Angst, Angst, Angst!
#1
Hallo,

wahrscheinlich wirke ich sehr konfus, denn ich schreibe im Angstzustand. Vielleicht kennen das viele von euch auch. Ich habe mich noch nicht in das Forum so richtig eingelesen,  aber mit  dem, was ich jetzt gelesen habe, kann ich mich ein klein wenig  identifizieren. Vor allem damit, wie ihr die Angst zu ergründen versucht und damit umgeht.
Also, zu mir: Ich bin schon  älter und habe meinen Mann vor kurzem nach zehnjähriger Krebserkrankung verloren. Unser jüngster erwachsener Sohn leidet an paranoiden, äußerst seltenen Psychosen, was meine Situation natürlich erheblich erschwert. Im Grunde stehe ich nun jetzt vollkommen allein da, abgesehen von meinem älteren Sohn, der über 800 km weit weg wohnt.

Heute morgen bin ich aufgewacht, hatte gut geschlafen und plötzlich bekomme ich einen riesigen Angstschub. Die Angst fuhr mir in den Hals,  Herz blieb ruhig, ich bekam Kälteschauer und fing an zu zittern. Es war ausgeschlossen, meinen Haushalt in den Griff zu bekommen, trotz aller Bemühungen. Ich konnte weder Zeitung lesen, noch sonst etwas, die Gedanken rasen,  das macht mir natürlich noch mehr Angst. Ich weiss aber aus Erfahrung, dass dieser Zustand nach einigen Stunden langsam wieder abflaut. Es endet in Erschöpfung.

Anderntags fühle ich mich von einer schrecklichen Müdigkeit überfallen, wobei ich mir denke, dass diese Müdigkeit nicht real sein kann. Manchmal kommt auch noch 'Tinnitus hinzu. Und manchmal ist alles o.K, ich bin bei mir und blicke wieder gelassen in die Zukunft.

Meine Thera kann mir da nicht helfen, meint nur, dass das nicht gefährlich sei. Aber das nützt mir nichts. Sie versucht an meinen Ressourcen zu arbeiten, was ja vielleicht auch nicht schlecht ist, aber wenn die Angst kommt, dann kommt sie einfach.

ich möchte einfach erfahren,  ob diese überfallartigen Angstzustände einen seelischen Ursprung haben könnten, an denen ich vielleicht arbeiten kann, ob mein vegetatives Nervensystem außer Kontrolle ist, oder was weiss ich, was sonst noch. Vielleicht hat ja jemand hier schon mehr Erfahrungen als ich, es soll also keine Beratung sein, oder eine Diagnose gestellt werden. Sondern einfach nur eine Meinung dazu.
Ich bin im Moment echt verzweifelt und allein. Das letzte was ich möchte, ist euch zu beunruhigen.

Linda
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#2
Hallo Linda,

herzlich willkommen im Forum Smile

Wie Du schreibst, bist Du ja schon in Therapie. Auch wegen der Angsterkrankung?

Du fragst, ob die "überfallartigen Angstzustände" vielleicht seelichen Ursprung haben könnten. Diese überfallartigen Angstzustände sind Panikattacken, und die haben zu 99% seelichen Ursprung. Es gibt zwar auch einige körperlichen Faktoren, die Panikattacken begünstigen, aber ich denke mal, dass du körperlich schon alles durchgecheckt bekommen hast.

Alleine das, was Du über Mann und Kinder erzählst, sind ganz extreme Stressfaktoren für die Seele, da ist es eigentlich kein Wunder, dass die genau mit solchen Symptomen reagiert. Diese Symptome hab ich übrigens auch, und auch andere Mitglieder im Forum kennen das alles zur Genüge. Vielleicht liest Du mal ein bisschen rum, dann wirst Du feststellen, dass es vielen Leute ähnlich geht wie Dir. Alleine, das zu wissen, kann schon etwas helfen.

lg aus Köln

Jörg
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#3
Hallo Jörg,

die Therapeutin, bei der ich bin, hat mir während der Krankheit meines Mannes sehr geholfen, wobei eben der focus mehr auf das Verhalten meines schwerkranken Mannes gerichtet war und wie ich dazu stehen soll.
Meine Ängste und psychosomatischen Störungen sind dabei offenbar zu kurz gekommen. Eigentlich sollte einem der Verstand sagen, dass die vielen Symptome, die ich habe (Muskelverspannungen, extreme Müdigkeit, Zombigefühl, Versagens- und Erwartungsängste, Kälteschauer, Angst einkaufen zu gehen, immer im Wechsel, usw.) nicht organischer Natur sein können. Das schwierige daran ist, dass ich den Grund für diese Ängste einfach nicht ausmachen, ihr nicht ins Auge sehen kann.

