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das zu Hause, ein Käfig - Druckversion

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RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 10.01.2019

Ich glaube, wenn die Panik dann auch schon zuhause einsetzt, dann ist das eine Art Wake Up Call. 
Es kommt halt natürlich auch immer darauf an, wie man die einzelnen Geschehnisse aufnimmt und interpretiert. Doch ich sehe es genau wie Du, schlussendlich kann die Panik dann überall kommen. Zuhause hat man halt die "Sicherheit" dass man einen gewissen Halt hat, ich kann das nicht mal in Worte fassen, dieses Gefühl. 

Mein Freund hat mir sehr geholfen, meine rationale Ansicht wieder zu erlangen. Oder zumindest teilweise  50
Ich machte mir schon immer viele Gedanken, konnte aber sehr gut abwägen was eintreffen könnte und was nicht. In diesen Angstphasen habe ich oft das Gefühl, dass ich die "Kontrolle" über meine Emotionen verliere und sehr schnell immer das Schlimmste annehme. 

Er hatte mir mal gesagt "Mal angenommen du würdest wahnsinnig werden, könntest du etwas daran verhindern, wenn du in deinem Zimmer eingesperrt bleibst?" 
Schlussendlich kann ich ihm da nur zustimmen, indem ich im Bett liege wird auch nichts besser, sondern eher schlechter. 

Das mit der Grippe ist jetzt zwar ein kleiner Rückschlag, doch ich kann an der Situation nichts ändern und werde es einfach, wie Du Taube schon sagtest, als eine Art Möglichkeit sehen, mich noch mehr zu erholen.


RE: das zu Hause, ein Käfig - Taube - 10.01.2019

Da hat dein Freund recht. 
Versuch mal die Grippe nicht als Rückschlag zu sehen, sonder nur als Chance Kräfte zu sammeln. Noch eine Auszeit zu nehmen um dann wieder langsam in kleinen Schritten vielleicht wieder los zu gehen. 
Wünsche dir schnelle Genesung  Smile


RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 16.01.2019

So mal ein kurzes Update, dass ich hier nicht nur Negatives berichte auch mal ein bisschen positive Nachrichten. Auch, falls jemand mal auf das Forum stösst, die Person dann weiss, dass es auch besser werden kann. 

Die Grippe hatte mich tatsächlich Umgehauen und ich lag auch mehrere Tage im Bett. Psychisch ging es mir dann ein bisschen schlechter, da mich die Symptome der Grippe nur noch mehr in die Angst getrieben haben. Ich muss anfügen, dass ich nicht vor der Grippe Angst hatte, sondern von dem Benommenheitsgefühl, das dadurch entstanden ist. 

Gestern war ich dann wieder unterwegs und hatte einen Termin. Ich glaube, hätte ich keinen Termin und somit Verpflichtungen gehabt, dann wäre ich sofort wieder nach Hause gerannt. Denn schon beim Verlassen der Wohnung spürte ich die Angst. Als ich dann auf die Bahn wartete war ich echt kurz davor umzukehren und wortwörtlich nach Hause zu rennen wie ein weinendes Kind.
Ich riss mich dann zusammen und konnte erfolgreich meinen Termin wahrnehmen. Die Fahrt dauerte ca. 1h und ich konnte mich gegen den Schluss sogar "entspannen". 
Auf dem Rückweg bin ich dann, wie es das "Schicksal" wollte, in einen falschen Bus eingestiegen, da ich nicht gesehen hatte, dass es eine Fahrplanänderung gab. Dies führte dann dazu, dass ich gezwungen war einen enormen Umweg zu fahren und meine Ausweichtaktik, einfach zu Laufen, konnte ich da nicht anwenden. 
So fand ich dann meine "innere Ruhe" und ich konnte gegen Schluss die Busfahrt sogar schon geniessen. 

Ich habe nun schon wieder Angst, wenn ich daran denke, aus dem Haus gehen zu müssen, doch ich hoffe, dass ich es irgendwie langsam bessern kann.


RE: das zu Hause, ein Käfig - Karin - 16.01.2019

Hallo lifeover,

das hast du sehr gut hin bekommen. Das klappt auch immer wieder.
Das mit der Grippe ist bei mir auch immer so.

Gruß
Karin


RE: das zu Hause, ein Käfig - Klara - 22.01.2019

Hallo ihr lieben!

