Volljährigkeit - Angst vor der Zukunft mit 17
#1
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(Ich möchte mich direkt am Anfang dafür entschuldigen, dass ich hier so zynisch schreibe. Ist eigentlich überhaupt nicht meine Art, aber ich musste dass irgendwie rauslassen; tut mir sehr leid! 52 )

Ich muss ein paar Gedanken loswerden. Es gibt etwas, dass mich sehr besorgt, wütend und traurig macht und mich irgendwie auch verletzt.


ALSO:

In einem halben Jahr werde ich volljährig. (Leider...) Somit dürfte ich mich eigentlich auf viele tolle Änderungen freuen... Aber anstatt mich auf die Privilegen und Möglichkeiten zu freuen; gehe ich mit Angst auf die Volljährigkeit zu. Denn alle in meinem Umfeld reden davon, dass mit 18 die harten Zeiten losgehen. 051

Durch meine Angststörung bin ich schon mit meinen drei Grundpflichten "Essen", "Trinken" und "eine Ausbildung machen" überfordert. Und nun beginnen alle in meinem Umfeld auch noch davon zu reden, dass ab 18 "das richtige Leben anfängt" und nun "Schluss ist mit Ponyhof". (Da ist man doch direkt optimistischer gestimmt!) Ich kriege Panik wenn ich in die Strassenbahn steigen muss; und nun will mir die Gesellschaft klar machen, dass "die Zukunft kein Zuckerschlecken wird"? Das kann ja lustig werden...

Ich fühle mich mit diesem Umstand völlig überfordert. Wie soll ich die Zukunft meistern können, wenn ich schon Anfangs Jugend komplett am Rad drehe? Wie soll ich mit all diesen Pflichten, Anforderungen und Erwartungen klar kommen? "Existenzsicherung", wie man das so charmant nennt...

Von allen Seiten kommt Druck und Stress. Alle wollen einem auf die düsteren Zeiten vorbereiten, die auf einem zu kommen sollen. Das macht mich so fertig! Wieso macht man das? Ich verstehe dass nicht? Da guckt man sich ganz erstaunt Studien an, fragt sich "Huch, warum sind denn so viele Jugendliche depressiv?", und am nächsten Tag steht man vor einer Schulklasse, vor der Fernsehkamera oder am Esstisch und sagt "Das was da auf euch zukommt wird nicht einfach!". (Da kann man sich wirklich überhaupt nicht erklären, warum es depressive Jugendliche gibt; bei so vielen positiven Gedanken die da einem gemacht werden, und bei all dem Trost den man als Jugendlicher bekommt...)

Mich stört das sehr. Es ist nicht gut, dass man neben dem Druck, den man ohnehin schon hat, auch noch zusätzlich psychisch fertig gemacht wird. Spinner

Ich habe dann meinen Mut zusammengenommen und einen Lehrer, von dem man immer wieder solche negativen Zukunftsaussichten hört, darauf angesprochen, dass mir seine Vorhersagen Angst machen und mich sehr verunsichern. Und was bekam ich als philosophische Antwort?


"Es gibt keine Angstmacherei, nur Leute, die der Realität nicht ins Auge schauen können."
-Der eben genannte Lehrer-



Genau sowas will man doch hören. Nicht etwa ein "halb so schlimm" oder "das wird schon", nein, man wird schliesslich einfach auf die bittere Realität vorbereitet. Das macht mich so fertig. Als ob alles schöne, gute, lustige und fröhliche nur vorgegaukelt wäre. (Wird es Zeit für eine neue Signatur?)

Nun könnte man mir ja empfehlen, mit Freunden darüber zu reden. Habe ich auch gemacht; es im Nachhinein aber bitter bereut. Eine Aussage lautete zum Beispiel: "Irgendwie doch wahr, wir werden nur geboren um zu Arbeiten." (Danke für die aufmunternde Antwort; jetzt geht es mir doch VIEL besser.)

Diese Haltung der Leute macht mich wütend und traurig. Und Angst macht es mir auch. (Was aber nicht neu wäre.)