Tatsächlich beruhigt es ein wenig, dass ich damit nicht allein dastehe. Mir zu sagen, dass ich einfach keine Angst zu haben brauche, hilft nicht.

Was kann man dagegen tun? Vieleicht wütend auf die ganze vermurkste Angelegenheit zu
werden? Was kann eine Hilfe sein?

Ich war früher durchaus lebensfähig, habe zwei Kinder großgezogen, einen erfüllenden Beruf ausgeübt, und kannte Angst nur in natürlichen Grenzen.

Aber wem sage ich das ? Auf jeden Fall danke ich dir, dass du mir so schnell geantwortet hast, hast eine gute Tat vollbracht!!!!!!!

LG

Linda
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#4
Tja, "Was kann man dagegen tun?"...

Das ist wohl die zentrale Frage, die sich wohl jeder, der auch nur ansatzweise mit dieser Krankheit (und vielleicht auch allen anderen) zu tun hat, täglich stellt.

Eine Möglichkeit ist die medikamentöse Therapie. Du gehts zum Neurologen oder Psychiater und schilderst ihm die Symtome. Er stellt die Diagnose Angststörung, und verschreibt dir Antidepressiva und vielleicht für den Notfall ein Beruhigungsmittel. ADs könnten dir unter Umständen helfen, aber ehrlich gesagt habe ich noch niemanden kennengelernt, der durch ADs geheilt worden wäre. Manche Menschen spüren aber zumindest eine leichte Besserung.

Die Beruhigungsmittel können bei den krassen Situationen helfen, die muss man aber äusserst vorsichtig benutzen, weil die schnell abhängig machen können. Ich benutzt die selber mal, aber nur in Ausnahmesituationen, wenn ich einen Termin habe oder eine Familienfeier ansteht oder so.

Eine andere Möglichkeit, vielleicht sogar zusammen mit der ersten, wäre eine Therapie, aber halt nur für dich. Es gibt diverse Arten, kognitive, Verhaltens-, tiefenpsychologische Therapien ect. Dort kann man zum Beispiel den wahren Grund für deine Panikattacken herausfinden, also ob es wirklich nur die belastende Familiensituation die letzte Zeit war oder ob das Problem vielleicht viel tiefer liegt, evt. schon aus der Kindheit.


Das vielleicht mal als kleinen Ansatzpunkt. Smile

lg

Jörg
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#5
Hallo und auch willkommen von mir!
Kann mich nur anschließen- diese Panikattacken sind meistens seelische Belastungen bzw Überlastung...Wenn man liest was du alles familiär zu bewältigen hast oder hattest ......Der Körper will dir zeigen: jetzt reicht es, ich kann nicht mehr,schau auch nach mir.......Ich weiß keine charmante Art aber es ist ein Hilfeschrei der Seele.....
Mir hilft es manchmal in dieser Situation Tatsache wütend zu werden und den Zorn über die Situation rauszulassen......Versuche dich nicht aufzugeben und sämtliche Gefühle wie Wut,Trauer,Enttäuschung oä zuzulassen; meistens verschlimmert das unterdrücken dieser Gefühle eher noch die Beschwerden......Man kann nicht auf Dauer nur stark sein- manchmal muss man alles raus lassen, wichtig ist es danach nicht liegen zu bleiben sondern wieder aufzustehen....
Auch der Austausch hier wird dir hoffentlich helfen ! 
Alles Gute Bonny
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#6
Hallo,

wie Fred sagt, können zB Nährstoffmängel Panikattacken begünstigen.
Ich hatte aufgrund von Vitamin D und Eisenmangel schon aus heiterem Himmel Panikattacken.
Es ist also beides möglich, wobei es allgemein einen Zusammenhang zwischen Psyche und organischen Ursachen gibt.

