Panikattacke ohne Trigger?
#1
Hallo zusammen,

ich bin ganz neu im Thema und hier im Forum.


Kurz zu meiner Geschichte: letzte Woche Mittwoch war ich auf der Autobahn (ich bin im Außendienst tätig und fahre im Jahr ca. 60.000km) 

Ohne jegliche Vorwarnung bekam ich von einer auf die andere Sekunde plötzlich Herzrasen (ich dachte, es springt raus), ein Flackern vor den Augen und zittrige Hände und Knie. Bin sofort auf den Standstreifen und habe dann den Notruf gewählt. Ich kam dann mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus. Mein Puls lag bei 160, EKG war ohne Auffälligkeiten, ebenso die Blutwerte. Im KH hat man auf Dehydrierung getippt, ich bekam 2 Infusionen und wurde am selben Tag entlassen.

Habe mir dann auch nicht großartige Gedanken gemacht, darauf geachtet, dass ich ausreichend trinke und bin 2 Tage ganz normal gefahren. Samstag allerdings dann das gleiche Szenario, wobei ich dann die Strecke mit tiefen Atemzügen und rechts ran fahren, meistern konnte.

Ich fahre gern Auto und hatte bisher keine nennenswerten Unfälle. Angst vor einer Krankheit oder ähnliches habe ich auch nicht. 

Heute war ich bei meiner Hausärztin, sie tippte gleich auf Panikattacke. Jetzt wird zwar noch einiges abgecheckt (nochmal Blutbild und 24h-EKG), aber ich bin mir sicher, dass da nichts ist.

Nun meine Frage: viele sagen, man soll sich damit konfrontieren. Das ist "einfach",. wenn es um Busfahren oder einkaufen geht, aber ich kann doch jetzt nicht auf die Autobahn und bei einer Attacke mein Leben und das Unschuldiger aufs Spiel setzen. 

Außerdem würde ich schon gern wissen, was genau meine Panik ausgelöst hat.

Jetzt bin ich erst mal diese Woche krank geschrieben, aber das ist ja keine Dauerlösung. Ich kann ohne Autobahn fahren meinen Job nicht machen.

Ach ja, ich bin w, 43 Jahre alt und hatte bisher noch nie irgendwelche Ängste (außer vor Spinnen, das aber schon mein Leben lang). 

In letzter Zeit hatte ich relativ viel negativen Stress, was mich auch immer irgendwie begleitet hat. 

Weiß jemand, was ich jetzt tun könnte? Nächster Arzttermin ist am Freitag, aber bis dahin will ich nicht so tatenlos rumsitzen.

Danke euch schon mal im voraus.

LG, N.
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#2
Hallo N.,

herzlich willkommen bei uns im Forum.
Ich denke mal, dass der Stress der Auslöser für die Panikattacken war.
Du hast den Mist ja zum Glück noch nicht lange. Ich würde die Woche auf jeden Fall viel raus gehen und versuchen den negativen Stress zu reduzieren.

Gruß
Karin
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#3
Huhu,

naja einen Trigger gibt es immer.
Meist sind es kurze Gedanken, die man gar nicht so realisiert.
Dann reagiert der Körper zB. mit plötzlichen Herzrasen und man selbst fängt dann an, darauf zu achten.
Es schaukelt sich alles hoch und man bekommt Angst, dass es etwas schlimmes ist.

Hast du vielleicht an irgendeinen beruflichen Termin gedacht oder an etwas, das Privat Sorgen macht.
Du schreibst von negativen Stress. Achtest du genug auf dich?

Ansonsten kann es nicht schaden Ferritin (Eisenspeicher) und Vitamin D testen zu lassen.
Gerade wir Frauen sind ja prädestiniert für Eisenmangel und Vitamin D hat auch der Großteil zu wenig.

LG Brini
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#4
Hey, danke für die schnellen Antworten.

Ja, ich denke, es macht es schwer, den Trigger zu finden. Als ich unterwegs war, habe ich permanent an was gedacht. Der nächste Termin, das zu erledigende Angebot, die offenen Mails usw. Aber das hab ich seit Jahren ständig so...

Bewusst denke ich auch gar nicht an den Stress. Ich bin, obwohl recht emotional veranlagt, bisher immer sehr stressresistent gewesen.

