Sich der Angst stellen .. und dann?!
#1
Hallo Leute, ich würde mal gerne wissen wie es so bei euch ist, im Hinblick auf den Erfahrungen mit "sich der Angst stellen" ...
Also ich hatte mir für diese Woche vorgenommen, mehr an meiner Krankheit "zu arbeiten" (ich glaube das Wort "Arbeit" trifft es ganz schön). Ich bin nun gestern seit sehr langer Zeit mal wieder mit dem Bus & der Bahn in die Stadt gefahren, obwohl ich eigentlich seit den PA alle öffentl. Verkehrsmitteln gemieden habe und immer mit dem Auto gefahren bin, um "im Falle der Fälle" die Kontrolle zu haben und schnell reagieren zu können ...
Zur Vervollständigung vielleicht, ich leide unter einer Panikstörung und habe um es auf den Punkt zu bringen „Angst vor mir selbst“, meiner Psyche und den (Angst-)Gedanken, die sie produziert und ich nicht kontrollieren kann. Ich glaube diese "Angst vor Sich selbst haben" betrifft viele Menschen, die an einer Panikstörung leiden. Es ist dieses Gefühl der Ohnmacht und Kontrollverlusts, das man hat bei einer PA und man denkt die Gedanken und der Körper spielt verrückt. Insbesondere weil alle meine körperl. Beschwerden, die ich habe und mir tagtäglich das Leben erschweren (Starke Kopfschmerzen, Schwindelattacken, Magen-Darm-Probleme), nur von meiner „Denkmaschine“ produziert werden. Diese Tatsache macht mir immernoch sehr zu schaffen, da ich dieser Unberechenbarkeit meiner Psyche ausgeliefert bin.
Nun aber zurück zum eigentlichen Punkt, sorry Big Grin Also es hat mich gestern enorm viel Überwindung gekostet, den Bus zu nehmen,erstmal aus dem Haus raus und komplette Derealisation gehabt, Kopfschmerzen und Schwindel. 038 Das Komische war dann, als ich später dann im Zug saß und auch am Abend, als ich doch glücklich und stolz auf mich war (also von der Psyche gut drauf war), waren meine körperl. Beschwerden noch extrem und ließen nicht nach ... Ich hätte eher gedacht/gehofft, dass sich auch die körperlichen Symptome reduzieren, wenn die Anspannung nachlässt aber irgendwie habe ich da wohl wieder falsch gedacht. Applaus Idee Das war mir auch schon in der Vergangenheit oft aufgefallen, dass wenn ich die Überwindungsangst gemeistert habe und ein Glücksgefühl empfinde, die Anspannung nicht nachließ und oftmals sogar erstmals noch schlimmer wurde als das es abnimmt ... Ist das bei euch auch so, oder wie sind eure Erfahrungen mit solchen Ereignissen ?

Liebe Güße an alle Angsthasen,

Angsthasen-Tjuner Tuschel
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#2
Hallo tjuner,

ich habe genau die gleichen Erfahrungen gemacht wie Du. Bei mir sind es ähnliche Situationen, die Panik hervorrufen. Also wie bei Dir, Bus und Bahn, aber auch Autofahren, die Schlange an der Supermarktkasse, also alles Situationen, aus denen man nicht so einfach rauskommt wenn man es will.

Auch ich habe mich nicht ein oder zweilmal, auch nicht 10 oder 20 mal, sondern bestimmt hundertemale solchen Situationen ausgesetzt. Und genau wie bei dir war ich auf den einen Seite froh, dass ich es überhaupt geschafft habe, in die Situation rein zu gehen, aber es war halt auch so, dass die Symptome während der Situation niemals nachgelassen haben, sonder viel schlechter geworden sind. Egal wie oft ich mich der Situation gestellt habe.

