Ich bin neu hier und brauche Unterstützung
#1
Hallo,

ich habe gestern durch Zufall entdeckt, dass mein Mann seit einiger Zeit Antidepressiva nimmt. Nur kurz: ich hatte etwas gesucht. Da mein Mann gerade im Urlaub ist, konnte ich ihn nicht direkt fragen und habe in seiner Aktentasche unter seinem Schreibtisch nachgesehen.

Die Vorgeschichte: Mein Mann und ich kennen uns seit 5 1/2 Jahren und sind knapp zwei Jahre glücklich verheiratet. Wir haben eine sehr vertrauensvolle Beziehung und sind gerade dabei die Familienplanung anzugehen. Mein Mann hatte in seiner Vergangenheit eine längere Phase, in der er unter Panikattacken litt. Er war damals sehr isoliert und hatte einige Zeit gebraucht mit Hilfe einer Therapie wieder in sein normales Leben zurück zu finden. Auslöser war damals wohl der Tod seiner Oma, aber die Probleme sind in seiner Kindheit begründet. Er hat mir sehr viel davon erzählt.

Als wir uns kennenlernten besuchte er zwar immer noch regelmäßig seine Therapeutin. Aber es war ihm mittlerweile eher eine angenehm vertraute Gewohnheit geworden. Er genoss es, Entscheidungen und Alltagserlebnisse regelmäßig mit ihr zu besprechen und half ihr bei ihren Computerproblemen. Vor mir hatte er ein Jahr eine Beziehung zu einer Frau, die selbst mit verschiedenen Ängsten zu tun hatte. Er hat sich lange als stützender Partner versucht, aber irgendwann aufgegeben.

Unsere Beziehung startete damals sehr behutsam. Es lief alles perfekt. Wir zogen ein halbes Jahr später zusammen und sind wie gesagt heute glücklich verheiratet.

Nun gibt es aber auch bei uns mal Streit. Mein Mann hat im Triathlon für sich eine Methode gefunden, Stress abzubauen. Da er generell aber dazu neigt, süchtig von Dingen zu werden, die ihm gut tun, erinnere ich ihn regelmäßig daran, wenn er sein Pensum mal wieder deutlich anzieht und bremse ihn wieder etwas ab. Er ist vom Typ her ein egoistischer Mensch, auf eine Art gesund egoistisch, aber manchmal hat er Schwierigkeiten, sich in die Bedürfnisse anderer Menschen reinzuversetzen - meine eingeschlossen. Außerdem hat er in Streit Situationen manchmal das Problem, dass er unverhältnismäßig stark ausrastet und dann sehr unfair wird. Es ist wie, als wenn ich einen roten Knopf drücke und er flippt völlig aus. Später bereut er seine Unverhältnismäßigkeit natürlich immer. Da ich aber in den Momenten immer sehr stark verletzt bin und mit dieser Abweisung nicht so gut umgehen kann, ist es für uns beide immer ein starker emotionaler Moment. Es kommt jedoch auch nur alle 3 bis 4 Monate vor.

Ich dagegen bin natürlich auch nicht frei von Fehlern. Ich bin sehr perfektionistisch und muss alles kontrollieren können.

Wir lieben uns beide sehr und bewältigen auch besondere Herausforderungen immer gemeinsam. Also wenn einer von uns beiden krank ist, oder Probleme im Job hat oder oder, sind wir ein gutes Team. Für mich ist er auch ein guter Freund. Ich genieße jeden Augenblick mit ihm.

Nun mein Problem: Ich habe nun durch Zufall Kenntnis davon, dass er Antidepressiva nimmt. Meine Vermutung ist, dass er wieder Panikattacken hat. Ich weiß davon aber nichts. Er hat mir nichts erzählt. Er ist aktuell im Radurlaub. Ich sehe ihn erst am Montag wieder. Dann haben wir zusammen 1 1/2 Wochen Urlaub. Ich bespreche mich in solchen Situationen gern mit Freunden. Aber in diesem Fall möchte ich die Diskretion wahren und habe Angst meine Beziehung zu gefährden. Innerlich platze ich aber gerade, weil mich natürlich auch Fragen beschäftigen wie "warum vertraut er mir nicht?", "wie schlimm geht es ihm wirklich?"... Wie spreche ich es am besten an? Könnt ihr mir helfen?

