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das zu Hause, ein Käfig - Druckversion

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das zu Hause, ein Käfig - Klara - 05.01.2019

Hallo liebe Leute,

ich würde gerne kurz meine Situation schildern und hoffe, es gibt einige, die das Problem kennen und man sich evtl. darüber austauschen kann.

Ich wohne in einer Großstadt und bin derzeit bei meinen Eltern auf dem Land. Bevor ich herkam, das war vor Weihnachten, habe ich meine Wohnung kaum verlassen. Ich konnte weder normal einkaufen gehen, Termine wahrnehmen oder Freunde treffen. Ich konnte nicht mal arbeiten obwohl ich als selbstständige von zu hause arbeiten kann. Aber sobald ich mich an den Computer gesetzt habe, bekam ich einen starken Druck im Kopf und in den Ohren, konnte mich auf gar nichts konzentrieren und musste nach 10 Minuten das Arbeiten aufhören, da ich es nicht mehr ausgehalten habe. Einkaufen war Hölle, an der Kasse bekam ich regelrecht Panikwallungen, habe mir starken Schwindel eingebildet und konnte es nicht aushalten in dieser Schlange zu stehen. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Das traurige ist, ich schaffe es dennoch immer einzukaufen und bin noch nie schreiend aus dem Laden gerannt oder ohnmächtig geworden, aber dieses Wissen macht es mir kein bisschen leichter. Es geht mir immer mehr darum, WIE ich etwas mache und nicht OB ich es überhaupt mache. Und das WIE ist immer das schlimme. Immer diese Erwartungshaltung, jetzt könnte die Panik kommen, immer diese Angespanntheit und immer diese Qual.

Und das geht dann weiter bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch da komme ich irgendwann immer am Ziel an aber das gibt mir keine Kraft. Ich quäle mich die ganze S-Bahn Fahrt und wofür? Dass ich sagen kann, ja, ich bin endlich angekommen und habs geschafft!?! Ich will doch einfach nur mal wieder mit einem ganz normalen Gefühl im Zug sitzen und ein Buch lesen und mich NORMAL von A nach B transportieren.

Das Problem ist, dass wenn ich mich immer wieder diesen Situationen aussetze, sie nicht weniger schlimm werden. Man sagt doch immer, man muss sich der Angst stellen und rausgehen und das machen wovor man Angst hat usw. Aber das hilft bei mir irgendwie nicht. Seit Monaten quäle ich mich schon mit dem Einkaufen und mit den Öffis. Man geht es besser, mal wieder schlechter. Aber nie geht es ganz normal so wie früher. Jetzt ist es wieder extrem. Morgen fahre ich in die Stadt zurück und habe heute schon den ganzen Tag Panik, 1. vor der Zugfahrt und dann S-Bahn und 2. vor dem Einkaufen (da Kühlschrank leer) und 3. vor meinem Therapie-Termin am Montag, denn da muss ich auch wieder mit den öffentlichen fahren. (meine Therapeutin weiß von meinem Problem, seit Monaten, aber sie kann mir da nicht helfen)

Hat jemand Erfahrung mit dieser ewigen Angst vor immer den gleichen Situationen und dass es einfach nicht besser wird?? Was kann man denn tun? Natürlich könnte ich mit dem Taxi fahren, aber da bin ich bald arm und ich könnte auch meinen Mitbewohner fragen dass er für mich einkauft aber das ist ja auch keine Dauerlösung. Kratz 

LG
Klara


RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 05.01.2019

Liebe Klara 

Genau diese Gedanken plagen mich auch "Wann kann ich endlich wieder wie ein normaler Mensch in die ÖV sitzen???" Es ist zum Verzweifeln. 
Ich kenne das Gefühl gar nicht mehr, wie es ist, Einzusteigen, abzusitzen und eifach zu fahren. Nein, bei mir läuft es so ab..
Bereits zuhause kommen die Gedanken "Oh nein, kann ich nicht laufen? Nein, 10 km sind zu weit, ok.. Bald muss ich ins ÖV" danach zwinge ich mich irgendwie zum Bahnhof, würde natürlich am liebsten absagen, doch manche Termine kann man nicht absagen.. Gut, bereits vor dem Einsteigen setzen die Gedanken ein, ob ich nicht doch umkehren sollte, mache ich dann aber nicht, da ich ja weiss, dass ich den Termin wahrnehmen muss. Im Zug sitze ich dann ab, schaue aus dem Fenster und schon fängt der Teufelskreis an, was wenn ich ohnmächtig werde?
Einmal stand der Zug im Tunnel aufgrund eines Unfalls und wir waren so etwas 1h "gefangen".