Meine Therapeutin hat immer gesagt, das hängt alles zusammen.
Die Mängel hatte bei mir dazu geführt, dass mein Nervenkostüm sehr eng war und ich auch zu oft beim Aufwachen Angsterfüllt war.

Was ich aber auch feststellen konnte: Ich habe früher immer nur für andere gelebt. Hab selten etwas für mich getan und darunter litt dann mein Selbstwertgefühl.
Ich setzte mich permanent selbst unter Druck, weil ich dem Alltag nicht mehr gerecht werden konnte.

Wie ist das denn bei dir? Konntest du trotz Erkrankung deines Mannes und dem Verhalten deines Sohnes auch mal an dich denken?
Etwas nur für dich tun?
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#7
Hallo,

eure Denkanstöße sind sehr wertvoll für mich.

Jörg, mit Medikamenten möchte ich nicht mehr anfangen, seitdem ich sie abgesetzt habe. Wenn es irgendwie geht, will ich sie nicht nehmen, letztendlich bringen sie mir nichts in meiner Entwicklung.
Gefühle rauslassen, das ist so eine Sache. Ich glaube, dass ich das in meiner zehnjährigen Leidenszeit einfach verlernt habe, ich durfte weder meinen Mann noch meinen Sohn belasten, meiner Meinung nach. Trotz allem war mein Mann das beste, was mir in meinem Leben passieren konnte. Aber die letzten beiden Jahre waren einfach nur noch schrecklich, ich konnte ihm keine rechte Hilfe mehr sein, weil meine seelischen Zustände mich selbst herausforderten. Ich glaube, es gibt fast kein Körpersymptom, das ich nicht hatte. Und das schürt dann auch die Angst und Panik.
Ich nehme Dekristol, Magnesium und Calcium ein und lasse regelmäßig ein Blutbild machen. Insoweit habe ich keinen feststellbaren Mangel.

Gestern der Tag war volle Unruhe, das hat sich erst gegen Nachmittag ein bisschen gelegt, und das macht wiederum Angst, weil ich nicht weiss, wie ich damit umgehen soll. Ich versuche es mit Gedankenumlenken, an etwas Schönes zu denken aber an solchen Tagen gelingt es eigentlich nicht. Wie geht ihr mit so ewas um? Können sich Panikattacken auch nur in Unruhezuständen ausschließlich äußern? Ich bin dann wie getrieben und kann mich einfach nicht beruhigen. Ich denke dann immer, ich hätte einen Defekt im Nervensystem, obwohl mir der Verstand etwas anderes sagt.

Meine Thera geht nicht auf meine körperlichen Zustände ein, und meint, dass das alles zu komplex sei. Mist!

Ich mache mir immer wieder bewusst, dass ich finanziell einigermaßen abgesichert bin, und dass jetzt die allergrößten Strapazen vorüber sind. Aber die Seele scheint das nicht zu begreifen.

Vielleicht kommt euch das alles irgendwie bekannt vor. Wenn jemanden von euch noch etwas dazu einfällt, immer her damit!!!!!!! Wo sind nur die smylies?

Liebe Grüße, Linda

,
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#8
Guten Morgen Smile

Es gibt einerseits die Panikattacken. Die treten episodisch auf, dh. sie kommen und gehen wieder. Zwischen den Anfällen sind die Menschen mehr oder weniger frei von Beschwerden.

Dann gibts auch die Angststörung. Die kann leider auch ununterbrochen zuschlagen. Die Symptome sind vielfältig, genauso wie du es beschreibst, und die können morgens anfangen und den ganzen Tag über bestehen bleiben. Manchmal gehts ein wenig besser, manchmal auch viel schlechter. Und genau diese Unruhezustände sind ein häufiges Symptom. Für mich fühlt es sich so an, als ob man den ganzen Tag kurz VOR einer Panikattack stehen würde, diese aber nicht ausbricht. Wie man damit umgeht? Ich versuche seit ca. 20 Jahren etwas dagegen zu unternehmen, hab etliche Therapien hinter mir, Klinik, Reha, Akkupunktur, Reiki, alle Medikamente wirken nicht, Hypnose, Entspannung ect ect hat keine Einfluss auf die Symptome. Vielleicht solle ich noch einen Geistheiler kontaktieren. Smile Bis dahin heisst es leider: Die Symptome aushalten und trotzdem positiv denken und hoffen, dass es sich irgendwann bessert...

lg

Jörg
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#9
Hallo Jörg,


das klingt ja nicht gerade sehr ermutigend. Habe eigentlich etwas anderes erwartet.


