Frage zur Konfrontationstherapie
#1
Hallo,

ich hoffe ihr könnt mir aus eurer Erfahrung weiterhelfen.

Nun mache ich ja eine Verhaltenstherapie. Erstmal hat es mir schon sehr geholfen zu wissen was ich genau habe und wie sich die Symtome zusammensetzten. Nun sind wir an dem Punkt natürlich konkret die Situationen aufzusuchen die einem Angst machen. gr. Kaufhäuser, Bahnfahren, Autobahn, allein sein etc.

Laut meiner Psychologin ist eine Übung nur erfolgreich wenn ich auch wirklich angst aufbaue und lerne in der Situation zu bleiben bis diese wieder abklinkt. Zur Not sogar dazu beitragen Angst provozieren..denn nur dann kann ich daraus lernen. Sollte ich keine Angst haben sei das keine effektive übung gewesen. Ich habe nun 3 Wochen bis zu meinem nächsten Termin und soll in dieser zeit soviel wie möglich situationen aufsuchen die mir angst machen.

Also bin ich heute morgen direkt in unsern großen KAufland gefahren (2 Stockwerke), das habe ich mich seit bestimmt 6 Jahren nicht mehr ALLEIN getraut. Also ich hingefahren, mulmig war es ein wenig, aber nicht das ich irgendwie in panik verfallen wäre. Habe mir dann im unteren Stockwerk sogar immer wieder eingeredet das ich jetzt ganz unten bin und so schnell nicht mehr rauskomme etc. Nichts!!! Ich hatte zwar kribbeln in den Füsen und Sehstörungen, die haben mich aber gar nicht gestört. Ich bin extra gaaaaanz langsam da durch, bewusst überall lange stehen geblieben. Insgesamt war ich ca. 1,5-2 Std. da. Aber es war einfach keine Situation die mich aus der Bahn geworfen hätte.

Nun bin ich an dem Punkt wo ich mich auf der einen seite freue, aber auf der anderen Seite denke das war dann keine effektive Übung.

Muss ich denn unbedingt eine Panikattacke haben?

Kann es vielleicht sein, das sich meine Ängste schon reduziert haben, dadurch das ich so genau informiert bin.

Bitte wirklich um Rat weil ich momentan nicht weiß wie ich mit diesem Erlebnis umgehen soll.

Kann es denn auch sein das man vor dingen wie Bus und Bahnfahrt im Grunde gar keine "richtige" angst hat, das man einfach nur meint es sei so weil es vielleicht einer gewissen situation geähnelt hat.

Hoffe ihr versteht mich.

War das nun für mich ein erfogreiches Erlebnis oder nicht?

Vielen Dank
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#2
Also ich finde schon das das ein erfolgreiches Erlebnis war. Du bist 1,5-2 Stunden in dem Kaufhaus gewesen, das ist doch mega klasse.
Und du hast doch Symptome gespürt, also war die Angst schon irgendwo ein wenig da, NUR du konntest damit besser umgehen und bist nicht in Panik verfallen. Ich sehe das als Fortschritt. Und vielleicht ist es schon so wie du denkst, du weisst was mit dir passiert und das macht dir nicht mehr so die Angst. Könnt ich mir schon vorstellen. Also von mir kriegst du ein dickes Lob Applaus
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#3
Hallo Muckelchen,
diese Form von Bekämpfung mußte ich auch machen. Ich war dann alleine im Kino, wie von ihm gewünscht ... und nichts passierte, außer vor Filmbeginn etwas Unruhe. Ich denke, es muß dabei nicht zur Panikattacke kommen und das kann auch nicht gewollt sein.
Jede negative Reaktion Deines Körpers, ob Schwindel, Bauchschmerzen und Durchfall, Enge im Brustkorb usw. ist ja ein Ausdruck der A/P.
Wichtig ist einzig und allein, dass Du ALLEINE diese Sachen machst. Am Anfang aus Pflicht und mit Unwohlsein, dann später auch gerne. Mein Rat, lauere nicht auf irgend etwas, absolviere fleißig und immer wieder Deine Übungen und schreibe Dir hinterher alles was passiert oder Dir durch den Kopf geht auf. So kannst Du die Gefühle und Symtome auch später beim Thera nachvollziehen.
Du hast Dich heute tapfer geschlagen und bist die Sache angegangen. Sei stolz auf Dich Applaus .
Lolli  
Unvollkommenheit ist das Individuelle, Einzigartige und Unverwechselbare.
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#4
erstmal danke für die aufmunternden worte

