...und da sind sie wieder! Und ich bin es Schuld!
#1
Hallo,

ich bin 29 Jahre alt und neu im Forum.
Vielleicht könnt ihr mir helfen aus meiner jetzigen Situation herauszukommen.

Vor 3 Jahren hatte ich meine erste Panikattacke in Florida während eines 3,5 wöchigen Urlaubs. Indikatoren waren Stress auf der Arbeit, Jetlag, extreme Hitze, ein Diebstahl am Tag davor in Miami und mehrere Mückenstiche mit Hautveränderungen (Angst Krankheit eingefangen zu haben). Die Attacke ereignete sich in einem Kreuzfahrtschiff vor der Abfahrt auf die Bahamas. Lag auf der Krankenstation und verließ dann das Schiff Richtung Krankenhaus. Das Problem war, dass ich noch 3 Wochen mit meiner Ex-Freundin da war und ständig Attacken hatte und dachte ich sterbe an einem Herzinfarkt.

Das es Attacken waren, konnte ich durch therapeutische Unterstützung schnell nach Ankunft herausfinden und sie in den Griff bekommen. Da das Thema grundsätzlich mit dem Urlaub zusammenhing, hatte ich in den letzten Jahren vielleicht pro Urlaub mal einen kleinen Rückanfall der aber keine großen Auswirkungen hatte und im Alltag überhaupt keine Probleme damit.

Aktuell befinde ich mich wieder in einer stressigen Phase: Trennung, Umzug, neuer Job usw. Hatte einen Urlaub auf Sardinien mit drei Freunden geplant die nichts von der Krankheit wissen (in den letzten drei Jahren war immer meine Ex dabei die auch in Florida war). 3 Wochen vor dem Urlaub ging es dann los: Ziehen in der Brust, Pochern. innere Nervosität usw. Im Urlaub selber habe ich mehrere starke Attacken erlitten (bin seit Freitag wieder hier). Ich habe mir einfach so großen Druck gemacht, dass ich Attacken bekomme und mich vor den Anderen bloßstelle, dass es dann so eingetreten ist ("Denke nicht an den blauen Elefanten"). Habe mich einem der Freunde anvertraut und als Lehre daraus geschlossen, nur noch mit Menschen Urlaube zu verbringen die Bescheid wissen (ich verhalte mich dann auch anders, z.B. starkes eincremen mit Sonnencreme = was denken die dann von mir). 30 Minuten nach dem Duschen war alles geschwitzt vor Nervosität & Angst.
Seitdem ich wieder da bin, habe ich ständig Gedankenkreise- Ängste das die Attacken bleiben. Merke fast den ganzen Tag, außer wenn ich abgelenkt bin, meinen Puls und meine ich werde verrückt. Jetzt ist das Problem doch wieder im Alltag angekommen.
Kennt ihr eine solche Situation? Ist eine erneute Therapie notwendig oder müssen einfach ein paar Tage/Wochen nach dem stressigen Urlaub vergehen, damit sich das Ganze legt?

Danke für eure Unterstützung!

LG
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#2
Hallo Xerxes,

ich hatte leider früher auch oft im Urlaub Attacken.
Das Problem ist 1. die Angst vor der Angst, es entsteht eine Erwartungshaltung und dann 2. der Druck, den man sich zusätzlich aufbaut, damit es keiner mitbekommt.

Ich glaube die größte Angst war es bei mir, dass andere mit ansehen müssen wie ich leide und das sie dann sehen, dass nichts ist.
Bisher waren die Attacken wirklich extrem, aber nie ist wirklich etwas passiert.
Ich bin weder umgekippt, noch tot umgefallen.

Eine Therapie finde ich daher schon sehr gut. Es geht ja darum falsche Verhaltensweisen, die zur Angst und den Symptomen führen, zu erkennen und dann zu handeln.
Das braucht Zeit und allein erkennt man leider auch zu selten die falschen Muster.

Zur Ruhe kommen ist aber auch ganz wichtig.
Du schreibst ja selbst, dass du aktuell eine stressige Phase hast.
Trennung, Umzug und neue Arbeit sind kombiniert ja nicht gerade ohne und du solltest dir da auch selbst Mut zu sprechen, denn sowas braucht Zeit.