Nein, zugegeben, ich komme im Moment -vor allem durch das private- etwas zu kurz. Es handelt sich dabei nicht mal um meine eigenen Probleme, sondern diese haben mit meinem Partner zu tun (eigentlich hat er Probleme, die aber logischerweise auf unsere Beziehung Einfluss nehmen, seit ca. 6-7 Monaten). Und ich will ihn natürlich unterstützen so gut es geht, weil im Gegenzug würde ich mich auch auf seine Unterstützung verlassen wollen.

Das, was mir persönlich jetzt momentan Stress bereitet, ist die nächste Autofahrt...

Ich habe am Freitag wieder Termin bei der Hausärztin. Bis dahin gibt es zur Sicherheit noch 24h-Blutdruckmessung (läuft seit heute früh) und 24h-EKG (beginnt Donnerstag früh). Heute wurde erneut Blut abgenommen, ich gehe mal davon aus, dass ich dann am Freitag auch was bzgl. Vitamin D-Mangel höre.

Eine Bekannte schrieb mir heute noch, es könnte auch Progesteronmangel sein, aber das wird vermutlich nicht automatisch mit untersucht.

LG, N.
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#5
hallo und willkommen!

deine angst bezieht sich auf die nächste autofahrt, und wie du die bewältigen kannst oder?
du hast es aber schon mal auf der autobahn bewältigt, daher wirst du das wieder können, falls
wieder so eine PA auftritt!  denk daran, du schaffst es!

Wenn sich herausstellt, dass du körperlich gesund bist, würde ich an deiner stelle mal einen  Therapeuten suchen, da
weißt du dann, wie du  mit solchen situationen besser zurechtkommst und bekommst verhalten-tipps.

ruhig und tief atmen ist schon mal ein sehr guter weg, runterzukommen.
alles gute dir,

anita
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#6
Panikattacken werde vom Unterbewusstsein ausgelöst. Deshalb fragen wir uns auch so oft, warum denn nur in bestimmten Situationen, wie zum Beispiel der Autobahnfahrt, Panikattacken auftreten. Millionen andere Menschen machen das jeden Tag und haben keine Panikattacken dabei.

Setz dich mal auf einen Stuhl und versuche bewusst!, eine Panikattacke zu haben. Sag dir: "Ich will jetzt eine Panikattacke haben!". Es wird nichts passieren.

Fährst du auf die Autobahn, bekommst du eine, weil das Unterbewusstsein die Situation ganz anders bewertet. Das Bewusstsein sagt dir: Ich fahre doch nur wie Millionen andere auf der Autobahn, ich darf doch jetzt keine PA haben. Das Unterbewusstsein sieht aber folgendes: Ich MUSS jetzt auf der Autobahn bleiben, ich kann nicht mehr auf der Stelle umdrehen und nachhause fahren, ich kann auch nicht mal eben rechts ran fahren, was sollen denn die anderen denken, ich muss jetzt diesen Zwang bis zum Ende aushalten, hoffentlich merken die anderen Autofahrer nichts, ect ect ect.

Hier wäre es dann interessant nachzufragen. Warum bewertet das Unterbewusstsein die Situation so? Ist vielleicht mal irdendwas ähnliches passiert früher? War was in der Kindheit? Musste ich vielleicht früher Situationen meistern, wo ich keinen Ausweg hatte, und wo ich bis zum Ende weitermachen musste? Vergleicht das Unterbewusstsein vielleicht diese Situationen und sendet mit Signale, dass ich früher diese Situationen erleiden musste und dass das jetzt auf keinen Fall nochmal passieren darf?

Man sollte nicht vergessen: Das Unterbewusstsein macht über 90% der Gehirnkapazität aus. Die neuronalen Impulse werden um ein vielfaches schneller verarbeitet als im Bewusstsein. Während ich bewusst vielleicht in einer Sekunde 3 oder 4 Sachen wahrnehmen, verarbeitet das Unterbewusstsein tausende! von Impulsen und Gedankengängen.

lg

Jörg
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#7
Huhu,

Sexualhormone macht üblicherweise der Frauenarzt.
Aussagekräftig sind die aber nur, nach dem Eisprung.
Hab da vor kurzem meinen Arm zu früh hingegeben, sodass ich den 2-wöchigen blauen Fleck umsonst hatte.