Gruß Linda
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#10
hallo linda!

Smile sei gegrüß
also ich nehme seit einiger zeit ein pflanzliches medikament, besser gesagt eine aminosäure, 5 HTP oder Griffonia.
hab die möglichkeit erst hier im forum kennengelernt und mir geht es seit dem wirklich besser. vielleicht wäre das auch eine
option für dich?
außerdem nehme ich tägl. 1-2 EL leinöl (omega 3 säuren) und magnesium, sowie vit. D  (DANKE BRINILEE 065 )

hab eine therapie bei einer psychologin begonnen und wir sind gerade dran- nach dem ersten kennnelernen - 
eine diagnose zu erstellen, damit ich weiß was ich überhaupt wirklich hab, bei mir hat das keiner richtig diagnostiziert.

aber ich sag dir, mir ist es so schlecht gegangen, hatte alle möglichen körperl. symptome, genauso wie du, starke innere unruhe,
herzklopfen, starke schwindelattacken, schlimmere noch beim einkaufen, .. - jetzt ist alles um einiges besser und auszuhalten.
außerdem arbeite ich sehr an mir, versuche, mir immer freiräume zu nehmen.

nächste woche wird schlimm bei mir (siehe mein beitrag "ich kann nichr mehr") und ich bin noch nicht sicher wie ich das alles schaffen soll, aber
es wird irgendwie gehen.

ich wünsche dir dass du einen weg findest für dich, 
alles liebe

anita
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#11
Danke Anita!

Für dich alles, alles Gute

Linda
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#12
Linda, ich kann dich aufmuntern, denn mir geht es nach 5 Jahren wirklich viel besser.
Hatte meine Panikphasen 2010 und 2015.

Beim Vitamin D liegt der Wert optimal bei 70-80ng/ml bzw. bei ca. 200 nmol/l.
Für die Ärzte ist man leider schon über den Berg, wenn der Wert bei 20 liegt...

Aber natürlich ist bei dir viel manifestiert, durch die letzten Jahre.
Du hast deine Gefühle zurück gehalten, eben weil du weder deinen Mann, noch deinen Sohn nerven wolltest.

Dennoch ist es möglich aus seinem Loch herauszukommen.
Ganz wichtig ist dabei die Selbstliebe.
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#13
Hallo,

Brini Lee, deine Aufmunterung hat gutgetan, denn damit ist irgendwie dann auch für mich Land in Sicht, vieleicht auch noch in weiter Ferne. wenn ich sie denn noch erlebe, aufgrund meines Alters..

Ich habe den Eindruck, dass mein Nervensystem sich in ständiger Alarmbereitschaft befindet. Ich fühle mich ganz schnell überfordert, besonders, wenn unvorhergesehene Dinge eintreten, gerate ich vollkommen aus dem Lot. . Ich möchte mich beruhigen, aber damit wird alles nur noch schlimmer. Der Körper spielt verrückt. Das führt zur Angstverstärkung und zu einer Verminderung des Selbstvertrauens. Vielleicht ist es so, dass durch die vielen Fehlschläge in den letzten Jahren ich mir eine unbewusste katastrophistische Denkweise angewöhnt habe, die das evtl. auch mit auslösen kann.

Was mir manchmal etwas hilft, allerdings nicht in der allerschlimmsten Situation, ist ein Buch von Doris Wolf, mit dem Titel "Ängste verstehen und überwinden," wie sich sich von Angst, Panik und Phobien befreien können". Ich lese immer wieder darin.

Früher hat man auf die richtige Nährstoffversorgung keinen großen Wert gelegt, musste man ja auch nicht, weil unsere Nahrung noch unverfälschter war. Ich lasse meine Vitamin B- Werte und und auch Vitamin D regelmäßig durch meinen Hausarzt überprüfen und notfalls ergänzen. Mein Vitamin D- Wert liegt derzeit bei über 30 ng/ml, ich weiss, es könnte mehr sein. Irgendwie scheint mich die hohe Dekristoldosis auch irgendwie aufzuputschen. Ich kann es mir aber auch nur einbilden.