Ich bin übrigens auch 29 Smile
Mal so eine Frage nebenbei: Wie stehst du denn zu dir selbst?
Also was hältst du selbst von dir?
Hast du dich lieb?
Würdest du sagen, dass du ein Selbstbewusstsein hast?

Ich frage das, weil ich selber von mir kenne sich gänzlich zu vergessen.
Sich irgendwann für die Attacken zu hassen und so leidet das Selbstbewusstsein.

Dabei möchte der Körper nur sagen, dass etwas gerade nicht stimmt.
Leider kann er dich weder anrufen, noch Brief oder SMS schreiben. Er hat nur die Möglichkeit sich über Symptome zu äußern.
Dort setzt man dann an und reflektiert. Welche Situation hat gerade zu den Symptomen geführt!?

LG Brini
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#3
Hallo Brini,

genau das was du beschreibst war es bei mir auch. Habe auch für mich entschieden eine erneute Therapie anzugehen.
Mich ärgert es nur, dass ich mich auf einen Urlaub mit Menschen, die nicht über mich Bescheid wissen, eingelassen habe.

Puh, wie stehe ich selbst zu mir!?
Da sieht es nicht so gut aus...

Mein aktuelles Problem ist, dass ich genau weiß was nicht stimmt. An Karneval bin ich trotz Krankenschein arbeiten und feiern gegangen und habe meinem Körper auch Schaden zugefügt.
Habe aus den Ereignissen eindeutige Lehren für die Zukunft gezogen und weiß wo ich anpacken muss!

Aber trotzdem geht es mir total schlecht und ständig schweifen meine Gedanken ab zu Horrorszenarien wie z.B. Klinikaufenthalt.
Kennt du das auch? Geht das nach ein paar Tagen wieder weg?
Habe auch total Angst morgen nicht auf die Arbeit zu kommen.

LG Xerxes
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#4
Guten Morgen,

ja, diese Gedanken kenne ich und viele andere hier nur zu gut.
Das ist ja das Problem mit der Angst und der Ungewissheit. Man schweift sofort ins Extreme.

Gut finde ich, dass du dich selbst reflektiert hast und weißt, was falsch lief.
Leider geht sowas nach ein paar Tagen nicht weg. Das hat sich über einen längeren Zeitraum eingeschlichen und braucht Übung, Zeit und viel Geduld mit sich selbst, daran zu arbeiten.

Das größte Problem bei uns Angsthasen ist, dass wir alles zerdenken.
Wir wissen nicht was kommt, sind aber fest der Meinung, dass es eh nicht gut läuft.

Meine Therapeutin hat immer gesagt, dass sich Gedanken und Gefühle nicht beeinflussen lassen, nur das Verhalten.
Und da hat sie recht.
Als ich 2015 in meinen PAs gefangen war, hat mir schon der Gedanke Schuhe anzuziehen und einfach nur aus dem Haus zu gehen zuwider - war da Arbeitslos und hatte keine Termine
Ich hatte alle Zeit der Welt und fühlte mich dennoch unter Druck.

Irgendwann hab ich dann, sobald der Gedanke kam mal rauszugehen, die Schuhe angezogen und bin raus.
Einfach drauf los. Die Gedanken zwar kommen lassen, aber nicht 30 min mit mir gerungen, um dann am Ende der Angst klein beizugeben.

Selbstliebe ist bei dem Ganzen ein großer Punkt.
Ich hatte sowas früher nie für mich.
Konnte nie für mich einstehen; wenn ich meine Meinung sagte, habe ich mich von anderen Meinungen überrennen lassen; war nur Mitläuferin; permanent darauf bedacht was andere von mir denken; konnte mich nicht mit mir alleine beschäftigen; hab mich über meine Jobbezeichnung versucht Aufmerksamkeit von anderen zu bekommen

Irgendwann meinte mein Körper: "Stopp - so geht das nicht weiter, du treibst hier seit Jahren gehörig Schindluder mit mir. Jetzt ist Schluss!"
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