Ich melde mich auch mal wieder... und habe auch etwas positives zu berichten!
Seit etwa 2 Wochen kann ich mich wieder viel freier draußen bewegen! Der Stadtlärm macht mir nichts mehr aus und die Menschen auch nicht. Es ist so ein herrliches Gefühl der Freiheit! Einkaufen war ich jetzt schon einpaar mal und es ging immer gut. Ich bin sogar ins Untergeschoss gefahren! Das habe ich lange gemieden! Bus fahren geht wirklich gut! An die Ubahn traue ich mich noch nicht ran aber ist mir auch egal. Ich freue mich einfach über dieses Erfolgserlebnis! Am Wochenende war ich sogar auf einem kleinen Konzert. War sehr aufgeregt davor und hatte einen kurzen Anflug von Panik. Aber ich wollte unbedingt hingehen. Und es hat geklappt!! Es war so ein tolles Gefühl wieder am Leben teilzunehmen. ich bin dann nach dem Konzert zwar gleich heimgegangen weil es dann doch viel war, aber es war vollkommen ok für mich. Ich glaube man muss einfach Geduld haben. Ich dachte das wird sich nie ändern, es hat schon so lange angedauert. Konnte mir gar nicht mehr vorstellen, ohne Panik aus dem Haus zu gehen. Aber mit der Zeit ändert es sich wenn man tatsächlich es immer wieder versucht. Auch hier ist die Lösung ganz einfach und gleichzeitig das schwierigste überhaupt. Sich von der Panik und Angst nicht beeindrucken zu lassen (so wie ich es mit der Depersonalisation auch gemacht habe). Monatelang hat es nicht geklappt obwohl ich wusste wie es geht. Und dann irgednwann kam der Zeitpunkt, da ging es auf einmal. Es war einfach nur eine Frage der Zeit und Geduld. Naja und vielleicht wirkt das Sertralin auch ein wenig. Weiß ich nicht. Ist ja auch egal. Smile
Lifelover, voll gut, dass du die Busfahrt auch noch genießen konntest! Mir ging es auch so. Ich habe mich in den Sitz gekuschelt und raus gesehen und es war so gemütlich! hahaha wahnsinn wie man sich so über eine Busfahrt freuen kann!

Liebste Grüße
Klara


RE: das zu Hause, ein Käfig - Klara - 22.01.2019

Ach ja... du hattest noch was zur Klinik gefragt. Ich war jetzt bei meinem Arzt und habe mich bisschen informiert. Normalerweise meldest du dich über so ein Formular bei deiner Wunschklinik an und bei manchen Kliniken kannst du auch ein Einzelzimmer gegen Aufpreis wählen, wenn du auf keinen Fall mit jemand anderem das Zimmer teilen willst. Es gibt aber auch Kliniken, die nur Einzelzimmer haben. Da muss man sich halt vorher informieren. Ich bin auch so ein Kandidat, der auf keinen Fall einen Zimmergenossen möchte... Aber deine Angst vor schweren psychischen Erkrankungen bei deinem Zimmernachbarn ist unbegründet... Schizophrenie ist definitiv eine andere Baustelle. In diesen psychosomatischen Kliniken werden hauptsächlich Depressionen, Angststörungen und Burn Out behandelt. Aber ich kann dich gut verstehen... möchte auch selbst entscheiden, wann ich kontakt habe zu den anderen "psychos". Man ist ja so schon genug mit den anderen Patienten zusammen, da ist ein wenig Ruhe und Privatsphäre schon auch wichtig. Ich habe mich bisher noch nicht angemeldet da ich erstmal sehen möchte wie es mir so geht die nächste Zeit. Ich bemerke eine Besserung und möchte das einfach mal beobachten. Und dann kann ich immer noch entscheiden ob ein Klinikaufenthalt Sinn macht.

LG
Klara


RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 22.01.2019

Oh wow, das ist echt toll und ich freue mich so richtig für Dich!!
Es kann nicht alles auf einmal funktionieren und die Panik wird sich immer einen Weg finden, aber Deine Fortschritte sind sehr gross und auch sehr erfreulich!

Ich verstehe es, dass Du nach dem Konzert sofort wieder nach Hause gegangen bis. Schlussendlich raubt die Angst vor der Angst doch viel Energie und Du kannst dennoch sehr stolz sein. 

Erst bei der Angsterkrankung merkt man, dass die Lösung zu kennen zwar mal ein Schritt ist, aber ihn dann auch auszuführen, das ist das, was so viel Arbeit und Energie kostet. Ich glaube, dass ist auch der Punkt, der viele zum Verzweifeln bringt. Denn die Lösung nicht zu kennen wäre ja schon schlimm, aber eigentlich zu wissen, wie man sich helfen kann, aber es aus verschiedenen Gründen nicht ausführen zu können, das macht dann viel Probleme, oder so ist das bei mir zumindest. 
Doch ich werde jetzt immer an Dich denken und wissen, dass es von Tag zu Tag besser werden kann, dass irgendwann mal der springende Punkt kommt. 

