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Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - Druckversion

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Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - WhiteRabbit - 11.05.2020

Hallo zusammen,

Ich bin Anfang 30, verheiratet und habe einen ca. 6 Monate alten Sohn.

Aber zu meiner Geschichte. Die ersten Beschwerden liegen rückblickend wohl schon weiter zurück, waren da aber so selten, dass ich es unter der Kategorie „schlechter Tag“ abgelegt habe und gut war die Sache. Nie im Leben hätte ich zu der Zeit an Panikattacken gedacht. Ich war ein Kerl wie ein Baum über 1,90m groß, annähernd 100kg schwer, 1-2 mal Sport die Woche und in über 3 Jahren nicht einmal krank.

Dann etwa 1-2 Monate vor der Geburt unseres Sohn’s, wurde ich plötzlich mitten in der Nacht wach mit Herzrasen wie ich es noch nie in meinem Leben hatte. Die Panik und das Herzklopfen waren so stark, dass ich den Ärztlichen Notdienst gerufen habe. Vermutlich machte ich am Telefon keinen kritischen Eindruck, da dieser erst nach ca. 1 Std. bei mir war. Bis dahin hatte sich die Situation schon teilweise etwas beruhig und es konnte auch nix festgestellt werden. 

Ich ging damals davon aus das dies mit Tabletten in Zusammenhang stand, die ich in der Zeit gegen Akne genommen habe. Diese schlagen zum Teil auf den Kreislauf. Diese habe ich dann abgesetzt und erstmal auch keine Probleme mehr gehabt.

Erst kurz nach der Geburt meines Sohnes ging es mir richtig mies. Ich war einen Monat in Elternzeit und obwohl dies eigentlich eine der schönsten Zeiten in meinem Leben sein sollte und auch war, so war es auch eine der schwersten. Ich hatte von heute auf morgen starke Grippeähnliche Symptome aber auf eine Art wie ich Sie noch nie erlebt habe. Durchfall, Herzrasen, Kopfschmerzen, Halzschmerzen, verstopfte Nase, Schüttelfrost gefolgt von starken Hitzeschüben und dass in einer Zeit wo ich doch für meine Frau da sein sollte und nicht anders herum.

Bis dahin war mir noch nicht klar was los ist. Ich ging davon aus, dass ich einfach richtig Erkältet war, was nach über 3 Jahren auch einfach mal passieren kann.

Doch die Wochen vergingen und irgendwie braute sich etwas in mir zusammen. Nacken und Schulterschmerzen häuften sich begleitet von Kopfschmerzen und Schwindel. Ich ging also zum Hausarzt und die Odyssee begann.

Die erste Untersuchung war eine Blutprobe. Ergebnis unauffällig, alles gut. Die Beschwerden wurden aber nicht weniger und mein Blutdruck lag deutlich über 150/90 also weitere Untersuchungen beim Hausarzt.

[list]
[*]Belastungs EKG
[*]Langzeit EKG
[*]Langzeit Blutdruck
[/list]
Alles soweit unauffällig. Also wurden mir 6 Termine beim Physiotherapeuten verschrieben. Diese haben auch was gebracht aber leider nicht lange. Mittlerweile war ich auch wieder im Berufsalltag und ich glaube die zusätzliche Ablenkung tat mir anfangs ganz gut. Der Arzt sagte schon „Neugeborenes Kind, wenig Schlaf“ usw. da kann sowas mal durch Stress ausgelöst werden. Also habe ich mir auch erstmal keine weiteren Gedanken gemacht.

Aber dann ging es ein bis zwei Wochen später wieder los. Schwindel und ein flaues Gefühl im Bauch am Morgen. Wenig Appetit. Teilweise starke Schulterprobleme dass ich nicht mal die Babytrage hoch bekommen habe und Herzklopfen.

Mein Sohn war mittlerweile 2 1/2 Monate. So lang begleiten mich auch regelmäßig die Beschweren.

Aber er dauerte noch weitere 1 1/2 Monate ca. bis ich erneut richtig Krank war. Wieder ähnliche Beschwerden wie beim ersten mal doch diesmal kam eine Kehlkopfentzündung dazu. Da beschloss ich weitere Untersuchungen machen zu lassen. Ich war überzeugt das ich krank sein muss und es muss schlimm sein. Schilddrüse, Margen Darm Erkrankung oder etwas mit dem Herz. Ich wusste es ist ernst und ich muss handeln.