In den letzten Tagen habe ich mich immer mehr in diese Aussagen vertieft und immer mehr Panik gekriegt. Ich hatte in den letzten Wochen eine so gute Zeit; praktisch keine Angstanfälle. Aber jetzt kocht in mir so eine "Depression-Angst"-Kombination hoch. 051


Ich habe mit 17 Angst vor der Zukunft. Wenn ich am Morgen denke, kriege ich Panik. Das ist nicht normal! Ich hoffe, dass das nur eine Phase ist. Dass das nur eine Art pubertäre Stimmungsschwankung ist; und dass die Leute einfach nicht überlegen, was sie aus dem Mund lassen. Vielleicht bin es auch einfach ich, der masslos übertreibt...

Nochmals "Sorry!" für meine Schreibweise.
Prinzipiell erst mal durchdrehen! 021 
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#2
Eigentlich ändert sich dein bisheriges Leben sicher nicht so schnell, nur weil du dann 18 bist.
Es ändert sich aber bestimmt einiges , was sehr positiv ist, du kannst selber entscheiden....
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#3
Sehe ich genauso wie Karin. Und wenn du andere um die Meinung fragst und mit ihnen drüber reden willst, dann musst du ja damit rechnen das sie das auch tun und nicht nur Dinge sagen, die man hören will. Sehe ich jedenfalls so.
Natürlich muss man sich um die Zukunft Gedanken machen, was man mal machen will , was man sich für Ziele steckt. Aber was man daraus macht , ist ja jedem seiner Sache.
Es ist nicht nur alles toll , aber es kommen auch schöne Dinge dann auf einem zu.
Das man sich gerade in deinem Alter Gedanken um die Zukunft macht, finde ich eigentlich normal. Das machen auch Nicht - Angst-Hasen. Meine eine Tochter hatte auch so eine Phase wo sie Angst hatte was wird aus mir wenn ich keine Ausbildung bekomme. Ihre Zwillingsschwester hatte da schon eine. Sie hat nichts bekommen. Also hat sie erst einmal ein Plan B erstellt und noch ein Jahr Schule gemacht. Und danach hat sie dann auch eine Ausbildung bekommen, und sie bringt ihr auch Spaß. Die Beiden sind jetzt 19 und genießen es, viele Dinge ohne unsere Zustimmung zu entscheiden. Auch wenn wir diese Entscheidungen manchmal doof finden. Das gehört zum Erwachsen werden dazu und das ist nicht nur negativ ganz im Gegenteil.
Smile
124
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#4
Hallo Zeusli,

ich kann das sehr gut nachvollziehen. Allgemein ist beim Menschen wohl keine Angst größer als die vor dem Unbekannten, dem Unkontrollierbaren.

Die dicken Onkel, die einem nach dem x-ten Bier erzählen, nach der Jugend ginge es nur noch bergab; die Leute, die ihr halbes Leben zu bereuen scheinen – das konnte ich auch noch nie haben. Nicht weil nicht auch sie die Berechtigung hätten, sich mal Luft zu machen, sondern weil man als Kind und als Jugendlicher nicht ständig diese Schreckensvorstellungen hören will. Bloß: Wer unzufrieden ist, posaunt sein Unglück mehr herum als der, der glücklich ist. Die Glücklichen schenken uns einfach unbewusst ihre Wärme.

Manchmal, wenn man ein Problem ansprechen möchte, bekommt man als Antwort nur abwehrende Worte, mit denen sich der Angesprochene vor einer ernsthaften Auseinandersetzung schützen will. Wenn er deine Sorgen wahrlich anerkennnen würde, müsste er sich gleichzeitig an seine eigenen erinnern. Das können manche nicht, es würde sie zu sehr erschüttern, zu viele festgefahrene Strukturen aufreißen. Also bleibt alles unter Verschluss und er sagt dir "Stell dich nicht so an", weil er das wahrscheinlich auch sich selbst sagt und Angst nicht zulassen kann. Dabei kennt jeder, wirklich jeder Sorgen. Mit dem Anerkennen deiner Angst hast du manchen also sogar was voraus, du verschließt nicht die Augen.