Ich kenne es zu gut, schon klar kann man sich sagen "Ich habe es geschafft", doch ist das befriedigend? Mann man ganz normale Tasks ausführen möchte und dabei seine ganze Kleidung verschwitzt?
Ja, zu Beginn der Erkrankung war das noch ok, es motivierte, sich zu sagen "Ich habe es geschafft, bin nicht ohmächtig geworden UND habe sogar meinen Termin wahrnehmen können" 
Doch mit der Zeit ist das einfach nur noch anstrengend und raubt die letzte Kraft, man fühlt sich vom eigenen Körper und der eignen Psyche völlig im Stich gelassen und möchte einfach wieder normal funktionieren. 

Ich fand nur Lösungen, um irgendwie durch die Situationen zu kommen, doch um endlich wieder normal Zug fahren zu können oder ähnliches habe ich noch kein Wundermittel gefunden und schliesse mich Dir deshalb an und bin froh, falls hilfreiche Tipps kommen.


RE: das zu Hause, ein Käfig - Klara - 05.01.2019

Hi lifelover,

auch ich schaue immer, wie lang die strecke ist und ob ich laufen kann... und da bei mir Bus fahren noch einigermaßen geht, fahre ich überall nur noch bus wenn es sein muss, d.h. ich bin immer ewig unterwegs. Da ist dann immer die Frage, lieber U-Bahn, mit mehr Panik aber dafür schneller am Ziel oder lieber Bus, dann 100 Jahre unterwegs aber leichter auszuhalten? Dieser Mist immer...
Dann hoffen wir mal, dass noch jemand eine positive Erfahrung zu berichten hat!


RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 05.01.2019

Bei mir ist es auch so!!! Ich fahre auch lieber 3h Bus anstatt die Bahn zu nehmen!  107
Wirklich erstaunlich, wie viele Menschen ähnliche Ängste durchmachen, obwohl man denkt, man hat völlig komische Gedanken, die sicherlich niemand nachvollziehen kann. Bin echt froh, dass ich auf dieses Forum gestossen bin, seitdem fühle ich mich wenigstens nicht mehr so alleine und unverstanden. 
Hoffentlich kann uns jemand bei diesem Problem nicht nur Verständnis geben sondern auch hilfreiche Tipps!


RE: das zu Hause, ein Käfig - Klara - 06.01.2019

Ich finde es auch erstaunlich, wie sich manche Erfahrungen doch ähneln... wahnsinn! Also wenn hier keiner mehr was positives zu berichten hat, dann werden wir uns selbst einen Weg da raus finden müssen!
Bei mir gehts jetzt los. Ich setze mich in den Zug. Im Schneechaos. Kann stecken bleiben. Da freut sich die Panik. Na dann, quäle ich mich halt mal wieder ein bisschen. Hatte ja auch schöne Ferien in meiner wohligen Blase, jetzt muss ich auch mal wieder raus.


RE: das zu Hause, ein Käfig - Karin - 06.01.2019

Gute Fahrt, da bleibt nichts stecken! Du schaffst das ganz bestimmt und das gut.