Also wieder zum Hausarzt. Zu diesem Zeitpunkt sagte mein Hausarzt glaube ich auch erstmals, dass es sich um eine Panikstörung handeln könnte. Es wurden weitere Untersuchungen gemacht um etwas Körperliches auszuschließen. 

[list]
[*]Blutprobe
[*]Stuhlprobe
[*]Sonographie der Organe
[*]Ãœberweisung zum Kardiologen, Ultraschall vom Herz
[*]Untersuchung der Lunge beim Pulmologen
[/list]
Alle Untersuchungen ohne auffällige Ergebnisse. Parallel habe ich bereits einen Therapeuten gesucht.

Das alles ist nun gute 6 Monate her und ich habe seit 1 1/2 Monaten eine Therapeutin. Mittlerweile habe ich zu annähernd 90% angenommen das es sich wohl um eine Panikstörung handelt aber 10% denken immer noch dass es was körperliches ist und ich verspüre das Bedürfnis weitere Untersuchungen machen zu lassen. Kommende Woche habe ich noch einen Termin beim HNO, da das neuste Symptom ein bis zu 45min. anhaltender Pfeifton im rechten Ohr ist. Dies ist nun zwei mal in knappen 10 Tagen passiert. Diese Woche war ich auch wieder krank geschrieben, da ich wieder eine Kehlkopfentzündung hatte so der Arzt. Diese ist morgens Aufgetreten bis ich mittags dann nicht mehr sprechen konnte und war aber auch ebenso schnell am nächsten Tag wieder weg.

Gestern war es mal wieder besonders schlimm. Der Schub war der schlimmste, seit ich in Behandlung bin und dauerte eine gute Stunde. Auch den restlichen Tag war ich sehr unruhig und hatte immer wieder Herzrasen.
Dies war auch der Auslöser, dass ich nach einem Forum gesucht habe um mich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Ich merke das dass Schreiben eine gute Ablenkung ist und es mir gut tut darüber zu sprechen. Meine Familie weiß auch seit ein paar Tagen Bescheid aber es fällt mir nach wie vor schwer mit ihnen darüber zu sprechen. Ich überlege nun, ob ich als nächstes mit meinem Arbeitgeber sprechen soll, um einfach weiter Druck abzubauen. Allerdings habe ich auch Angst vor der Reaktion, da ich in einer Führungsposition bin und meinen Job nicht riskieren möchte. Ich habe schließlich jetzt eine Familie zu versorgen. Habt Ihr Erfahrungen in der Hinsicht. Wie waren bei euch so die Reaktionen?

Okay das war jetzt sehr viel auf einmal aber es musste auch einfach alles mal raus. Ich hoffe von euch und euren Erfahrungen mehr zu erfahren und bin gespannt wie Ihr mit den Situationen so umgeht.


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - Karin - 12.05.2020

Hallo WhiteRabbit,

herzlich willkommen bei uns im Forum.
Mit ziemlicher Sicherheit kommen die Symptome von deiner Angststörung, aber lass ruhig alles abklären, damit du das ganz sicher weißt.
Es ist schon mal sehr gut, dass du eine Therapie machst. Ablenkung ist auch immer gut und am besten alles tun, was man tun möchte und muss. Zusätzlich sollte man sich auch eine Auszeit oder etwas Gutes/Schönes gönnen.
Gut, dass deine Familie Bescheid weiß. Nur mit dem Arbeitgeber wäre ich etwas vorsichtig. Ich weiß allerdings nicht, wie ihr miteinander zurecht kommt. Ich hab das mal einem Chef gesagt, der war sehr verständnisvoll und hat mich auch ganz toll unterstützt. Aber das muss man gut überlegen, wie man da vorgeht.