@ rena-im grunde gehen die meinungen von dir und meiner thera in soweit auseinander, das sie sagt es sei keine effektive übung ohne angst. und wenn keine angst aufkommt kann man damit nicht arbeiten und verliert diese dann nicht.

soweit ich weiß, hast du die a/p ja hinter dir gelassen und dir geht es wieder richtig gut, oder verwechsel ich da was? Hast du es aufgrund der konfrontation geschafft? Du meinst also so wie das heute war ist das absolut in ordnung und richtig?

Für diese und nächste woche habe ich noch ein paar dinge auf dem plan stehen...

Am Samstag steht bei mir ein großer Firmenausflug an. Nervös bin *
Kommende woche steht bei mir Kino an (alleine)
und dann habe ich mir noch eine zugfahrt vorgenommen...

ich könnte mir für mich aber wirklich vorstellen, das allein mein jetziges wissen die sache schon einfacher macht...
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#5
@Muckelchen, ich bin da leider etwas überfragt. Aber warum sollte die Übung keine Wirkung haben, wenn keine Panik aufkommt? Der Fakt ist doch, Du unternimmst alleine was und mit Sicherheit macht Übung den Meister. Es kommt mehr Routine und damit flacht die Angst oder besser die Symtomatik ab Kratz . Letztendlich geht es eh nur darum, die Angst flach zu halten, denn Angst zu haben ist ein normaler und gesunder Reflex, sie darf nur nicht, wie bei uns, übersteigert sein.
Ich für meinen Teil habe durch meine vielen alleinigen Unternehmungen, die ich bis heute auch mache, die Angst verlohren. Ja ich kann sagen, es geht mir beständig recht gut.
Ich denke Muckelchen, es finden sich hier noch ein paar User, die Dir richtige Tipps geben können bzw. von ihren Erfahrungen berichten können.
Hast Dir schön was vorgenommen und das finde ich richtig gut. Mache Dir keine Gedanken, ziehe es durch.
Lolli  
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#6
Du bist ja nicht vollkommen frei und gelöst darein, dir war mulmig und du hast es ausgehalten. Mulmig bedeutet doch auch Angst zu haben, oder? Hast du denn merken können wie sich deine Symptome mit der Zeit verflüchtigen? Manchmal ist es schon kurios mit der Angst, mir ging es damals auch schlagartig besser, als ich mir sagte "na, dann komm doch" ... nichts passierte!! Wenn es das aber ist, was es einem besser gehen lässt, dann ist es doch wunderbar effektiv Smile Du konfrontierst dich mit Situationen, die du lange Zeit gemieden hast und merkst, dass es geht, so erweiterst du immer mehr deinen Radius und lehrst dir selber, dass du nicht vermeiden brauchst, also wenn dies nicht effektiv ist, dann weiss ich nicht was effektiver sein soll?? Nimm dir den Druck weg, du wirst schon noch Panik bekommen Wink Das Vermeiden baut Angst auf, das "Tun" baut Angst ab!
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Ein neuer Weg ist immer ein Wagnis. Aber wenn wir den Mut haben loszugehen, dann ist jedes Stolpern und jeder Fehltritt ein Sieg über unsere Ängste, unsere Zweifel und Bedenken.
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#7
@merle: der letzte Satz ist klasse und trifft den Nagel auf den Kopf. Werde ich mir mit in Situationen nehmen die unangenehm sind
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#8
@merle

habe den vorletzten satz jetzt nicht wirklich verstanden, vielleicht steh ich auch grad auf der leitung :-)

Nimm dir den Druck weg, du wirst schon noch Panik bekommen

Wie meinst du das?