Ja, es hat sich bei mir durch die letzten Jahre offenbar viel manifestiert, das hast du gut gesagt, ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob die Antidepressivaeinnahme von Vorteil war, was jetzt aber egal ist.

Es ist schön, dass es bei euch schon viel besser geworden ist und ich finde es bewundernswert, dass ich auch noch anderen helfen wolllt und es auch tut.

Linda.
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#14
Huhu,

die ständige Alarmbereitschaft kenne ich nur zu gut.
Die Angst zieht immens viel Kraft und so wie Fred schrieb, kommt es vielleicht nicht zur Panik, aber man ist gefühlt immer kurz davor.

Ich kann von mir sagen, dass ich mich früher immer nur für andere aufgeopfert habe.
Natürlich ist das was du geschafft hast, nicht mit meinem Verein zu vergleichen Big Grin

Möchte auch keine Vergleich anstellen, weil es bei jedem anders ist.
Aber bei mir hat das meine Kindheit und die Jugend, sogar das Erwachsen werden geprägt.

In meinem Verein war ich, seit ich Baby war. Die gesamte Familie involviert.
Musik hat mir schon immer viel bedeutet. Mit 9 dann offiziell eingetreten und gelernt, dass das Wohl der Gemeinschaft an 1. Stelle kommt.
Das hat dazu geführt, dass ich es immer allen recht machen wollte.

2015 fand ich dann heraus, dass ich zu den Hochsensitiven Menschen gehöre, was zusätzlich viel erklärt hat.
Das Buch von Frau Wolf habe ich 2010 gelesen. War sehr aufschlussreich, aber irgendwie konnte ich das beschriebene nicht so richtig umsetzen.

Was mir geholfen hat:
- Entspannungsübungen / Autogenes Training, vor allem zum einschlafen
- trotz meiner Ängste habe ich mich durchgerungen rauszugehen
- war damals auch zum Frühlingsbeginn, da bin ich viel spazieren gegangen
- bin immer wieder zu meinem Lieblingsplatz (ein See nicht weit) gefahren
- hab mir neue Hobbys gesucht
- versucht mich auch bei kleinen Schritten zu loben
- hab meiner Angst einen Namen gegeben "Annabelle"
- hab freiwillig eine Therapie gemacht und meine Vergangenheit im Verein aufgearbeitet
- versucht mir auch mal was gutes zu tun
- Freunde aussortiert, die mir nicht guttaten und neue kennengelernt Smile

Peu à Peu hatte ich Strategien um mich zu beruhigen.
Durch die Therapie habe ich gelernt psychosomatische Symptome und wirkliche Symptome zB. durch eine Erkältung zu differenzieren.

Mein Körper hat sehr oft reagiert, wenn ich Dinge getan habe, die ich nicht wollte.
Man muss dazu sagen, es gibt ja Dinge, die man gern macht; dann die, die man macht, weil's einfach gemacht werden muss und die, die man nicht unter keine Umständen machen möchte.
Ich war bei allen Terminen, Anfragen durch Freunden etc. immer bei dem letzteren. Nichts davon wollte ich machen. Egal ob ein Treffen mit Freunden, was eigentlich schön ist oder Hausputz.

Mir fehlte lange Zeit der Mittelweg. Hab auch durch die Therapie gelernt, wie extrem Bewertungen auf einen wirken.
Durch die Angst wird jede noch so kleine Situation negativ bewertet.

Ich weiß es ist nicht einfach, es braucht Zeit, Geduld und man wird auch mal Schritte zurück gehen.
Aber all das hat dazu geführt, dass ich mich selbst viel besser reflektieren kann.
Das ich erkenne, was mein Körper mir sagen möchte, wenn er sich bemerkbar macht.

Wie zB letzte Woche. Vielleicht hast du mal vom Sender-Empfänger gehört.
Also wenn man jemanden etwas sagt, gibt es 2, Möglichkeiten:
1) der "Empfänger" nimmt das gesagt so auf wie man es gemeint hat
oder
2) er versteht es völlig falsch.

Über Ostern hatte mein Verein wieder einen Auftritt und mein Vater meinte "Du kannst ja dann wieder Querflöte spielen, die anderen würden sich freuen."
Schon war ich wieder im Verhalten von früher, denn für mich war das keine Frage, sondern eine Festlegung, so wie früher.