Gruß
Karin


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - WhiteRabbit - 12.05.2020

Hallo Karin,

Vielen Dank, ja ich lasse auf jeden Fall das nötigste checken, damit man selbst einfach mehr Ruhe rein bekommt. Ansonsten versuche ich jetzt wo die Fitnessstudios wieder auf sind regelmäßig zum Sport zu gehen und auch sonst mich mehr zu bewegen, da ich merke wie es mir dadurch besser geht. Meine Therapeutin hat heute auch erstmal davon abgeraten mit meinem Arbeitgeber zu reden, daher werde ich erstmal weiter abwarten wie sich alles entwickelt.


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - Karin - 12.05.2020

Hallo WhiteRabbit,

das mit dem Sport ist auf jeden Fall sehr gut. Genau, lass bei den Ärzten erst mal alles abklären, dann weißt du ganz sicher, dass du sonst gesund bist.

Gruß
Karin


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - WhiteRabbit - 12.05.2020

So die Untersuchung beim HNO ist nun auch durch und alles ist gut. Heute war auch die Therapie recht erfolgreich. Wir haben nun meinen Hauptauslöser identifiziert. Ich denke unterbewusst war es mir immer klar aber nun habe ich das erste mal darüber gesprochen und es mir selbst eingestanden. Ich glaube das ist ein guter Anfang. Ich habe panische Angst vor dem Tod und vor einem zu frühen ableben durch eine schwere Krankheit. Vermutlich da meine Mutter an Morbus Crohn und Herzproblemen litt und leider viel zu früh gestorben ist. Ich denke nun wo ich ehrlich zu mir selbst und anderen gegenüber bin was meine Angst angeht, habe ich mir selbst schon ein ganzes Stück geholfen. Ich hoffe die nächsten Tage und Wochen werden jetzt wieder etwas ruhiger.


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - Karin - 13.05.2020

Hallo WhiteRabbit,

schön, dass beim HNO alles abgeklärt wurde. jetzt weißt du ja, dass du körperlich gesund bist.
Gut, dass ihr deinen Hauptauslöser der Angst gefunden habt. Das mit deiner Mutter war ja auch sehr schlimm, was aber nicht heißt, dass es dir genau so geht.

Gruß
Karin


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - DoubleYou - 13.05.2020

Hallo WhiteRabbit,
vielen Dank für deinen Bericht, der wieder einmal zeigt, dass es jeden treffen kann, egal wie alt, egal ob Mann oder Frau, egal ob erfolgreich oder weniger erfolgreich. Ich dachte früher, es läge an mir, dass ich Ängste und Depressionen erlitt und ich müsste nur irgendwie alles „besser machen“, „stärker“ sein, „erfolgreicher“ und dann würde es wieder vergehen.
Erstmal Glückwunsch zum Kind! Und Glückwunsch zum guten Job! Und Glückwunsch, dass du so nach vorne gehst mit der Situation. Deine Leiden klingen durchaus nach Reaktionen auf eine lange bestehende unbewusste Ãœberforderung (alles gut managen, sich freuen müssen, Verpflichtungen erfüllen, immer stark und zuverlässig sein). Jetzt ist es ganz wichtig, Inseln der Geborgenheit zu schaffen, in denen du entspannen kannst. Vielleicht fehlten sie. Deinen Arbeitgeber geht das nichts an, der sollte dir Freiräume aufgrund der frischen Elternschaft geben, wenn er ein guter (menschlicher) Arbeitgeber ist, wird er das sowieso tun. Ich spinne jetzt mal: lass dich mal massieren. Tue regelmäßig etwas  n u r   f ü r    d i c h  (und wenn es nur eine halbe Stunde lang geht), egal was. Mal alles, wirklich alles weglassen (man kann nicht immer innerlich „im Dienst“ sein). Mal wirklich alle Viere von dir strecken und ganz tief die ganzen Anstrengungen ausatmen! Du schaffst soo viel, du hast das verdient. Toll, dass du auch gleich eine Therapeutin an Land gezogen hast, das zeigt, wie gut du dich um dich kümmerst. Nehme dir deine Zeit und deine Räume - dann wird es ganz sicher wieder besser. Und es gibt noch viele weitere Optionen. Mir fällt gerade ein, es gibt auch Kuren mit Kind.
Ich wünsche dir alles Gute und gute Freunde, Liebende, Kollegen und überhaupt: Menschen an deiner Seite. Viele erleben ganz ähnliches, aber man sieht es ihnen nicht an ...
Mitfühlende Grüße!