Also sollte es doch alles einfacher sein wie befürchtet?
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#9
Genau, manchmal ist es einfacher als befürchtet, aber es wird auch Situationen geben, in denen du wieder mal Panik bekommst. Wenn ich dir etwas anderes sagen würde, dann würde ich Lügen. Nur jetzt wie wild drauf loslaufen und "Panik" bekommen, weil sich nichts tut in den Situationen und dann befürchten du arbeitest nicht effektiv, da solltest du dir den Druck nehmen. Versuche zu machen, was du dir zutraust, lerne in den Situationen und freue dich, wenn es dir gut geht.
033
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#10
Ich denke, es werden schon wieder Situationen aufkommen, wo du Unruhe bis hin zur Panik spürst.
In solchen Momenten kannst da ja dann immer an das Kaufland denken, das da nix passiert ist nd so nimmst du der Angst ja schon die Grundlage. Und so wird das pö a pö eben in jeder Situation immer einfacher gehen. Bleib einfach dran, die Übung macht den Meister.
Lg Arielle1
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Verbiege dich nie um anderen zu gefallen, denn daran kannst du zerbrechen!

Wenn Du schon fällst, dann reiß Dich zusammen und steh auch wieder auf!
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#11
@ merle

da hast du wohl gewissermaßen recht. war allerdings verunsichert weil meine thera eben zig mal betont hat das eine übung ohne angst eben nicht effektiv sei und man sogar wenn dem nicht so ist die angst provozieren soll...

tatsächlich hatte ich schon ein mulmiges gefühl und auch sehstörungen etc, nur weil sie mich nicht weiter gestört haben war ja gewissermaßen trotzdem ein angsymptom vorhanden. demnach kann man wohl doch von effektivität sprechen.

ich werde nun einfach dran bleiben und mein bestes geben. so positiv wie momentan war ich in dieser hinsicht noch nicht gestimmt. da ich ja sowieso nicht der typ bin der direkt panikattacken bekommt, muss ich diese wohl auch nicht haben um effektiv an meiner angst zu arbeiten. die sonstigen begleiterscheinungen reichen auch vollkommen aus. von daher kann man wohl sogar davon ausgehen das ich gar nicht unbedingt eine panikattacke bekommen muss sondern einfach die begleiterscheinungen mal mehr werden.

ist es heute bei dir auch noch so das du panikanfälle bekommst oder ist das weg?
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#12
Hallo Muckelchen,
deine letzte Frage ging zwar an merle, aber ich antworte trotdem mal. Ich glaube was merle meint ist das du dich nicht ständig fragen sollst, ob es richtig oder falsch war. Denn du bist in eine Situation gegangen vor der du Angst hattest und hast es geschafft und das sollte dich stolz machen. Ich habe heute keine Panikanfälle mehr, aber immer mal wieder Ängste in bestimmten Situationen und damit dann Symtome. Wenn ich es dann geschafft habe, bin ich stolz darauf. Das solltest du dir sagen, du hast etwas geschafft was du vor einer Weile niemals gemacht hättest und wenn du ohne Panikanfall rausgekommen bist, dann kannst du dir auf die Schulter klopfen und sagen gut gemacht. Indem Moment, wo du dich in eine Situation begibst vor der du Angst hast, hast du doch schon gewonnen und der Angst ins Gesicht gelacht.
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#13
Ich habe keine Panikanfälle mehr, kenne es allerdings auch noch, dass sich hin und wieder ein Symptömchen auf den Weg machen will. Gerade wenn es eine außergewöhnliche Situation gibt, die mich seelisch sehr belastet. Aber dies hat jeder Mensch! Und somit sehe ich das als normal an.
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#14
Hallo,

wollte euch mal kurz von gestern berichten wie es in Köln war.