2 Tage lang ging es mir richtig schlecht und ich wusste nicht warum. Bis ich mal reflektierte, was die Tage so los war und ich genau dort merkte, dass die Symptome daher rühren.
Bei meinen Eltern habe ich es dann angesprochen und mein Vater war richtig sauer, weil er es nicht so meinte.
Da fiel mir auf, dass ich dieses Sender-Empfänger-Problem von meinen Eltern geerbt hatte.
Nimmt man was falsch auf, ist man sofort negativ eingestellt.

Das Beispiel sollte auch nur dafür da sein, dass mein Körper mir sagen wollte "du, da stimmt was nicht, das muss anders laufen".
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#15
Toller Beitrag,

ich kann sehr viel damit anfangen. Morgen mehr!

Linda
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#16
Hallo Brini-Lee 88,

Du hast dir wirklich eine sehr große Mühe gemacht mit deinen Ausführungen. Wenn ich dich so lese, glaube ich, dass es einfach nur die nicht richtigen Gedanken sind, die uns in die Angst abgleiten lassen. Wenn man das verinnerlichen kann, hat man wahrscheinlich schon ein Stück des Weges beschritten, aber wie daraus kommen, ist eine andere Sache. Danke, dass du deine Bewältigungsstrategien so gut beschrieben hast. Ich werde einige davon versuchen.

Wahrscheinlich darf man sich von den vielen körperlichen Symptomen einfach nicht ins Boxhorn jagen lassen. Sie wollen uns ja etwas mitteilen. Ich war viele Jahre lang schlafgestört, d.h. ich wachte gegen 4.00 Uhr morgens auf und konnte nicht mehr weiterschlafen. Regelmäßig setzte dann auch der Tinnitus ein, die Nerven flatterten. Der Tinnitus ist heute noch da. Die Schlafstörungen kommen aber nur noch ganz selten vor. Ich dachte eine ganze Zeit lang, dass es Absetzerscheinungen von den Antidepressivas seien, aber jetzt neige ich zu der Auffassung, dass das alles irgenwie hausgemacht ist.

Ich glaube, dass ich durch die sehr lange Zeit "meiner familiengeschichtlichen Hilflosigkeit" diese furchtbaren Ängste erlernt habe. Ich musste ohnmächtig zusehen, wie es meinem Mann von Tag zu Tag schlechter ging und gegen die Krankheit von meinem Sohn schien auch kein rechtes Kraut gewachsen. .
Meine Ängste sind immer dann besonders krass, wenn ich irgendwelche Aktivitäten planen soll.

Ich muss morgen zum Internisten wegen einem Gutachten. Was denkt mein Gehirn, "du kannst das nicht, du schaffst das nicht, es wird furchtbar werden, er wird merken, dass mit dir etwas nicht stimmt " , wie bringe ich nur diese Gedanken aus meinem Hirn wieder raus? Das ist doch total bescheuert. Ich ahne, dass es Versagensängste sein könnten, ich weiss aber auch, dass ich es schaffen werde und hinterher erleichtert bin, hoffentlich.

Das ist alles einfach ein Kampf gegen Windmühlen. Jetzt habe ich einen richtigen Schüttelfrost, aber das ist noch zu ertragen.

Ich weiss gar nicht, ob es im Sinne dieses Forums ist, wenn ich hier einfach losplaudere. Bitte sagt es mir, wenn ich nicht richtig liege oder auf die Nerven falle.

Linda
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#17
Hallo Linda,

deine Gedanken, die du beschreibst, bezüglich deines Termines, kenne ich auch sehr gut. -.-
Bei mir hatte es sich dann irgendwie so entwickelt, dass ich nicht mal mehr Treffen mit Freunden wahrnehmen konnte.
Und obwohl ich im 25 Therapiestunden von April 2015 bis November 2015 machte, wollte ich die ersten 20 Stunden die Termine immer wieder absagen / verschieben.
Das hab ich 4x gemacht, dann ist meine Therapeutin laut geworden.
Verständlich.

Es ist leider nicht von heute auf morgen alles geändert. Das braucht Zeit, genauso wie die Angst sich bei dir entwickelt hat.
Wenn ich in den Terminen war, hab ich mich relativ schnell beruhigt, aber Tage davor, war ich nervlich am Ende.
Auch jedes Mal "das schaffst du nicht, was soll man von dir denken".
Die berühmte Angst vor der Angst.