RE: das zu Hause, ein Käfig - Julia - 06.01.2019

Hallo ihr alle. Ich kenne es auch , dass sich meine Gedanken ständig um Dinge drehen , die eventuell gar nicht zu erwarten sind und bei mir wird meine Haltung und Einstellung auch nicht besser , auch wenn ich etwas geschafft habr. Ich habe k.a. wie das alles mal Enden soll und ich habe auch grosse angst , dass es nie mehr weggeht. Seid froh dass ihr die öffis nutzen könnt , ich kann es nicht und auto fahren is auch die Hölle und Autobahn geht schon 3x nicht mehr. Liebe grüße


RE: das zu Hause, ein Käfig - Taube - 06.01.2019

Dann berichte ich mal was positives  Wink Mir ging es auch mal ähnlich wie euch. Bus , Bahn und selber Auto fahren ging nicht. Im Auto mit fahren ging grad so. Ich war immer auf andere angewiesen um irgendwo hin zu kommen. Irgendwann war der Punkt bei mir , das ich das nicht mehr wollte. Also hab ich mich wieder ins Auto gesetzt. Erst bin ich nur einmal um den Block bei uns gefahren. Als das klappte fühlte ich mich als hätte ich sonst was geschafft. Dann hab die es erhöht und bin wieder ein Stück weiter gefahren , das klappte dann nicht mehr so gut. Aber ich hab es immer und immer wieder versucht. Erst mal nur zum Einkaufen ins nächste Dorf. Erst nur im Beisein von meinem Mann neben mir. Und so hab ich mich gesteigert. Schön war es am Anfang nicht, aber ich war jedesmal stolz das geschafft zu haben. Auch wenn es nicht immer gut klappte. Und mir war es lieber als wie mit dem Bus zu fahren. Bahn ist hier eh erst in der nächsten Stadt möglich. Es hat lange gedauert bis ich ganz entspannt ins Auto gestiegen bin. Immer fuhr die Angst mit und ich dachte auch, wie lange muss ich mich dem stellen bis es auf hört. Irgendwann kam es einfach.
Heute fahr ich wieder ohne Probleme. Autobahn muss ich auch nicht haben, aber das finde ich nicht ganz so schlimm.


RE: das zu Hause, ein Käfig - Klara - 06.01.2019

Hallo alle,

danke Karin für deine Mutzusprache. Ich musste über die Aussage "da bleibt nichts stecken." ein bisschen lachen. Ich möchte berichten, wie die Zugfahrt und die S-Bahn-Fahrt heute waren. Im Zug ist es immer so, wenn ich aus der Stadt raus aufs Land fahre, das geht meistens gut, andersrum ist schwieriger. Wenn dann immer mehr Menschen zusteigen, es enger wird, man den freien Platz neben sich hergeben muss usw... Heute war der Zug erst ziemlich leer das beruhigt mich im ersten Moment immer. Dann ab der Hälfte der Strecke (die Fahrt dauert etwa 1,5 Stunden) kommen immer mehr Menschen. Dann merke ich wie ich angespannter werde, die Erwartungshaltung größer wird, dass jetzt die Panik kommen könnte. Ich habe angefangen ein Buch zu lesen, dann Musik gehört, dann versucht zu schlafen. Einschlafen konnte ich natürlich nicht, das funktioniert im Zug schon lange nicht mehr. Aber durch die Musik habe ich es geschafft mich sozusagen in eine Blase zu begeben, die mich stabil gehalten hat. Habe so softe Klaviermusik gehört. Bis ich da war. Dann kam S-Bahn. Das ist immer etwas heikler. Erst runter mit der Rolltreppe, viele Menschen, die Beine ein bisschen zittrig, ich hatte großen Hunger und habe mich dann auch noch sehr schwach gefühlt. Dann habe ich versucht mich zu erinnern wie es früher war, als ich problemlos S-Bahn gefahren bin, habe Bilder in mir aufsteigen lassen, wie gefahren bin, zusammen mit Freunden, ausgelassen, manchmal beschwipst nach einer Party, manchmal nüchtern auf dem Weg zur Arbeit. Gefühlt ein anderes Leben, aber dennoch mein Leben. Dennoch war das immer ich. Das hat mich ganz gut abgelenkt. Dann habe ich versucht meine aufsteigende Panik auf einer Skala von 1-10 einzuordnen und habe mich für die 5 entschieden. Das war gut, denn ich habe mir so klar gemacht, dass es ja auch eine 7 oder 9 oder gar 10 sein könnte, ist es aber nicht. Außerdem habe ich mich so von außen betrachtet. Habe sozusagen eine Beobachterposition eingenommen. Dann hab ich versucht die Panik zu lokalisieren, ist sie im Bauch oder im Kopf? Sie war beides, im Bauch und im Kopf. Ok. Festgestellt. nur noch 2 Stationen. JEtzt war ich auf der Skala schon bei 4 angelangt und es war sehr gut auszuhalten. Ich konnte mich sogar noch kurz hinsetzen und etwas entspannt bleiben bis ich da war. Angekommen habe ich versucht meine Umgebung neu zu betrachten. Als ich vor fast 3 Wochen diesen Ort verlassen habe, ging es mir schlecht. Daran wollte ich mich nicht mehr erinnern und habe versucht diese mir vertraute Gegend mit neuen Gefühle zu befüllen und sozusagen neu anzukommen. Ah, da sind die schönen Altbauhäuser, toll wie die aussehen, ah, da ist der Brunnen, schön, wie der Schnee drauf liegt. Schön die Gegend, in der ich wohne. Aha! So als würde ich zum ersten mal da ankommen. Das war eine gute Erfahrung und ich versuche nun weiterhin die alten Gefühle, die "Stadtpanik" sozusagen, durch neue Gefühle zu ersetzen. Das geht aber auch nur, weil ich in den letzten 3 wochen viel kraft tanken konnte. Ich habe sozusagen eine Art reset-Knopf gedrückt. Anders hätte ich es vielleicht so nicht geschafft. Es ist wirklich sehr wertvoll, mal aus seinem gewohnten Umfeld zu verschwinden, um mal aus der Spirale raus zu kommen, um dann quasi einen Neubeginn zu starten. Ich hatte dann auch ein gutes Gespräch mit meinem Mitbewohner, habe ihm das alles erzählt und es war gut sich mit jemandem darüber auszutauschen.