Die Sache ist: Das Leben ist weit mehr als ein einzig großes Jammertal. Und was andere erlebt haben, muss dir nicht auch passieren. Das ist jetzt so leicht dahergesagt, aber im Grunde ist es sehr wichtig, denn ein großes Thema bei der Angst(störung) ist die gefühlte Ohnmacht. "Ich habe mich nicht im Griff", "Ich kann meine Symptome nicht kontrollieren" – und auch: "Ich bin nicht dazu in der Lage, für mein eigenes Glück zu sorgen". Man fühlt sich ausgeliefert.

Die Crux ist, die richtige Mischung zu finden. Einerseits Vertrauen in den Prozess des Lebens zu haben und sich zu sagen: An manchen Dingen kann ich nichts ändern, die muss ich so hinnehmen und mich ein Stück weit danach richten, wie es eben kommt. Andererseits ist aber auch Vertrauen in sich selbst von Bedeutung. Ich muss nicht alles zulassen und hinnehmen, ich kann auch selbst was machen. "Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben", hat Goethe mal gesagt. (Das soll nicht altklug wirken, der Mann hat einfach nur so viel in schönen Worten auf den Punkt gebracht.) Gerade das ist aber auch eine Sache, die man nicht von heute auf morgen hinbekommt; vor allem in den aufwühlenden Zeiten der Jugend fällt es schwer. Da ist so vieles ungewiss, man weiß noch gar nicht, wohin die Reise geht.
Aber je mehr Erfahrungen du machst und je ehrlicher du dir selbst gegenüber bist, wenn du reflektierst, desto besser wirst du dich im Lauf der Jahre kennenlernen. Und daraus ergibt sich das Selbstvertrauen. Selbstbewusst zu sein heißt nämlich nicht, dass jeder Konflikt an einem abprallt und man unberührt darübersteht. Es bedeutet: Wenn du einem Problem begegnest, dann kennst du dich gut genug, um zu wissen, (1) was du kannst (was deine Fähigkeiten und Möglichkeiten sind, das Problem anzugehen) und (2) was du brauchst (wer oder was dir in dieser Situation helfen könnte, um wieder glücklich zu werden). Man stellt nur eben, besonders als Angsthase, sein eigenes Licht gerne unter den Scheffel. Oder man ignoriert die eigene Intuition.

Ganz aufhören wird dieser Prozess des Sich-Kennenlernens nie. Überleg mal, was sich in den letzten fünf Jahren bei dir verändert hat, mal abgesehen von der Angstkarriere. Haltungen ändern sich, das Weltbild ändert sich, auch das Selbstbild. Und so geht es weiter, "fertig" und "vollendet" bist du nie. Und das ist auch gut, denn so können wir uns den verschiedensten Umständen anpassen. Eine Situation ist äußerst selten so alternativlos, wie es uns die eine Frau immer weismachen will.

Ich hoffe, ich habe nicht zu viel herumgeschwafelt. Als ich deinen Text gelesen habe, habe ich mich angesprochen gefühlt, denn deine Lage ist mir bekannt und ich habe sie nicht als schön in Erinnerung.

Noch ein paar kluge Worte zum Abschied:
"Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird.
Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll."
(dieses Mal nicht von Goethe)

Alles Gute
sophie
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#5
Hallo Zeusli,

oh, ich kann so gut mit dir mitfühlen. Ich war als Jugendliche ebenfalls völlig orientierungslos (eigentlich bin ich es jetzt immer noch) und hatte Angst vor dem Erwachsenwerden. Allein bei dem Gedanken daran, eine Ausbildung zu machen und zuhause auszuziehen, bekam ich Schweißausbrüche. Auf eigenen Füßen stehen, unabhängig sein - das, was sich für viele in meinem Alter verlockend anhörte, jagte mir gehörige Angst ein. 