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - WhiteRabbit - 15.05.2020

Hallo DoubleYou

Vielen Dank für deine aufbauenden Worte. Sowas gibt Kraft. Ich versuche z.Z. mich mehr zu entspannen und einfach mal nix zu tun. Zusätzlich versuche ich mehr Sport zu machen. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass es besser wird aber manchmal gewinnt der Kopf die Ãœberhand.

Ich habe noch mal mit meinem Kardiologen gesprochen da es wohl ein paar Unklarheiten bei der Untersuchung gab bzw. die Koronalatterien nicht richtig sichtbar waren bei der Untersuchung. Dies sorgt aktuell wieder für starke Unruhe und ich bin nun in Klärung mit dem Arzt ob ein CT gemacht wird um Herzprobleme komplett ausschließen zu können.

Ansonsten bin ich gestern seit langer Zeit das erste mal wieder Fahrrad gefahren und war nach 25min. total am Ende. Zwar ist es bei uns recht bergig aber dass war nicht umbedingt sehr befriedigend für mich, da ich natürlich gleich wieder an meiner Gesundheit gezweifelt habe. Ich versuche nun die kommenden Tage die selbe Strecke immer wieder zu fahren und hoffe dass es einfach an der Kondition liegt.

Ich werde in ein paar Tagen nochmal berichten. Bis dahin wünsche ich euch ein schönes und hoffentlich entspanntes Wochenende.


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - WhiteRabbit - 27.05.2020

Hallo zusammen,

Es ist schon ein paar Tage her seit meinem letzten Post.

Aktuell geht’s mir ganz gut bzw. hatte ich bald zwei Wochen fast keine Beschwerden. Die letzten paar Tage brodelte es dann leider doch wieder in mir wobei es im Vergleich zu vor ein paar Monaten gut zu kontrollieren war und ich die Panik schnell im Griff hatte.

Ich habe ein paar Gewohnheiten umgestellt. Früher habe ich täglich Videospiele gespielt, weil ich dachte dies würde mich entspannen. Es scheint aber so zu sein, dass unterbewusst der Drang zu gewinnen und neues zu entdecken bzw. Fortschritt in einem Spiel zu erlangen einen enormen Stress in mir ausgelöst hat. Daher habe ich jetzt schon gute zwei Wochen nicht mehr gespielt und ich denke dass es mir sehr hilft.

Außerdem fahre ich alle paar Tage Fahrrad und versuche dort die Intensität regelmäßig zu erhöhen um mir immer wieder vor Augen zu führen, dass ich körperlich fit und gesund bin und meine Beschwerden nicht körperlich bedingt sind. Außerdem macht es den Kopf frei wenn ich einfach nur Landstraßen entlangfahre und die Landschaft auf mich wirken lasse.

Ich hoffe, dass es weiter so gut läuft und ich vielleicht noch weitere Abläufe ändern bzw. optimieren kann um noch besser gegen die Probleme vorzugehen.

Ich halte euch auf dem laufenden und wünsche euch bis dahin alles Gute.


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - Karin - 28.05.2020

Hallo WhiteRabbit,

dann bist du ja auf dem richtigen Weg und gut, dass es dir insgesamt schon besser geht.

Gruß
Karin


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - DoubleYou - 28.05.2020

Hallo WhiteRabbit,
das klingt schon so schön: Fahrradfahren durch die Landschaft (statt Videospielen). Du machst es genau richtig, denn bei solchen körperlichen Aktionen draußen werden sofort Endorphine und andere gute Botenstoffe ausgeschüttet.
Ich wünsche dir schöne Tage und Erlebnisse!


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - Marie34 - 01.06.2020

Hallo WhiteRabbit, 

wenn ich deine Geschichte so lese, sehe ich viele parallelen zu mir. Dein Vorteil ist, dass du zum Arzt gehen kannst, um deine Beschwerden abchecken zu lassen. Dieser Gang ist für mich nicht wirklich möglich.
Ich würde gerne meine Situation schildern. Ich hoffe ich darf dafür diesen Beitrag nutzen.