Beim Hausarzt wird oft nur ein kleines Blutbild gemacht, ab und an mal ein großes. Aber da sind die relevanten Nährstoffe wie B12, Zink oder Ferritin selten bis gar nicht vorhanden.
Da hat man schonmal Glück, wenn der Arzt Vitamin D bestimmt. Das liegt aber leider am geringen Budget.
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#8
Hi,

Brini, meine Ärztin meinte, sie macht ein großes Blutbild, da ja das kleine bereits letzte Woche im Krankenhaus gemacht wurde.

Ich bin heute Auto gefahren, aber nur hier im Ort. Trotzdem hatte ich die ganze Zeit über einen erhöhten Puls.

FredFred, ja, warum hat mein Unterbewusstsein damit ein Problem? Wenn ich das wüsste... ich bin seit fast 15 Jahren im Außendienst tätig und fahre entsprechend viel. Und bisher immer ohne jeglichen Ängste. Natürlich gabs schon mal die ein oder andere Situation mit Adrenalinschub, das bleibt nicht aus (Vollbremsung, es zieht einer rüber etc.) aber das hat mich bisher nicht länger als wenige Sekunden tangiert.

anita, genau, da hast du Recht. Klar hab ich es schon mal bewältigt, aber ich kann doch dieses Risiko (nicht nur für mich, sondern auch die anderen Verkehrsteilnehmer) nicht fahrlässig eingehen. Im Nachhinein habe ich keine Ahnung mehr, wie ich es auf die Standspur geschafft habe...
Was mir jetzt gerade tatsächlich die größte Sorge bereitet und weshalb ich die Sache auch direkt angehen möchte und schnell Hilfe brauche: wie soll ich meinen Job wieder ausüben??? Jetzt bin ich diese Woche krank geschrieben, nächste Woche kann ich sicher auch noch mit meiner Ärztin klären. Zur Not halt auch 6 Wochen. Aber was dann???

Ich MUSS das in den Griff kriegen.

LG, N.
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#9
Sich zu sagen, man MUSS es in den Griff kriegen, ist der falsche Ansatz. Dadurch setzt man sich selber unter Druck, und das fördert nur noch die Angst. Du sagst ja bei einem Magen-Darm-Infekt auch nicht: Morgen MUSS ich wieder ein fettes Kotelett essen. Vielmehr kümmerst du dich darum, dass du wieder gesund wirst, und dann gehts auch mit dem Essen wieder. Smile

Deine Hausärztin wird wohl schon recht haben, wenn sie auf Panikattacken tippt. Meistens gibts dabei keine Spontanheilung, eher im Gegenteil. Wenns so bleibt oder schlimmer wird, ist ein Gang zum Facharzt und/oder Therapeuten hilfreich, damit man herausbekommt, warum man Panikattacken hat, wo sie herkommen und wie sie wieder verschwinden, im besten Fall.


lg

Jörg
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#10
"Ich MUSS" schonmal gar nicht Wink
Denn damit setzt du dich noch mehr unter Druck.
Und ist ja kein Wunder, du hast die PA so aufgenommen, dass sich nun daraus eine Angst entwickelt hat und Auto fahren ist jetzt dein Trigger.

Manchmal ist das Nervenkostüm so eng, dass irgendwas kleines als Symptom ausreicht, was man dann ansieht, als müsste man hier auf der Stelle sterben.

Wie Jörg schreibst, gibt es da keine Spontanheilung. Es geht jetzt eher darum, dass du wieder lernst, dass dir beim Autofahren nichts passiert.
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#11
FredFred, das ist ein gutes Beispiel, du hast schon Recht. Wobei ich mir bei der letzten (richtigen) Grippe auch sagte, das muss doch jetzt endlich vorbei gehen. Und ich habe wieder viel zu früh angefangen zu arbeiten und es hat sich gerächt. Ich war geschlagene 4 Wochen nicht auf dem Damm. Und ehrlich gesagt, bin ich eigentlich der Mensch, der im Anschluss an eine Magen-Darm-Grippe wieder sehr schnell an ein fettes Kotelett denkt :smile: weil ich es einfach liebe, mein Leben so zu leben. wie ich es gerne mag.