Jetzt bin ich 27 und schaue zurück: Ich habe vieles gemeistert, von dem ich geglaubt habe, dass ich es nie schaffe. Habe eine Ausbildung abgeschlossen (okay, es war die Hölle, aber ich habe es geschafft und das ist alles, was zählt), lebe in einem eigenen Haushalt und versuche, mein Leben so gut es geht, in den Griff zu bekommen. Aber: Ich bin trotzdem nicht völlig auf mich gestellt. Aufgrund meiner Ängste brauche ich gelegentlich noch Begleitung und dann sind meine Eltern stets zur Stelle - obwohl ich schon 27 bin. Ich weiß nicht, wie dein Verhältnis zu deinen Eltern ist, aber wenn du ein Gutes hast, dann bewahre dir das. Du musst dein Leben nicht ganz allein meistern, auch wenn du volljährig bist. Gib nicht so viel auf das Gequatsche vom "Ernst des Lebens". Man kann sich immer irgendwie durchs Leben mogeln. 

Fühl dich mal gedrückt  065 Alles wird gut!

Liebste Grüße 
Poetica11
"If you can dream it, you can do it." - Walt Disney
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#6
Erstmal vielen Dank für die vielen tollen Antworten, sie haben mir geholfen mich etwas zu beruhigen. Bis heute leider, denn heute morgen wurde ich übel getriggert, von einer Tageszeitung... Sad

Mit 18 beginnen die «härtesten Lebensjahre»

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/19920627

Dieser gewisse Herr Experte sticht genau da rein wo's weh tut; mir und meinen Ängsten mitten ins Herz! 051 Es passt alles so perfekt...

All diese Gefühle die ich beschrieb kochten direkt wieder hoch, weil ich jetzt quasi die Bestätigung in der Hand hatte. Beim Zugfahren kam es dann zu einer Panikattacke, seither habe ich einen ununterbrochenen Adrenalinkick. Schwitz
Prinzipiell erst mal durchdrehen! 021 
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#7
Hallo Zeusli,

es kann helfen, konkreter zu werden.
Wenn man nicht weiß, wer der Feind ist, kann man ihn auch nicht bekämpfen. Aber wenn man weiß, womit man es zu tun hat, dann ist es auch möglich was dagegen zu machen.

Wenn irgendetwas ansteht, ein neuer Job, eine unbekannte Situation, ja oder eben die ganze Zukunft, steht man vor einer Rauchwolke aus Ängsten. Man blickt nicht durch und kann die Ängste gar nicht richtig greifen, sie sind diffus. Allgemeine Aussagen wie "Ich schaff das alles nicht" oder "Aus mir wird nie was" sind zwar reale Sorgen, konkret ist das aber nicht. Es geht aber genau darum: die Ängste überhaupt erstmal zu verstehen. Herauszufinden: Wo genau liegt das Problem? Was ist der Knackpunkt? Und dann kann man mit neuen Verhaltens- und Denkweisen versuchen dagegen anzusteuern.

Manchmal kann man die Ängste selbst etwas zerstreuen. Zum Beispiel drücken sich manche Menschen davor, mit fremden Leuten zu telefonieren. Warum? "Ich weiß nicht, ich fühle mich unwohl dabei." Ok. Aber warum? "Ich könnte komisch rüberkommen oder abgewiesen werden." Inwiefern? "Wenn ich mich verspreche, könnten die Leute mich auslachen, oder sie könnten nach dem Telefonat über mich lästern." Schon durch das Aussprechen, durch das konkrete Formulieren können die Ängste weniger bedrohlich wirken. Sie werfen einen riesigen Schatten, aber wenn man dann plötzlich den eigentlichen Gegenstand sieht, bemerkt man, dass der gar nicht so groß ist wie man dachte. Und dass es eigentlich auch gar nicht so wahrscheinlich ist, dass die eigenen Befürchtungen wirklich eintreten.