Ich bin 34, habe 2 Kinder und lebe seit ca. 1 Jahr getrennt. Mein Angst zu früh zu sterben, war irgendwie schon immer ein Bestandteil meines Lebens. Wirklich realisiert habe ich es erst vor 3 Jahren. Mein Vater ist ziemlich schnell an Krebs verstorben und ich konnte es nicht wirklich verarbeiten, weil ich keine Zeit hatte... Es nagte aber in mir. Die Panikattacken häuften sich und ich habe es auf den Stress geschoben und versucht nicht drüber nachzudenken. Ich sollte schon vor 2 Jahren zum Psychologen und hab immer gedacht, ach quatsch dass bekommst du schon in den Griff.

Nix da, jetzt wo die Zeit still steht und es nur noch ein Thema gibt, schaffe ich es nicht mehr alleine aus dem Strudel. Es ist wie ein trigger. Ständig denke ich darüber nach, ob ich evtl krank bin. Sei es Corona oder Krebs und meine Psyche treibt das ganze dann auch noch mit nicht erklärbaren Symptome an. Ich dreh mich nur noch im Kreis und schaffe es einfach nicht zum Arzt zu gehen und mich durchchecken zu lassen. Was ziemlich paradox ist, denn wenn was wäre, könnte man ggf was tun. Ich habe so eine Angst, allein die Vorstellung, dass ich meine Kinder in ihrem Leben nicht begleiten kann lähmt mich. 

Ich habe versucht mit meiner Familie darüber zu reden, aber keiner kann es nachvollziehen oder versteht auch nur ansatzweise was in meinem Kopf los ist. Ich bekomme dann Sätze wie, du bist doch jung und fit, mach dir darüber nicht solche Gedanken. Ich wünschte es wäre so einfach, ist es aber nicht.

Das ist auch ein Grund warum ich das Forum aufgesucht habe, ich wollte nicht mehr alleine mit diesen Gedanken sein und vlt auch ein Stückweit verstanden werden.
Liebe Grüße 
Marie


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - DoubleYou - 02.06.2020

Hallo Marie34,
hier versteht dich jeder und wenn ich das sagen darf: du bist ganz normal und denke bloß nicht, du seist totkrank oder sonstwie „gestört“. Ängste gehören zum Menschen wie Brot zum Wein. Sensible Menschen (das sind die, die kreativ sind und stark, sich gerne für andere aufopfern und überhaupt mehr Verständnistiefe besitzen) haben damit leider mehr „zu tun“ als manche anderen. Dass du nach der Trennung besonders unter Angstgedanken leidest, ist nur allzu verständlich. Egal wie die Umstände waren (vielleicht bist du auch froh über die Trennung), es ist immer eine Erschütterung für die Seele, die sich doch so sehr nach Sicherheit und Geborgenheit sehnt. Du schreibst, du „solltest“ vor zwei Jahren zu einem Psychologen. Was wäre, wenn du es „wolltest“? Oder was wäre, wenn es eine „Psychologin“ wäre? Vielleicht eine, die ein toller Mensch ist und dir zuhört ... 
Man kann nicht immer alles alleine „schaffen“. Das ist auch nicht die Aufgabe im Leben. Wir Menschen sind alle auch für die anderen da, deswegen sagt man: Mitmensch. Du hast vielleicht oft anderen geholfen und zugehört, dir Mühe gegeben, sie zu verstehen. Genau das gehört auch dir. Auch dich soll man verstehen und ernstnehmen. Dass dich deine Umgebung zur Zeit nicht versteht, das ist schade, aber es ist nicht jedem gegeben, seelische Nöte zu verstehen. Geduld. Auf jeden Fall haben sie, auch wenn es dir gerade wenig hilft, damit recht: du bist jung und fit. Suche dir Menschen, die Verständnis haben. Vielleicht gibt es in deiner Nähe auch Gruppen. Ich habe vor vielen Jahren mal Gruppentherapie gemacht, das war sehr gut. Dass du dich hier im Forum angemeldet hast, zeigt, dass du Schritte aus der Spirale heraus gehst ...  
Liebe Grüße!