Nein, Brini, auf eine Spontanheilung hoffe/spekuliere ich auch nicht. Ich bin mir ziemlich im Klaren, dass es das nicht geben wird. Nur darauf, dass ich meinen Job weiter machen kann. Das ist,wie gesagt, meine größte Angst derzeit. Und natürlich die, dass mein (bisher echt schönes und lebenswertes) Leben eingeschränkt wird. Das werd ich nicht akzeptieren, da setze ich alle Hebel in Bewegung.

Autofahren ist jetzt mein Trigger, aber ich möchte gerne noch das herausfinden, was mich letzte Woche getriggert hat. Meint ihr, es gibt da mit einer Therapie die Möglichkeit? Ich tue mich auch in anderen Situationen schwer damit, etwas ohne für mich ersichtlichen Grund zu akzeptieren.

LG, N.
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#12
Nachtrag: ich weiß, dass mir beim Autofahren an sich nix passiert.
Wohl aber, dass mir beim Fahren auf der Autobahn was passieren kann, wenn ich dann eine PA kriege. Und ich damit einen Unfall verursachen kann. Aufgrund des Zitterns und der Benommenheit es nicht mehr ohne andere zu gefährden, auf den Seitenstreifen zu kommen.
Dass mir körperlich nichts passiert (Herzinfarkt, Schlaganfall etc.) hab ich kapiert (evtl mein Unterbewusstsein nicht???)
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#13
"Autofahren ist jetzt mein Trigger, aber ich möchte gerne noch das herausfinden, was mich letzte Woche getriggert hat. Meint ihr, es gibt da mit einer Therapie die Möglichkeit?"

Genau dafür ist eine Therpie da. Eine Angststörung bzw. Panikattacken können entweder kurzfristig entstehen, wie zum Beispiel aus einem Trauma heraus, oder sie sind über Jahre oder Jahrzehnte "gewachsen", bis sie irgendwann ausbrechen. Meist liegt der Grund dafür schon in der frühen Kindheit. Es ist nachgewiesen, dass Kinder, die zum Beispiel Angst vor Ablehnung oder zu hohe Erwartungsdruck oder zu wenig Aufmerksamkeit ect ect hatten, später mit grösserer Wahrscheinlichkeit eine Angststörung entwickeln.
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#14
Vielen Dank für eure Antworten. Das hilft mir sehr, euren Input für meinen weiteren Weg mitzunehmen. Denn dieses Thema war für mich bis vor einer Woche noch komplett unbekannt bzw. irrelevant in meinem Leben. Und ich finde es toll, dass man mich hier ernst nimmt, obwohl ich eine bin, bei der die PA noch so frisch sind. Und ich habe schon viel gelesen und bewundere diejenigen, die gelernt haben, schon Jahre damit zu leben. Das ist etwas, was ich mir momentan gar nicht vorstellen kann. dass es möglich ist, damit zu leben.
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#15
Doch, es ist möglich.
Ich hatte damit einmal 2010 und dann nochmal 2015 zu tun.
Einmal fast 1 Jahr und beim 2. Mal um die 5-6 Monate. Beide Mal mit Therapie, nur war der erste Therapeut nicht so besonders.

Bei mir hat man (endlich) 2014 eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse gefunden, ich hab mich 2015 damit und auch mit Nährstoffmängeln, sowie mit mir selbst beschäftigt.
Auch wenn ich ab 2011 keine PAs mehr hatte, hatte ich dennoch 3 Jahre lang die verschiedensten Symptome.

Nährstoffmängel sind einige vorhanden, meine Schilddrüse wird immer mal wieder neu eingestellt, auch weil ich letztes Jahr die Pille komplett abgesetzt habe.
Dennoch geht es mir um weiten besser, als früher.

Ja, man kann es sich nicht richtig vorstellen, dass auf einmal die Angst wieder in normalen Bahnen ist.

Und wegen dem Trigger: Meist löst wie gesagt ein kurzer Gedanke die Symptome aus.
Man reagiert nicht zwangsläufig mit Angst auf den Gedanken, sondern bewertet die Symptome als tödlich.
Dann rutscht man in den Kreislauf.

Ich hab in meiner Therapie gelernt, dass die Bewertung das A&O ist.
Man kann Gefühle und Gedanken nicht beeinflussen, aber das was man tut.
Wenn man etwas vorhat und die Angst grätscht dazwischen, ist ja die erste Intention "dann lass ich das lieber, bevor noch was passiert." Und genau da sollte man ansetzen und es dennoch versuchen.
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