Manchmal ist es aber auch nicht so leicht, die eigenen Ängste genau zu benennen. Versagensängste, Katastrophengedanken, alles ist verwoben mit dem eigenen Lebenslauf und äußert sich in verschiedenen Befürchtungen. Unser Unterbewusstsein wehrt sich oft dagegen, uns diese Zusammenhänge auf dem Silbertablett zu servieren. ("Warum ist das so, und was ist eigentlich mein Problem?") Da muss man bohren und nachhaken, und das kann auch mal wehtun. Ein Therapeut kann einen auf diesen Gedankenwegen gut begleiten. Anstatt immer nur ziellos vor sich hin zu grübeln und bloß bedrohliche Schatten zu sehen, kann er in Zusammenarbeit mit dem Klienten dafür sorgen, dass die Ängste Gestalt annehmen und man leichter damit umgehen kann. Hast du schonmal an eine Therapie gedacht?

Gruß
Sophie
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#8
Sophie, wirklich super Text. *Daumen hoch*
Ich stimme dir zu mehr als 1.000% zu.

Bin bald 29 und war nach der Ausbildung sehr oft Arbeitslos. Wusste nicht was ich werden sollte oder wie meine Zukunft aussieht.
Das schlimmste war wirklich, dass die Ängste so diffus wurden, dass ich mein wenig Selbstbewusstsein selber kaputt machte mit Sätzen wie "Ich bin eh für nichts zu gebrauchen" oder "ich kann sowieso nix und bald sitze ich auf der Straße".

Dann hab ich angefangen zu filtern, wo meine Stärken und Schwächen liegen. Versucht im Hier und Jetzt zu bleiben.
Jobwünsche formuliert und erstmal den Gedanken beiseite gelassen ob ich das überhaupt kann.

Die Selbstzweifel zu überwinden ist dabei da A & O.
Genauso die Formulierung der Ängste, wie Sophie schreibt.

Seit Januar habe ich eine neue Stelle und bin endlich glücklich, mit meinen Aufgaben und meinen Kollegen.
Meine Angst vor Telefonaten habe ich erfolgreich überwunden.
Nur heute rief jemand an, der nur englisch sprach.
Englisch sprechen fällt mir schon schwer, schreiben dagegen weniger.
Aber irgendwie musste diese Person versorgt werden.

Hab dann meiner Kollegin gesagt, dass mir das schwerfällt, weil mein Englisch nicht so gut ist.
Aber was soll's, man sieht die Leute nicht und wenn sie über mich reden, dann muss ich so interessant sein Wink
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#9
Ach was ich noch zur Therapie sagen wollte.
Meine Therapeutin war echt super, aber die ersten 20 von 25 Stunden wollte ich gar nicht hin.
Hab den Termin mehrmals kurzfristig abgesagt/verschoben, was sie gar nicht toll fand.
Das kam dann auch zur Sprache und ich muss mich erklären, was mir sehr unangenehm war.

Aber es war notwenig. Auch die ganzen unangenehmen Fragen die sie gestellt hat.
Mir ging es damit wirklich viel schlechter, einfach weil ich mich damit auseinandersetzen musste.
War allerdings wirklich gut war.

Am Ende kann ich sagen, auch wenn die Therapie anfangs ein Kampf war, hat es sich gelohnt.
Ich kann mich viel besser selbst reflektieren, habe mehr Selbstbewusstsein und ein höheres Selbstwertgefühl.
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#10
Nein, über Therapie habe ich noch nie nachgedacht. Ich selber halte es aber auch nicht für nötig: Ich kann trotzt Angst- und Panikstörung eine Ausbildung machen und zur Schule gehen; ich werde daher nicht wirklich "eingeschränkt".

Ich möchte versuchen diese Sache so weit wie möglich alleine anzugehen.
Prinzipiell erst mal durchdrehen! 021 
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#11
Hallo Zeusli,