Danke Taube für deinen positiven Bericht! Super, dass du mittlerweile so gut zurecht kommst. Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du wieder ohne Probleme ins Auto steigen konntest?
Ich quäle mich schon seit dem frühen Sommer, mal ist es schlimmer mal geht es besser so wie jetzt. Ich hoffe sehr, ich werde auch bald wieder in die S-Bahn steigen ohne Angst und die größte Aufgabe wird die U-Bahn sein. Aber eins nach dem anderen...


RE: das zu Hause, ein Käfig - Karin - 06.01.2019

Hallo Klara,

das hast du sehr gut gemacht. Eine gute Idee, die Ankunft in der Stadt als Neuanfang zu sehen. Sicher klappt das mit der Zeit alles wieder, nur erzwingen sollte man das alles nicht, sondern schön langsam angehen. Du hast sicher einen verständnisvollen Mitbewohner. das ist schon mal sehr gut.

Gruß
Karin


RE: das zu Hause, ein Käfig - Taube - 07.01.2019

Das hast du wirklich super gemacht. Da kannst du stolz auf dich sein. 
Sehr gut das du es als Neustart siehst und dir die Auszeit gut getan hat. 
Es hat bei mir erst mal total lange gedauert bis ich überhaupt wieder selber ins Auto zum fahren gestiegen bin. Und dann hat es schon Monate gedauert bis es total gut wieder lief. Die Geduld stand mir auch oft im Weg. Aber irgendwann ging es.


RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 07.01.2019

Hallo Klara, das freut mich, dass es dann so gut geklappt hat!
ich wünsche Dir ganz viel Kraft und dass es ab jetzt immer ein Stückchen besser wird.

Ja, das mit der Geduld ist echt so eine Sache, auch wenn ich mal einen kleineren Rückschlag habe, was ja eigentlich normal ist, bin ich leider doch sehr schnell verzweifelt und habe Angst für immer in diesem Zustand zu bleiben.

Ich hoffe sehr, dass wir bald normal von Punkt A nach Punkt B kommen und zumindest nicht immer den Fussweg in Erwägung ziehen müssen!