Warum das so ist? Vielleicht klappt diese Art der Konfrontation nur bei leichten Fällen, oder bei solchen, die noch in der Anfangsphase stecken? Bei mir fühlt es sich im übertragenen Sinne so an, also ob ich jeden Tag meine Hand in einen Topf mit heissem Wasser halte und mich wundere, warum der Schmerz nicht nachlässt wenn ich die Hand länger drin halte. Und warum am nächsten Tag der Schmerz schon wieder so gross ist und nicht weniger wird.



lg

Jörg
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#3
Hallo,

vielleicht kommt es darauf an, welche Vorstellungen unser Unterbewusstsein mit der Situationen verknüpft. Das dürfte bei der Konfrontation eigentlich auch keine Rolle spielen, tut es bei mir aber doch.

Noch etwas erfreuliches. Ich hatte vor kurzem noch eine Fahrstuhlangst. Irgendwie habe ich mich da selbst ausgetrickst. Ich war verspätet und nahm den Fahrstuhl in den 4. Stock zu meiner Therapeutin, einen gläsernen noch dazu. Ich war da irgendwie ganz relaxt und habe mir vorgestellt, dass ich gleich oben bin. Ich stieg ein, etwas mulmig war mir schon, aber in Erwartung der Therapie kam ich ganz gut oben an. Ich dachte, dass es höchst unwahrscheinlich sei, dass der Fahrstuhl nun wegen mir abstürzen könnte. Der Erfolg hat mich beflügelt, und jetzt steige ich vollkommen unbeschwert ein. Ob es bei einem anderen Fahrstuhl auch so klappt, weiss ich nicht genau. Wahrscheinlich darf die Angst auch nicht allzu groß sein.

Ich denke aber, dass diese Übung zu den leichteren gehört, was aber beweisen dürfte, dass dies Konfrontation auch manchmal klappen kann.
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#4
Linda, was ich da lese klingt richtig toll Smile
Ich hatte meine Erfolgserlebnisse auch meist vor der Therapie Smile

Außerdem gibt es da keinerlei Druck.
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#5
Hallo zusammen,

@FredFred
jaa.. ich verstehe dich, ich habe auch teilweise so Gedanken wie "vielleicht bist du ein Härtefall und diese From des Expositionstrainings bringt bei dir nichts" oder "wofür soll ich mich denn jeden Tag aufs Neue immer und immer Wieder quälen"...
Wie gesagt, es gibt die guten Tage und die schlechten Tage. An guten bin ich einfach nur stolz und vernachlässige die anhaltenden körperl. Beschwerden, an schlechten kommen die übrigen Gedanken immer und immer wieder.
Ein anderes Bsp. für dieses „Phänomen“: Ich bin dann am Tag darauf alleine ins Schwimmbad gefahren, hatte zu Beginn und während der Fahrt starke Beschwerden aber konnte mich trotzdem erstmals überwinden weil ich es 1.) wirklich machen wollte und 2.) ich es als Therapiestunde ansah und ich mit der Hauptintention hin bin, mich meiner Angst zu stellen! Außerdem hatte ich nicht den Druck „Spaß zu haben (obwohl ich Angst habe)“, wenn ich z.B. mit Freunden gefahren wäre. Wichtig war wirklich, dass ich es alleine mache, nur die Überwindung ist manchmal wirklich zu hoch.
Einerseits fühle ich mich jetzt extrem antriebslos und merke, dass mich die Tage, in denen ich mich alleine und bewusst der Angst stelle, extrem an Kraft/Energie kosten. Andererseits fühle ich mich psychisch besser, weil ich merke, dass ich wirklich „arbeite“. Dennoch empfinde es als unbefriedigend, dass, wenn ich die Überwindungsangst gemeistert habe und ein Glücksgefühl empfinde, die körperl. Anspannung nicht nachlässt  ... Wenn die Anspannung auch noch abnehmen würde, würde ich dieses „Sich der Angst stellen“ ohne Wenn und Aber als erfolgreich bezeichnen, aber wegen den anhaltenden körperl. Beschwerden, weiß ich nicht ob ich mir vielleicht zu viel zu mute oder ich manches sogar ohne zu merken im „Funktionieren-Modus“ mache ...