ein paar Worte möchte ich dazu loswerden, weil ich mich mit dem Gedanken an eine Therapie auch lange nicht anfreunden konnte. Im Nachhinein betrachtet war es zu lange, und ich wünschte, ich hätte meinen Stolz eher überwunden und die ganze Problematik nicht so unterschätzt. Ich habe doch nicht so sehr die Kontrolle verloren, dass ich Hilfe von außen bräuchte. Hilfe brauchen nur die, bei denen es wirklich schlimm ist. – Was für ein Unfug. Die eigene Situation runtergespielt, die Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit nicht ernstgenommen. Und dann kamen eines Tages eben die Panikattacken. Die kommen nicht aus dem Nichts, wie eine Infektion, die man danach auch komplett wieder loswird. Sie sind die (vorläufige) Spitze einer Entwicklung, die schon lange vorher ihren Anfang genommen hat. Deshalb sind sie ein Hinweis darauf, dass man mal in sich gehen sollte, denn etwas läuft da drinnen mächtig schief. Was genau, und warum, lässt sich alleine aber nur bis zu einem gewissen Grad feststellen. Das liegt nicht an individueller Unfähigkeit, sondern daran, dass wir nunmal so gemacht sind: Das Unbewusste wehrt sich gegen Transparenz. Und weil wir zu nah dran sind (schließlich stecken wir mittendrin, in unserem Kopf), sehen wir oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Deshalb ist ein Außenstehender bei einer Selbstanalyse so hilfreich, wegen der Distanz erkennt er leichter ein Gesamtbild.
Um sich so eine Hilfe "gönnen zu dürfen", muss man nicht warten, bis es so schlimm ist, dass man das Haus gar nicht mehr verlässt und alle Aktivität zum Erliegen kommt. Je eher man eingreift, desto besser sind die Chancen, wieder glücklich zu werden. Und das ist es ja, was zählt: Lebensqualität. Und da würde ich, wenn ich könnte, mich nicht nochmal damit zufrieden geben, dass es mir ja "gerade noch gut genug geht, um zu funktionieren".

Ich kenne deine genauen Gründe nicht, aus denen du eine Therapie ablehnst. Es ist deine persönliche Entscheidung, die respektiert werden sollte. Daher ist das, was ich schrieb, nur als Denkanstoß aus einer anderen Perspektive gedacht.

Herzlich
Sophie
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#12
Hallo Zeusli,
Der Beitrag ist jetzt schon ein halbes Jahr her, aber ich schreib mal was dazu (mache momentan eine ähnliche Krise durch). Erstmal wie geht es dir heute?? Haben die Ängste nachgelassen?? Ich kann deine Ängste jedenfalls gut verstehen und was du durchmachst/durchgemacht hast. Man wird mit der Volljährigkeit mehr oder weniger ins kalte Wasser geschmießen. Die Kindheit endet mehr oder weniger und es fängt ein neuer Abschnitt an. Es ist völlig inordnung das es Jugendliche gibt die davor Angst haben. Klar es gibt sehr viele Vorteile wenn man volljährig wird, aber auch viele Nachteile. Das wird z.b mir jetzt bewusst (bin 20, kurz vor meinem 21 Geburtstag.. mir graust es jetzt schon). Ich finde von einer Seite gut das du dir Gedanken darüber machst, wie dein zukünftiges Leben ablaufen wird und du dir bewusst wirst was auf dich zukommen wird (oder in dem Fall bestimmt schon ist, da ein halbes Jahr vergangen ist, gehe ich mal davon aus das du schon 18 bist). Das du dir Sorgen machst ob du alles unter einem Hut bekommst (z.b Ausbildung, Einkommen, Verantwortung übernehmen usw.) ist vollkommen normal, dass heißt einfach das dir deine Zukunft nicht egal ist und das du Verantwortung für dich übernehmen möchtest. Ich möchte dir ein Tipp geben, überstürze nichts.. mach alles Stück für Stück.... mach das so wie du es für richtig hällst und selbst wenn du mal scheiterst oder schlechte Erfahrung machen solltest, ist das kein Weltuntergang... Du bist noch total jung, dir stehen alle Türen offen... du kannst alles mögliche noch machen/erreichen oder ausprobieren. Und wenn mal was nicht klappt, lass dich nicht runterziehen (ich weiß ist leichter gesagt als getan) und versuche es erneut oder du schaust dich nach was anderem um. Wichtig aber das du immer zu deinem Handeln stehst, nur das macht dich erwachsen und für das Leben stark... Und wenn du mal nicht weiter weißt, kannst du immer nach Unterstützung fragen (Eltern, Freunde usw. halt Menschen die dir nah stehen und denen du vertraust). Dafür ist man nie zu alt. Das schaffst du alles ganz bestimmt. Ich wünsche dir aufjedenfall alles alles gute und ich hoffe das dir jetzt soweit besser geht.
MFG
SE1996
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#13
LPHallo SE1996, erstmal vielen Dnak für die Wünsche und die Ermutigung! Smile