Aha, das wusste ich nicht, ich dachte, dass man in eine psychiatrische Klinik verlegt wird. Danke für Deine Information. 
Ja, am Besten schaust du mal, wie es Dir jetzt mit den Fortschritten so geht, denn es ist sicherlich angenehmer, wenn man es ohne Aufenthalt meistern kann. Finde es aber auch gut, dass Du Dich dennoch informiert hast, man sollte diese Möglichkeit ja nicht ausschliessen.


RE: das zu Hause, ein Käfig - Klara - 28.01.2019

Hi lifelover,

dachte ich melde mich nochmal. Um zu sagen, dass ich immer noch gut klar komme mit dem Busfahren und dem Einkaufen! Smile Ich war letztens auch bei Freunden zum Pizza essen, auch das war nicht so ein leichtes und freies Gefühl wie sonst als ich los bin, aber dann konnte ich sehr gut abschalten und habe mich gut unterhalten und hatte auch Spaß! Es ist schön wieder ein Teil des sozialen Umfelds zu sein! Panik habe ich jetzt nur noch wenn ich zu lange am Computer bin und arbeite. Da verfalle ich oft in so eine Art "ich muss das schnell fertig machen und es muss gut sein" Gefühl und mache mir selbst Druck. Bin auch (leider) ein Perfektionist und bei mir muss alles opti mopti sein. Dann kommt der Druck im Kopf und die Panik brodelt hoch. Da will ich noch schauen, dass ich lerne, mich selbst ein wenig zu entschleunigen.

Du sagst das genau richtig! Man kennt die Lösung, aber man kann sie nicht anwenden! Wie bitter! Ich kenne das so gut und es ist wirklich zum absoluten Verzweifeln. Irgendwie glaube ich manchmal die Zeit wird schon den richtigen Moment herbei führen, wann wir endlich auch die Lösung anwenden können. Natürlich nur rumsitzen und nichts tun hilft auch nicht, ich denke man muss sich schon immer wieder seinen persönlichen Herausforderungen stellen. Aber es hängt viel mit der Zeit zusammen.

Wie geht es dir mittlerweile? Irgendwelche Fortschritte? Oder Rückschritte?

LG
Klara


RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 29.01.2019

Liebe Klara

Das freut mich! Ist sicher toll, dass Du diesen Tag mit Deinen Freunden so geniessen konntest. 

Ich habe erfreuliche aber auch weniger tolle Ereignisse zu berichten. 
Auch ich hatte einen sehr schönen Tag, ohne Panik und andere Zustände, das war echt herrlich!
Dann kam irgendwie der Umbruch und es ging mir plötzlich sehr schlecht, was für ein Rückschlag. Doch, was kann man machen, gehört wohl dazu.
Ich fragte mich die ganze Zeit, wieso ging es mir nur an einem Tag gut und danach wieder schlecht. Jetzt probiere ich es so zu betrachten, dass zumindest dieser eine Tag perfekt war und das es also noch möglich ist, dass es möglich ist noch gute Tage zu erleben und die Situation noch nicht verloren ist. 

Wie Du es schreibst, man muss sich den persönlichen Herausforderungen stellen. Gestern hatte mich mein Freund zum ersten Mal ein bisschen angeschrien, dass ich mich endlich wieder ins normale Leben begeben soll. War im ersten Moment ein bisschen schockiert und traurig, doch ich habe gemerkt, dass ich genau dieses Ereignis gebraucht habe um zu realisieren, dass ich mich ein bisschen hatte hängen lassen und insgeheim auf eine Wunderheilung hoffte.