Meine Therapeutin hat immer gesagt, Gefühle und Gedanken lassen sich nicht beeinflussen. Man kann nicht einfach positiv denken, wenn man gerade negativ denkt.
Einzig das Verhalten lässt sich beeinflussen. Man kann also in Schockstarre verfallen oder dennoch das machen, was man vorhat.

Daher hat mir die Namensgebung von "Annabelle" wirklich sehr geholfen. Hatte das auch hier aus dem Forum.
Hab mir immer vorgestellt, dass Annabelle mich überall hin begleitet. Auch wenn das blöd klingt, habe ich mit ihr geredet.
Irgendwann war ich soweit, dass immer, wenn ich traurig war, mir vorgestellt habe, dass sie mich umarmt und mir Halt gibt.
Sprich die bildliche Selbstliebe Big Grin

Hab mich oft allein gefühlt, trotz Partner und Familie.
Konnte mich früher auch überhaupt nicht mit mir beschäftigen.

Und ja, es ist wirklich so, dass man das alles erstmal verinnerlichen sollte.
Das die Angst nichts böses will, die Symptome kein Zeichen von "gleich musst du sterben", sondern die einzige Möglichkeit vom Körper dir zu sagen "du, hab dich selbst mal lieb, pass auf dich auf".

LG Brini
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#18
Ach so, was ich noch vergessen habe.
Mir war es sehr lange wichtig, was andere über mich dachten.
Daher waren die Gedanken auch so extrem, wenn ich Termine hatte, weil ich mir nicht die Blöße geben wollten.

Aber nun ist mir das egal. Die Leuten haben nicht permanent Zeit, um nur über mich nachzudenken.
Wenn man mal darüber nachdenkt:
Beispiel - Ein Raum mit 10 Personen und jeder davon denkt, dass die anderen 9 nur über ihn nachdenken. Heißt alle 10 denken "was denken nur die anderen über mich", ergo wird keiner davon über die anderen 9 denken "was ist der/die denn für einer®".

Wichtig ist was man von sich selbst hält.

Früher konnte ich nicht mit Komplimenten umgehen, weil ich mich immer gefragt habe, warum man mich so bauchpinselt, das habe ich nicht verdient.
Heute freue ich mich über Komplimente, da auch ich das gleiche von mir denke. Smile
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#19
Hallo Brini,

es geht mir jetzt tatsächlich schon ein bisschen besser, nachdem ich deinen Text gelesen habe. Das Schlimme ist auch, dass ich nun ganz allein bin. Ich habe sehr daran zu knappern, dass viele Bekannte seit dem Tode meines Mannes sich mehr als rar machen. Ach, so viel zu tun haben sie! Ich glaube, dass wir nur als Famlie für sie gezählt haben, eine einzelne Person zählt nicht mehr. Aber ich will jetzt aufhören, mich selbst zu bemitleiden, hiermit dreht man sich nur im Kreis.
Früher konnte ich solche Dinge einfach besser wegstecken und bearbeiten.

Du freust dich über Komplimente? Ich mache dir eines für deine Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Linda
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#20
Vielen Dank für das Kompliment <3 Smile

Ja, meine Freunde haben sich damals auch rar gemacht, bzw. mich auf Eis gelegt.
Hab viel gejammert und mich selbst bemitleidet. Es ist ja auch echt schwer, das Jammertal und im Kreis drehen zu durchbrechen.

Durch das rausfinden hochsensibel zu sein, habe ich an Gruppentreffen teilgenommen.
Viele neue nette Leute und sogar eine Freundin kennen gelernt, die die erste ist, die sich auch mal von sich meldet.
Sowas kannte ich früher nicht.

Gibt es bei dir in der Nähe Möglichkeiten um neue Leute kennenzulernen?
zB. bei Hobbys, die man in der Gruppe machen kann, wie Spielabende, Häkeln, Nähen etc. wo man mit anderen ins Gespräch kommt.

Ich bin fast an Selbstzweifeln kaputt gegangen, weil ich nicht wusste, wieso man den Kontakt zu mir abbricht.
Aber jetzt weiß ich, auf solche Leute kann ich verzichten. Ich war immer für sie da und wenn ich was hatte, hatte niemand Zeit.
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