Ja, inzwischen bin ich 18 geworden, interessanterweise habe ich mir darüber aber gar nicht mehr so den Kopf zerbrochen wie ich dachte. Das liegt aber glaube ich nicht daran, dass es mir egal wurde, sondern dass ich es bis heute einfach nicht richtig wahrhaben kann, dass es tatsächlich schon so weit ist. Dafür kommen jetzt nachträglich immer wieder diese Gedankenzüge, "Shit, ich bin 18!" und so.

Reifer fühle ich mich kein bisschen, ich mag es überhaupt nicht "Erwachsen" genannt zu werden, denn ich fühle mich alles andere als Erwachsen. Aus meiner Sicht bin ich mich immernoch am Entwickeln. Im Moment denke ich eher so etwas wie: „Ich habe beim Alter eine Zahl erreicht, die irgendwelche Krawattenheinis einmal als Zeitpunkt der vollen Reife definiert haben, weil sie glauben dass jeder Mensch genau gleich funktioniert und sich genau gleich schnell entwickelt.“ Es mag etwas ignorant klingen, aber ich habe einfach aufgehört mich selber als "Erwachsen" anzusehen und sehe diese Bezeichnung als Abstempelung an. Ich bin das was ich jetzt bin. Natürlich geht es bei der Volljährigkeit vor allem darum, die Refie gesetzlich zu definieren, was fast gar nicht anders geht als mit einem ganz bestimmten Lebensjahr. Aber in unserer Gesellschaft ist so vieles schubladisiert, dass gleich überall als reif angesehen wird, und wenn man das eben nicht ist gilt man direkt als komischer Vogel.

Andererseits habe ich aber auch festgestellt, dass die Angst vor dem Altern etwas menschliches ist. Natürlich haben wir eine Angststörung, was unsere Ängste viel viel schlimmer und krasser macht als die Angst eines "Normalos", aber die Angst vor dem Alter an sich ist etwas natürliches.

Wieviele Leute haben eine Quarterlife oder eine Midlife Crisis? Die haben zwar vorübergehend auch "einen an der Waffel", aber psychisch sind die ja ansonsten gesund. Auch ist die Angst vor dem Alter kein Phänomen der Neuzeit, alle Menschen hatten Angst vor dem Altern. Früher suchten die Menschen jahrelang nach angeblichen Wundermittel gegen das Altern und gegen die Vergänglichkeit: Hier suchte man den Stein der Weisen, der einem angeblich alle kommenden Zeiten überleben lässt; die Schoten glaubten an den heiligen Gral, der ebenfalls Altern ohne Tod ermöglicht; die Spanier suchten die Quelle der ewigen Jugend, die angeblich in der Karibik versteckt ist und ewige Jugendlichkeit verleihen soll. Anti-Aging war schon immer ein Thema. Wink

Im Moment nervt mich mein Alter einfach, am liebsten wäre ich nochmals 15 oder so. Auf der anderen Seite versuche ich einfach im hier und jetzt zu leben und einfach zu ignorieren was ich jetzt eigentlich sein müsste oder können sollte etc.

Die grösste Last meiner Generation ist, dass wir immer ohne wenn und aber funktionieren sollen, dabei aber ja nicht zu viele Anforderungen stellen sollen; das spürst du selber vielleicht auch ein wenig. Smile

Fazit: Ich bin 18, aber solange mir niemand irgendwelche Dinge zuschreibt weil ich in diesem Alter bin ist mir das egal. Big Grin
Prinzipiell erst mal durchdrehen! 021 
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#14
Huhu Zeusli,

ich bin mittlerweile 29 und kann dir sagen, dass ich mich erst "erwachsen" fühle, seit ich 27 bin ^^
Es geht ja auch eher darum, dass man für gewöhnlich mit 18 auszieht und lernt selbstständig zu sein.