RE: das zu Hause, ein Käfig - Klara - 07.01.2019

Hallo ihr lieben,

danke für eure Antworten! War heute auch schon bei der Therapie und war 2 Stunden im Bus unterwegs. Das hat geklappt allerdings ist jetzt wieder der druck im Kopf da, den ich vor meiner 3-wöchigen Auszeit so stark hatte. Das nervt mich extrem und macht mich wieder so schwach und offen für die Panik. Manchmal ist es so schlimm, dann tut mein ganzes Gesicht weh, die Ohren, die Augen, selbst die Kopfhaut... kennt das jemand?? Puh.. naja aber da ich das jetzt schon kenne, versuche ich mich davon nicht mehr so arg beeindrucken zu lassen. hoffe es klappt.
Ja die Geduld... da ist sie wieder gefragt.


RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 08.01.2019

Liebe Klara

das kenne ich leider auch!! Hatte das nie, doch in der jetzigen Angstepisode hat sich mein Körper neue Maschen ausgesucht und da gehören diese komischen Empfindungen dazu! 
Oft habe ich das Gefühl, als stände mein Kopf wortwörtlich unter Strom. Meine Kopfhaut zieht und brennt so richtig und in meinem Hinterkopf bahn sich so ein Druck an. Kommt wahrscheinlich davon, dass wir uns so sehr wegen der Angst verspannen, dass es von den Muskeln kommt. So zumindest könnte ich es mir erklären und solange ich mich in dieser Hinsicht einigermassen beruhigen kann, versuche ich die Symptome nicht so ernst zu nehmen. 
Ich fühle mich hingegen so Depersonalisiert, dass mir sogar meine eigenen Haare auf dem Kopf einfach nur "fremd" vorkommen, das "gute" ist, dass ich dadurch den Kopfschmerz nicht so ernst nehme, nicht so dazugehörig sage ich mal, das Schlechte ist, dass ich mich selbst immer frage ob ich denn noch richtig ticke.  Schwitz 010


RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 08.01.2019

So, leider habe ich ein regelrechtes Horrorerlebnis hinter mir. 
Da ich zurzeit Semesterferien habe, muss ich praktisch nie aus dem Haus, dies empfand ich in meiner akuten Angstphase als Erleichterung und redete mir sogar auch ein, dass alles besser werden würde. 
Natürlich fing ich an mich zu distanzieren und je länger ich zuhause war, desto grösser war dann auch die Angst, das Haus wieder zu verlassen. 


Nach Deinem motivierendem Ereignis und der Ãœberwindung der Angst nahm ich mich nun zusammen und machte mit Freunden ab, dies bringt natürlich eine Verpflichtung mit sich, da man nicht einfach so absagen möchte. Zudem halte ich meine Angsterkrankung vor ihnen geheim, da ich nicht möchte, dass das jemand ausser meiner Familie weiss - ob das so gut ist weiss ich nicht, doch ich fühle mich so wohler. 
So kam es, dass ich mich sehr freute, jedoch stieg die Angst immer mehr, als sich die Zeit näherte, sich auf den Weg zu machen. Als ich dann auf die Bahn wartete überkam mich eine regelrechte Panik und so entschied ich mich den Bus zu nehmen. 
Dennoch überkam mich im Bus solch eine Panik, dass ich dachte, ich würde mich in Luft auflösen. Es war wirklich schlimm, die Welt kam mir so massiv vor und anstatt des Tunnelblicks hatte ich den Blick, als würde ich ganz Aussen von meinem Kopf sein und alles wahrnehmen, richtiger "Fluchtinstinkt".
Naja, wenigstens kam ich unter Menschen und ich werde dennoch nicht aufgeben. Irgendwann wird es, hoffentlich, wieder bessere Tage geben.


