals auf Dauer tragen kannst.
Ich kann deine Situation gut nachfühlen, da ich 10 Jahre mit jemandem verheiratet war, der einfach eine negative Grundeinstellung hatte ,permanent schlecht gelaunt war....und und und
Ich habe immer gedacht, ich müsste und könnte ihn glücklich machen....es läge an mir. Erst viele Jahre später habe ich bei einem Therapeuten gelernt:
Niemand kann einen anderen Menschen glücklich machen.
Jeder muss sein Glück selber in die Hand nehmen und sein Leben so gestalten, dass man damit und mit sich selbst glücklich und zufrieden ist....
Lass dir das nicht aufdrücken, dass Du dich anpassen musst...seinen Plan machen musst oder was auch immer...er wird dadurch nicht zufriedener werden! Du höchstens unzufriedener!
Rotwerd
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