Das ist ein Prozess, genau wie mit der Angst umzugehen. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.
Man muss einfach Dinge probieren und sehen, wo sie einen hinführen.

Ich wusste zB mit 16 nicht was ich werden möchte. Damals musste ich mich aber nach der Realschule bewerben und hab dann erstmal schulisch 2 Jahre Assistentin für Informatik gelernt, weil mir nix besseres einfiel. Dann erst mit 19 kam der Gedanke Mediengestaltung könnte doch was sein.
Mit 27 kam dann der Wandel und ich wusste, was mir so liegt. Das kann man mit 18 alles noch gar nicht wissen.

Es sei denn, man hat schon zeitig ein Talent für bestimmte Dinge wie Musik entdeckt. Nur betrifft das nicht jeden.

Alter hin oder her, das ist doch nur eine Zahl. Ich habe früher auch immer gedacht: "Wenn du jetzt 21 wirst, dann hast du dich verändert."
Klar, Schlag 0 Uhr und ich bin ein anderer Mensch Wink So einfach ist das nicht.
Man wird mit den Jahren einfach reifer.

Und wer sagt dir, dass du ohne wenn und aber zu funktionieren hast? Also wirklich, so in deinem Umfeld?
Man kann dir nichts vorschreiben, du kannst deine Entscheidungen selbst treffen und deshalb auch den Druck von dir nehmen.
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#15
(05.06.2017, 10:01)BriniLe88 schrieb:
Es geht ja auch eher darum, dass man für gewöhnlich mit 18 auszieht und lernt selbstständig zu sein.


Ist dem wirklich immernoch so? Ich denke heute ziehen die Leute später aus als auch schon. Ich könnte spontan gerade niemanden nennen, der +/- in meinem Alter ausgezogen ist. Kratz

(05.06.2017, 10:01)BriniLe88 schrieb:
Und wer sagt dir, dass du ohne wenn und aber zu funktionieren hast? Also wirklich, so in deinem Umfeld?

Man kann dir nichts vorschreiben, du kannst deine Entscheidungen selbst treffen und deshalb auch den Druck von dir nehmen.


Ja, das ist so. Es gibt niemand der mir direkt Druck macht, den meisten Druck mache ich mir sicher selber.
Prinzipiell erst mal durchdrehen! 021 
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#16
Na gut, vielleicht war das früher bei mir noch anders ^^ Mensch wie die Zeit vergeht.

Vielleicht ziehen die Jugendlichen heute nicht mehr so schnell aus, wegen Studium, Ausbildung & Co.
Ich wollte damals schnell weg und selbst erfahren, wie es so alleine ist.
Meine Eltern waren dagegen. Hätte jeden Tag mit meinem Auto zum Bahnhof fahren sollen, dann mit Zug und Straßenbahn zu meiner Ausbildungsstätte.
Das war mir zu viel vergeudete Zeit.
Hatte mir dann eine WG, 10 min zu Fuß entfernt gesucht.

Damals war ich auch noch nicht bereit, aber es ist ja wie gesagt ein Prozess. Niemand hat mit 18 schon so viel Lebenserfahrung.
Vieles lernt man erst nach und nach.

Ich wohne jetzt mit 29 das erste Mal wirklich allein. Also keine WG, sondern Wohnung selbst gesucht, Mietvertrag unterschrieben und alle weiteren nötigen Verträge geschlossen.
Wie 29 fühle ich mich gar nicht, manchmal jünger, manchmal älter Big Grin

Wie gesagt, ich hatte sehr lange kein Gefühl dafür "erwachsen" zu sein, das kam erst vor 2 Jahren und seither fühle ich mich auch "erwachsen".
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#17
Kleiner Ergänzungsbeitrag zur verzweifelten Suche nach Wundermittel gegen das Altern. Big Grin


Reiche wollen sich mit Teenager-Blut verjüngen

http://www.20min.ch/panorama/news/story/20163770


Kranke Schweine gibt's auf der Welt! ROTFL-Smiley
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#18
Oh je.
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