RE: das zu Hause, ein Käfig - Klara - 10.01.2019

Hi life,

oh man, es ist immer so frustrierend von Rückschritten zu lesen aber die gehören natürich auch dazu... die letzten 2 Tage waren bei mir auch nicht so der Hit. Zug fahren klappte zwar gut aber dafür ist der Druck im Kopf und die daraus entstehende Panik wieder so schlimm. Morgen habe ich einen Psychodoc-Termin und werde mit ihm mal besprechen ob für mich ein Klinikaufenthalt Sinn machen würde. Seit Monaten kann ich meinen Alltag nur schwer auf die Reihe kriegen. Ich habe gemerkt, dass mir eine Auszeit davon echt gut tut, nur sind 3 Wochen leider zu wenig gewesen...

Hast du dich denn dann trotzdem mit deinen Freunden getroffen? Oder bist du nach hause gefahren? Ich kenne das so gut!!! Erst denkt man, ok... Bahn geht nicht, also Bus. Wird schon klappen. Und dann ist aber die Angst schon hervorgeschlüpft und man kann machen was man will, die Panik kommt dann.
Vielleicht hast du dir auch zu viel auf einmal vorgenommen? Es wäre sicher leichter gewesen erstmal für sich selbst eine Busfahrt auszuprobieren bevor man was mit Freunden ausmacht. Kenn ich auch, dann will man nicht absagen und der Druck ist größer.

Ich könnte es mir gar nicht vorstellen, wenn meine Freunde nicht von meinem Problem wüssten... früher habe ich es auch nicht erzählt aber irgendwann im laufe der zeit und je älter man wird (bin 32 aber ich weiß, es war mit 22 anders, und wenn du studierst bist du sicher so in dem Alter? ) und je besser man weiß, welche freunde wirklich wahre freunde sind, ist es sehr wertvoll und wichtig, diesen die Wahrheit zu sagen. Dann bist du auch mit dir selbst mehr im reinen und akzeptierst die Angst als ein Teil von dir. Ich habe auch nie erlebt, dass sich einer meiner Freunde deswegen von mir abgewandt hat oder sich anders verhalten hat oder mich schief angeguckt hat. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Es verbindet noch mehr, wenn man sich so private Dinge anvertraut. aber wie gesagt, ich kenne es auch anders, so wie bei dir. Nur irgendwann wirst du sicher auch merken, dass es keinen Sinn macht, es zu verheimlichen Wink

Warst du denn in der Zwischenzeit nochmal unterwegs?


RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 10.01.2019

Hallo Klara 

Wie läuft eigentlich so ein Klinikaufenthalt eigentlich ab? Ist man dann mit Gleichgesinnten im Zimmer oder wird das willkürlich zusammengewürfelt? 
Ich hätte halt die grosse Angst, dass ich dann mit jemandem im Zimmer wäre, der vielleicht an einem Schizophrenieschub leidet. Da diese Erkrankung zu meinen meist gefürchteten gehört weiss ich, dass mich das noch mehr aus dem Konzept bringen würde und mir dieser Aufenthalt eher zu einem Horrortrip verhelfen würde, da ich noch mehr Angst hätte und sich dadurch alle Symptome nur noch mehr steigern würden. 
Einmal sagte ein Psychiater zu mir, dass ich mich von der Klinik nicht erholen würde und lieber die Probleme, so lange es geht, zuhause angehen soll, deshalb habe ich diese Szenarien entwickelt. Man würde in der Klinik auch sehr schlecht behandelt werden sagte er mir.  051

Ich habe mich dann dennoch mit meine Freunden getroffen und es tat mir auch gut, dennoch war ich die ganze Zeit angespannt und konnte es nicht zu 100% geniessen, denn die Angst und Panik ist erst immer komplett weg, wenn ich in meinem sicheren Umfeld bin. 