Abgesehen davon das ich gestern morgen hier zu Hause vor lauter Nervosität fast die Krise gekriegt hätte stand aber ganz klar für mich fest das ich mitfahre. Eine bessere gelegenheit war momentan nicht abzusehen.

Also hin in die Firma, rein in den Bus (2 Std. fahrt), raus aus dem Bus, rein auf den Mega Weihnachtsmarkt in die Kneipen rein raus, Geschäfte rein raus. Alles paletti. Leichtes kribbeln aber nicht schlimm.

Und dannn...

auf der Rückfahrt hat die Angst dann nochmal im Bus zugeschlagen und ich war erstmal extrem irritiert und merkte wie meine laune auf einmal runter ging. Habe mich dann ganz bewusst nur auf mich konzentriert und mir immer wieder gesagt "dann komm doch, zeig dich mir etc" Habe es dann auch tatsächlich geschafft wieder runterzukommen und wäre noch fast im Bus eingeschlafen *hihi*

Auch wenn die Fahrt unterm Strich für mich Mega mega mega gelaufen ist lässt mich der gedanke an die letzte Stunde dennoch nicht richtig los.

Und das find ich grad mal selbst total ätzend...besser hätte es doch wirklich nicht laufen können.

Sitze grad hier und schüttel den Kopf über mich selbst.......
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#15
Ja, man wünscht sich eben einen Tag, der komplett gut verläuft ... richte deinen Blick darauf, wie gut du es geschafft hast, deine Angst auszuhalten!! Und alles andere war sowieso echt top!! Ich finde es gaaaaaanz klasse, dass du mitgefahren bist und sogar mit einem relativ angstfreien Tag belohnt worden bist. Das hast du SUUUUUPER gemacht, ich ziehe den Hut vor dir!!
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#16
Applaus Klasse Muckelchen, hattest ja ein Top-Tag. Das freut mich sehr. Und die Angst hast Du auch ausgehalten. Es wird immer besser, glaub mir Lolli
Lolli  
Unvollkommenheit ist das Individuelle, Einzigartige und Unverwechselbare.
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#17
Hallo Muckelchen,

es gibt sehr unterschiedliche Ansätze in der Konfrontation. Einer davon ist es die Situation mit dem größten Angstpotential zu finden und dann in die Konfrontation zu gehen, was bedeutet dass Panik aufkommt, in der Situation ausgehalten und beobachtet wird und dann die Erkenntnis folgt, dass nicht passiert. Meist kommt es nur beim ersten Mal zur Panik, danach nimmt die Angst ab. Ich habe das in einem Film gesehen aber diese Therpieform wendet man nur bei Menschen an, die schon viele andere Dinge versucht haben, soll sehr effektiv sein ist aber wirklich nicht leicht und ein sehr harter Weg.

Ansonsten nimmt man sich unterschiedliche Situationen, so wie Du und nach ein paar positiven Erlebnissen überträgt das Gehin die Emotionen auf andere Situationen. So entsteht eine Angststörung aber genauso geht sie auch wieder. Erst hat man einen Auslöser, dann kommt das Kino dazu, das Konzert, das Einkaufszentrum, andere Menschen und am Ende geht man nicht mehr vor die Türe. Ich konnte z.B. meine Arbeitstelle nicht mehr betreten. Habe aber nie geübt dort wieder hineinzugehen, sondern andere Übungen genutzt, war im Kino, im Konzert, Essen und alles war nicht schön und entspannt. Nach einer ganzen Weile geht heute alles wieder, macht häufig Spass, Angst habe ich keine mehr, nur beim Fahren auf der Autobahn ist ein komiusches Gefühlgeblieben aber auch nicht immer.

Also dran bleiben

Sabine
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