@Linda
ja du hast definitiv Recht. Ich meine bspw. anhand des Schwimmbad-Besuchs oder mit dem Fahrstuhl, das eine ist ja erstmal die Überwindungsangst  und wenn ich dann in der Situation bin, kann ich entweder anfangen alles zu zerdenken und male mir aus, wie ich von Jetzt auf Gleich umkippen könne oder sonst irgendetwas Schreckliches passiert, oder ich mache dies nicht und habe dann eine positive Erfahrung mit der Konfrontation. Hmm Kratz  ...
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#6
Hallo tjuner,
ich habe Angst vor dem Alleinsein. Für mich ist es schlimm nach Hause in ein leeres Nest zu kommen. Ich muss mich also jeden Tag meiner Angst stellen und kann nicht so richtig üben da ich ja meiner Angst permanent ausgeliefert bin. Gerade jetzt bin ich allein zu Hause-muss 3 Std.überstehen bis mein Mann wieder zurück kommt. Zum Ersten tut mir gut mit euch zu <plaudern> zum 2.habe ich mir einen Schlachtplan zurecht gelegt ich geh jetzt dann einkaufen 1Std.walken, muss für morgen einen Kuchen backen und setzte dann noch meine Balkonblumen. Auch ich habe Schwierigkeiten meine positiven Erlebnisse auf meinem Habenkonto zu verbuchen. Mir fällt gerade etwas ein ich kaufe mir nachher ein schönes Heft und darin schreibe ich mir nur die positiven Sachen rein ,die ich heute erlebe -auch jede kleine Kleinigkeit ( hab ich schonmal gemacht und es hat mir weiter geholfen) vielleicht hilft es auch dir.
LG Angelika7
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#7
Kann ich dir nur Recht geben Angelika. Ich sollte das damals von meinem Therapeuten aus. Fand das am Anfang totalen Quatsch und hab dann schnell gemerkt wieviel positives doch am Tag passiert ist. Vom Gefühl her hab ich das ganz anders empfunden. Ich mach das heute noch und mir hilft das auch alles aufzuschreiben.
124
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#8
Ich glaube man muss erstmal wieder lernen alleine klar zu kommen.
Seit ich denken kann, hatte ich immer Leute um mich rum.

Selbst als ich dann ausgezogen bin, meine WG-Mitbewohner.

Dann gleich mit meinem Freund zusammengezogen, das war vor 7 Jahren.
Man könnte also sagen, dass ich 29 Jahre nie alleine gewohnt habe.
Mich nie beschäftigen konnte, mich immer abhängig von dem Dasein anderer machte. Mein Freund zB war mein Lebensmittelpunkt.

Das war dann schlagartig vorbei, als ich zum ersten Mal arbeitslos wurde.
Hatte keine Freunde, mein Freund war bis Abends arbeiten.
Ich drehte echt fast durch.

Jetzt wo ich mir mein Selbstbewusstsein wieder erarbeitet habe und mich beschäftigen kann, bin ich vor fast 2 Monaten ausgezogen.
Habe meine erste eigene Wohnung. Die ersten Wochen war es komisch, aber nun gefällt es mir richtig Smile

Ich freue mich am Abend auf mein Bett, mag meine Küche, auch wenn noch einiges fehlt. Das Wohnzimmer wird auch langsam - da fehlt noch das Sofa.
Ich koche mir was leckeres, schaue dann einen Film, den keiner mit mir geschaut hätte.

Es sind so kleine Dinge mit denen man sich eine Freude machen sollte.
Wie auch das Backen.

Es ist nicht schlimm alleine zu sein, es passiert einem Nichts. Man muss aber lernen sich selbst zu genügen.
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