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - Marie34 - 02.06.2020

Hallo DoubleYou, 
erst mal vielen Dank für deine schnelle Antwort. Es ist richtig, dass ich mich mehr mit den Bedürfnissen oder Wünschen anderer beschäftige, ein Stückweit auch um mich nicht mit mir oder meinen Sorgen auseinander zu setzen. Die Trennung selbst, war ein Entschluss der mir viel abverlangt hat, aber zum Wohl meiner Kinder notwendig war. Den Psychologen habe ich bis dato nicht in Anspruch genommen, weil ich der Hoffnung war das es mein Leben und das meiner Kinder nicht beeinflußt.

 Das war ein Irrglaube, das weiß ich mittlerweile. Ich versuche mich an schöne Dinge zu erinnern, wenn es mir schlecht geht um aus dem negativen sog zu entkommen. Das klappt nur mäßig. Naja, also heißt es durchhalten bis endlich Licht am Tunnel zu sehen ist.

Danke nochmal für den positiven Zuspruch. 
Liebe Grüße 
Marie


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - WhiteRabbit - 16.06.2020

Hallo Marie,

Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich habe die erste Zeit versucht es zu ignorieren und mir gesagt das ich es auch alleine schaffe, aber irgendwann merkt man, dass es alleine nicht klappt. Besonders der Gang zum Psychologen war für mich eine große Ãœberwindung. Was würde meine Familie sagen, was ist wenn es Kollegen mitbekommen? Ich kann dir sagen bei mir verstehen es auch nur wenige in der Familie aber sie hören zu das ist das wichtigste. Auf der Arbeit weiß bis heute keiner was außer meine direkte Kollegin und es fragt auch keiner.

Sprich meistens sind die Vorstellungen viel schlimmer als die Realität. Daher ist es gut den ersten Schritt zu machen, weil man dann oft merkt das es besser wird. Egal wie klein die Schritte anfangs sind.

Ich hoffe sehr das du es schaffst den Weg zum Arzt auf dich zu nehmen. Denn wenn du erstmal die Gewissheit hast das du gesund bist ist dies schon eine große Erleichterung auch wenn es wie bei mir eine Zeit gedauert hat dies auch zu akzeptieren und nicht immer zu hinterfragen. Was mir am meisten geholfen hat ist der Sport. Dadurch habe ich immer sofort gesehen das ich fit bin und es mir gut geht auch ohne Arzt der mir das bestätigt. Vielleicht kann dir Sport auch helfen.


Grüße
White Rabbit


RE: Akzeptieren und drüber reden als Schritt nach vorn - Marie34 - 16.06.2020

Hallo WhiteRabbit, 
in den letzten Wochen war es ein auf und ab.... Das Sport bei der Verarbeitung und der eigenen Wahrnehmung hilft, habe ich auch gemerkt. Ich versuche regelmäßig wandern oder Rad fahren zu gehen. 

Das mein Körper das ohne Probleme schafft, zeigt mir das ich eigentlich fit und gesund bin. Nachteil, es hält immer nur ein paar Tage an und ich lande wieder in der Spirale.
Mittlerweile habe ich meinen inneren Schweinehund überwunden und bin zum Arzt gegangen, um ein großes Blutbild machen zu lassen. Die Zeit bis zur Auswertung war die Hölle. Laut der Analyse bin ich absolut fit und habe keine Auffälligkeiten. Das war ein tolles Gefühl und ich habe seit langem endlich mal wieder ruhig schlafen können. Es beruhigt und trotzdem hinterfragt mein Kopf die Richtigkeit der Ergebnisse 🙈. Einen guten Psychologen habe ich auch endlich gefunden und werde jetzt meine Probleme mit ihm zusammen hoffentlich lösen können oder wenigstens Ansätze finde um nicht nochmal da zu landen, wo ich war/bin.

Ich bin noch immer sehr erschrocken darüber, was die Psyche einem alles so vorspielen kann... Symptome die nicht wirklich da sind und die eigene gefühlslage steuern kann. Herr meiner Sinne und meines Körpers war ich schon lange nicht meh.  Ich hoffe wirklich, dass man da dauerhaft gegensteuern kann.

Ich wünsche allen eine schöne Woche und danke WhiteRabbit für deinen Austausch an Erfahrungen.

Liebe Grüße 
Marie