Da stimme ich Dir vollkommen zu, man merkt so wirklich, wer die wahren Freunde sind. Da ich ja chronisch krank bin und viel durchmachen musste, habe ich die Erkenntnis eigentlich bereits gemacht und weiss auch, dass ich meinen Freunden dieses Leiden anvertrauen könnte. 
Doch ich glaube ich habe eher Angst, dass sobald ich das mal ausgesprochen habe, ich dann immer mit dieser last verbunden werde und sie nie wieder loswerden kann. Und wenn ich die Last dann von den anderen immer aufgebunden bekomme, werde ich ja immer an dieses Ereignis erinnert und kann so nie zu 100% davon loskommen. Vielleicht sind das komische Gedanken, die man aus meiner chaotischen Erklärung auch nicht unbedingt nachvollziehen kann.  Kratz


Nein, ich war nicht mehr unterwegs und fürchte mich regelrecht, aus dem Haus zu gehen. Aber ich weiss auch, dass je länger ich es vermeiden werde, desto schlimmer wird es dann sein, denn irgendwann muss ich ja wieder in die Öffentlichkeit.


RE: das zu Hause, ein Käfig - Taube - 10.01.2019

Leider kann ich dir da nur recht geben. Je länger du es vermeidest raus zu gehen desto schwerer wird der erst Schritt wieder. Aber manchmal braucht man einfach ein Tage "Auszeit" . So lange du dich zu Hause wohl fühlst  Wink
Aber ich sehe es bei dir nicht als Rückschritt oder gescheitert, auch wenn die Fahrt mit dem Bus der Horror war, du bist da angekommen wo du hin wolltest. Du hast dich mit deinen Freunden getroffen. Und auch wenn du es nicht zu 100% genießen konntest. Du bist los gegangen und es hat dir auch , so wie du schreibst , gut getan. Nur das zählt. Man darf vielleicht nicht zuviel erwarten. Das es gleich wieder total super läuft, ich glaub das ist bei keinem. Jedenfalls nicht am Anfang wenn man "los läuft". Aber das wird dann von mal zu mal besser.


RE: das zu Hause, ein Käfig - lifelover - 10.01.2019

Hallo Taube 

Leider werde ich mir die Auszeit nehmen müssen, auch wenn es ein bisschen unfreiwillig ist. Liege mit einer Grippe im Bett, hatte gehofft, dass ich einfach angeschlagen bin und mir das ein bisschen "einrede" um nicht aus dem Haus zu müssen, doch nun habe ich Fieber und alles drum und dran, meine ganze Familie hat die Geschichte bereits durch also bin nun ich auch an der Reihe, so ein Mist. 

Ja, leider ist der Weg zur Besserung immer von Rückschlägen begleitet, doch ich werde nicht aufgeben. Muss einfach schauen, dass ich jetzt, da ich im Bett liege auf andere Gedanken komme. Sonst trainiere ich mein Hirn ja sozusagen darauf, in die DP/DR zu versinken und danach auch in die Angst. 
Ich werde probieren trotz all dem noch mit dem Hund laufen zu gehen, um wenigstens für ein paar Minuten aus dem haus zu kommen. Ansonsten isoliere ich mich und dann wird es von tag zu Tag schwerer.

Am schlimmsten finde ich die Phasen, in denen ich mich nicht mal mehr in meinem eigenen Haus wohl fühle. Also nicht, dass es mir schlecht gehen würde. Aber es gibt Tage, an denen hilft mir nicht mal die gewohnte Umgebung und das führt dann zu noch grösserer Verzweiflung.


RE: das zu Hause, ein Käfig - Taube - 10.01.2019

Oh das tut mir leid. Dann "musst" du wirklich die Auszeit nehmen. Vielleicht soll es dann so sein um wieder neue Kraft zu sammeln. 
An dem Punkt war ich irgendwann auch, als mich die Panik auch zu Hause besuchte. Kann mich erinnern das ich mal beim Wäsche aufhängen eine Attacke bekam und dann so wütend war. Und innerlich so geschimpft hab mit der Angst quasi, und so schnell wie sie kam ging sie wieder weg. Ab da hab ich mir dann gesagt, gut ich krieg den Mist jetzt auch zu Hause. Dann kann ich auch wieder los gehen , ist ja egal wo ich die Angst und Panik bekomme. Das war irgendwie das Schlüsselerlebnis. Es lief natürlich nicht perfekt aber langsam wurde es ab da besser. Mal mehr mal weniger gut.  Wink