Viele Grüße,
H.
Zitieren
#2
Das ist natürlich schwer zu sagen, weil wir euch ja nicht kennen. 
Aber ich könnte mir nur vorstellen, das es nichts mit fehlendem Vertrauen zu tun hat, sondern er dich schonen möchte. Und dich nicht belasten. Vielleicht hofft er auch da es schnell wieder weg geht. Oder er muss das erst mal selber verarbeiten und mit klar kommen. 
Ich habe Phasen, wenn ich die A+P habe dann möchte ich das Gott und der Welt erzählen , dann aber auch wieder wo ich meine Ruhe haben will und mit niemanden drüber reden will. Oder eben hier Wink 
Ich glaube ich würde ihn schon darauf ansprechen. Wenn du das gut anfängst ohne Vorwürfe zu machen , und er merkt das du dir Sorgen machst wird er dich mit Sicherheit auch verstehen. 
124
Zitieren
#3
Warum Dein Mann Dir nichts sagt kann unzählige Gründe haben.
Wenn er aber auf einer Radtour ist
und Du zufällig die Antidepressiva in seiner Aktentasche gefunden hast....
Dann hat er die Medis nicht mit genommen und ist auf Radtour.
Das ist doch ein gutes Zeichen.
 Es sind nicht die Dinge die uns beunruhigen, sondern unsere Sicht der Dinge.
Zitieren
#4
Kratz . Vielleicht wollte er nur erst einmal mit sich klarkommen. So ein Rückfall ist sehr niederschmetternd, sehr enttäuschend. Bleib ruhig und vielleicht kommt er im Urlaub ja allein drauf davon zu reden. Ich würde ihm nicht sagen, dass ich die Tabletten gefunden habe.
Lolli  
Unvollkommenheit ist das Individuelle, Einzigartige und Unverwechselbare.
Zitieren
#5
Ja, keine einfache Entscheidung ob Du es ihm sagst oder nicht. Wenn er zurückkommt und nichts sagt, kannst Du damit umgehen einfach weiterzumachen und nichts zu sagen, auch wenn dann vielleicht von ihm gar nichts mehr kommt?

Du kennst Dich und ihn am besten- vielleicht weißt Du schon instinktiv ob es besser ist wenn Du das Thema ansprichst, oder erst einmal abwartest.

Hoffe Du findest die beste Lösung.

LG

Millini
Zitieren
#6
Danke für eure schnellen Rückmeldungen.

Ich glaube, er möchte mich wahrscheinlich nicht belasten und hat es daher erstmal für sich behalten. Ich glaube aber auch, dass er schon an einem kritischen Punkt gestanden haben muss, wenn er sich diese Tabletten wieder verschreiben hat lassen. Er ist auch dabei diese zu nehmen, in der Tasche befanden sich auch leere Tabletten-Hüllen. Daher gehe ich auch davon aus, dass er welche mit in den Urlaub genommen hat. Antidepressiva nimmt man ja in der Regel regelmäßig und nicht nur sporadisch.

Insgesamt macht er einen guten psychisch und physisch fitten Eindruck. Er hat aber auch im Triathlon eine Möglichkeit der Stress-Kompensation gefunden. Sein Radurlaub ist daher her ein Trainingslager, bei welchem er täglich ein sehr sportliches Tempo abreißt. Das ist gut, so lange er es nicht übertreibt. Im Moment habe ich ein gutes Gefühl und hoffe vor allem, dass ihm der lange Urlaub hilft, seine Akkus mal wieder aufzuladen.

Ich habe in einer Ehe die Vorstellung, dass wir über dieses Thema sprechen können müssen. Ich möchte ihn aber nicht gleich bloßstellen und habe mich entschieden, nächste Woche in unserem gemeinsamen Urlaub erst mal abzuwarten. Vielleicht öffnet er sich wirklich von allein. Irgendwann werde ich es ansprechen, dafür kenn ich mich gut genug. Das wird aber sicherlich auch nicht einfach. Ich kann mir vorstellen, dass er erstmal rechtfertigend reagiert und sich angegriffen fühlt. Ich werde natrülich versuchen, ihn aufzufangen. Aber ich kann nun mal nicht in ihn reinschauen und nachempfinden, wie es ihm wirklich geht.

Mit zwei Tagen Abstand habe ich jetzt für mich die Erklärung gefunden, dass er durch seine Erfahrungen mit dem Thema Panik, schon früh seine Signale erkennt und daher auch schon früh reagiert hat. Womöglich ist die aktuell regelmäßige Einnahme von ADs gar nicht so schlimm, wie es für mich als Außenstehende im ersten Moment wirkt. Dafür stecke ich leider zu wenig im Thema.

Liebe Grüße,

H.
Zitieren


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema Verfasser Antworten Ansichten Letzter Beitrag
  Brauche dringend einen Rat Katja1980 2 291 15.05.2017, 17:37
Letzter Beitrag: BriniLe88
Sad Brauche dringend Rat, ich weiß nicht mehr weiter! Eule1711 2 613 12.10.2016, 09:13
Letzter Beitrag: Karin
  Ich brauche Abstand elster 4 1.388 11.12.2015, 14:41
Letzter Beitrag: Rakete
  Brauche hilfreiche Tipps Henne92 5 2.222 20.10.2015, 12:23
Letzter Beitrag: wunderzunder