RE: das zu Hause, ein Käfig - Klara - 31.01.2019

Hi lifelover,

ich freue mich sehr für dich, dass du diesen schönen Tag hattest! ICh kenne das aber auch, dass es dann am nächsten tag auf einmal wieder schlimm ist und man versteht gar nichts mehr. Ich denke es ist auch hier ein Prozess. Vor allem wenn wir uns wieder richtig gut fühlen, dann können wir es oft gar nicht glauben und es verunsichert uns vielleicht auch weshalb wir dann doch wieder in den anderen zustand zurück fallen. Der, den wir eher glauben. Dass wir nun mal Angst und Panik haben und dieser Zustand ja nicht einfach so durch wunderheilung verschwinden kann. Aber diese guten Tage werden immer wieder kommen wenn man sie lässt. Ich glaube auch wir dürfen uns nicht so sehr in unserem Denken und Fühlen einschränken denn es ist alles möglich. Schließlich dürfen und wollen wir das Leben ja auch genießen. Es ist nur so schwer, geduld zu haben, vor allem weil uns keiner sagen kann, wie lange muss ich mich noch quälen oder hört das jemals auf!? Da ist ein gewisses Urvertrauen wichtig.
Auch ich kenne es, wenn mir jemand etwas sagt, das mich erstmal schockiert. Meine Mama sagte mal zu mir "du kannst nicht ewig in deiner Blase sitzen!" Das hat mich auch erstmal fast erschlagen. Ich war traurig, wütend und deprimiert und verzweifelt und vor allem hatte ich noch mehr Angst, denn ich habe gemerkt, dass ich mich am liebsten in dieser Blase festtackern würde und nie wieder raus! Und ich wusste, meine Mama hat recht, aber ich wollte das trotzdem nicht hören! Erst einige Tage später war ich froh, dass sie mir das deutlich gesagt hat! Es rüttelt einen irgenwie wach.
Auch mein bester Freund sagte mir mal: es ist egal, was du machst, die Angst sucht sich immer wieder was neues, wo sie sich drauf setzen kann. Das ist schon länger her und damals habe ich diese Taktik der Angst noch nicht durchschaut bzw. wollte sie nicht wahrhaben. Denn man verliert schon sehr das gefühl der Kontrolle wenn man weiß, die angst findet immer einen weg. Auch das hat mir erst angst gemacht und im nachhinein wusste ich, dass auch das wahr ist und ich mir ebenfalls eine taktik überlegen muss, um der angst auf gleicher augenhöhe zu begegnen.
Es ist wirklich gut, menschen zu haben, die einem manchmal die augen öffnen.


RE: das zu Hause, ein Käfig - LambertLicznersk - 14.02.2019

falls hilfreiche Tipps kommen.


RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 15.02.2019

Ich melde mich auch mal wieder. Natürlich geht es mir noch nicht blendend, ich habe noch einen weiten Weg vor mir. Doch ich kann nun sagen, dass es mir um Einiges besser geht!


Zurzeit fahre ich ohne Panik mit den Öv, klar, es gibt auch schlechtere Tagen, an denen ich spüre, dass ich angespannt bin, doch ich musste nie aussteigen oder einen Termin absagen aufgrund einer Panikattacke oder nur schon aufgrund von Angst vor einer Attacke. 

Wie geht es Dir, liebe Klara?


RE: das zu Hause, ein Käfig - Klara - 02.03.2019

Hi lifelover,

jetzt war ich schon lange nicht mehr online, habe zwar ab und zu mal reingeschaut, aber nichts geschrieben. Jetzt habe ich deine Nachricht gesehen und freue mich darüber. Schön, dass es dir besser geht, ich hoffe es ist immer noch so? Hast du wieder Fortschritte gemacht/kleine Erfolgserlebnisse?
Mir geht es gut. Ich hatte vor etwa zwei Wochen wieder einen kleinen Rückfall, einkaufen ging wieder schwer und Bahn fahren und Freunde treffen. Ich habe es etwa 3 Tage ausgesessen und dann war zumindest das schlimmste wieder vorbei. Danach ging das Fahren mit Bahn usw wieder gut und einkaufen auch. Nur mit Freunden was unternehmen fällt mir immer noch nicht gant so leicht. Da kann ich mich einfach nicht entspannen, ich bin ständig ängstlich und möchte eigentlich wieder nach hause und habe überhaupt keine lust auf gar nichts. Und es ist nicht so dass ich dann gelangweilt bin oder so, das wäre ja ok. Nein ich quäle mich richtig. Also es macht mir einfach panik da in diesem Cafe zu sitzen oder einen Spaziergang zu machen (außer ich bin allein, dann ist es was anderes... aber auch nicht immer) naja, aber damit kann ich leben. Es ist schwierig manchmal und es nervt so sehr und ich will einfach nur mein Leben wieder zurück, aber es ist ok. Und jetzt geht es mir wieder so gut, dass ich sogar lust habe, etwas zu unternehmen. Es ist schön, auch das wieder zu fühlen und ich denke, es geht aufwärts (klopf klopf klopf auf holz) Wink)

Liebe Grüße
Klara